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Schlägerei im Swiss-Airbus: Was wirklich geschah: Passagier filmte Chinesen, Augenzeugin spricht

Ein Chinese fühlt sich wegen der Lehne eines anderen Chinesen beim Essen gestört – und schlägt zu!

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Exklusiv: Das Video aus dem Swiss-Flieger
 

Vier Stunden ist die Swiss-Maschine LX 196 von Zürich nach Peking bereits in der Luft. 200 Passagiere sind an Bord. Es ist ein ruhiger Flug – bis der Airbus A340 über Moskau ist. Es ist Sonntag, kurz nach 17 Uhr. Die Kabinenbesatzung serviert das Abendessen. Dann rastet ein Chinese (57) plötzlich aus und geht auf seinen Vordermann los.

«Ich sass vier Reihen vor ihm», sagt Reiseleiterin Valerie Sprenger (39) aus Goldach SG. «Ich bin auf ihn aufmerksam geworden, als er lautstark auf Chinesisch seinen Vordermann anschrie. Es ging um die Rückenlehne, die der Passagier in Reihe 33 nach hinten gestellt hatte», so Sprenger. «Der Ältere der beiden fühlte sich beim Essen gestört. Als der Jüngere auf seine Schreie nicht reagierte, schlug er ihm mit der flachen Hand auf den Kopf. Es hat richtig laut geklatscht», sagt die Reiseleiterin, die mit einer 27-köpfigen Gruppe auf dem Weg nach Peking war.

Beide lagen auf dem Boden

Auf den Schlag reagiert der 29-jährige Chinese. Er springt auf und schubst seinen älteren Landsmann gegen die Brust. «Dann ging alles ganz schnell», sagt Valerie Sprenger. «Sie haben angefangen, aufeinander einzuschlagen. Auf dem Gang ging es dann weiter, bis beide auf dem Boden lagen.»

Ein Maître de Cabine versucht, die Streithähne auseinanderzubekommen. Doch das gefällt dem 57-Jährigen gar nicht. «Er ist dem Steward an die Gurgel gegangen», sagt Sprenger. «Gott sei Dank ist dem Mann ein kräftiger Passagier zu Hilfe gekommen. Zu zweit haben sie ihn unter Kontrolle gebracht.» Erschöpft lässt sich der jüngere Chinese auf seinen Sitz fallen. Sein Peiniger wird von Stewardessen verarztet. «Dann haben sie ihm mit Kabelbindern die Hände zusammengebunden und ihn in die letzte Reihe verbannt. Dort schrie er eine geschlagene Stunde! Die Situation war unglaublich nervenaufreibend. Es herrschte ein riesiges Chaos», so Sprenger. «Der ältere Chinese wirkte ziemlich betrunken.»

«Ich habe 20 Meetings verpasst!»

Das bestätigt später auch Werner Schaub, Sprecher der Kantonspolizei Zürich: «Es war Alkohol mit im Spiel.»

Nach dem Vorfall entscheidet der Kapitän, nach Kloten zurückzukehren. «Ich verstehe, dass er zurückgeflogen ist», so Valerie Sprenger. Nicht so verständnisvoll reagiert Roland S.* (51), Manager einer Maschinenfabrik aus Nürnberg (D). Er musste in Kloten übernachten. «Sie hätten die beiden einfach in Peking der Polizei übergeben sollen. Dann hätten wir alle nicht solche Unannehmlichkeiten gehabt. Ich habe 20 Meetings verpasst!»

Die beiden Chinesen wurden noch im Flugzeug festgenommen und der Kantonspolizei übergeben. «Der ältere Chinese konnte bis zum späten Montagvormittag nicht einvernommen werden», so Werner Schaub.

* Name bekannt

Wann muss ich meinen Sitz senkrecht stellen?

Der Sitz des Vordermanns klemmt die Knie ein, nimmt einem jede Bewegungsfreiheit. Wer kennt das nicht? Bei Start, Landung und Turbulenzen muss man seinen Sitz senkrecht stellen. Doch wie ist es während des Fluges? «Der Passagier kann frei über seine Lehne verfügen», sagt der langjährige Swiss-Pilot Olav Brunner (72). «Sie ist sozusagen im Ticketpreis mit inbegriffen. Nur aus Komfortgründen kann dem Passagier das Kippen nicht verboten werden. Theoretisch auch dann nicht, wenn eine Stewardess ihn darum bittet», so Brunner. 

Beliebteste Kommentare

  • Thomas  Haueter , Berlin
    Als Passagier haette ich da echt Muehe den Entscheid des Piloten zu verstehen. Es kann ja kaum sein, dass - ich weiss nicht wieviele Reisende - wegen 2 Verrueckten wieder zurueck nach Zurich muessen.
  • Jonas  Bähler , Gümligen
    Warum keine Zwischenlandung in Moskau? Die Streithähne ausladen und weiterfliegen.

Alle Kommentare (62)

  • Yves  Ebneter , Winterthur
    Nur aus Angst sind sie umgehkehrt. Es war nie so schlimm als dass ein Umkehren Sinn macht. Ihr glaubt nicht wirklich das der Chinese die Kosten bezahlen kann. Gerichtskosten und der ganze Schaden. Geschweige denn die Schadensforderung der Passagiere. Swiss bleibt auf dem Schaden sitzen. Und die CH Justitz ist ja nicht wirklich zu fürchten. Als Kommandant muss man klar machen wer die Hosen anhat und nicht voll hat.
  • Peter  Kaufmann , Oftringen
    Keine Handschellen an Bord? mit Handschellen an den Sitz fesseln und Mund mit einem Tuch zubinden und der 57 Jährige ist auf ruhig gestellt bis Peking. Wäre sinnvoller als noch Unschuldige mit langer Wartezeit zu bestrafen.
  • Andreas  Hug
    Warum müssen wir vom Ex-Swiss-Pilot erfahren, dass wir auch während der Essensphase den Sitz nicht senkrecht stellen müssen? Die Fluggesellschaften sollten diesen heiklen Punkt klar und transparent regeln. Besonders kritisch finde ich, dass man selbst dem höflichen Bitten der Stewardes nicht Folge leisten muss. Wann weiss ich, ob ich verpflichtet bin - und bei nicht Folgeleistung dann auch noch gesperrt werde und wann es sich um eine fakultative Folgeleistung handelt?
  • Schar  Fesauge , via Facebook
    Der Pilot entscheidet. Das ist grundsätzlich richtig so. Die Reise hätte vermutlich länger gedauert. Die Einreiseprüfung der beiden Chinesen in Russland hätte auch Zeit in Anspruch genommen. Die Swiss hätte nicht einfach wieder abfliegen können. Im schlimmsten Fall sogar mit den beiden Chinesen weil sie in Russland nicht einreisen können. Allen Geschädigten rate ich aber, den Verursacher zu verklagen. Angenommen 50 bis 100 Passagiere würden ihren Schaden geltend machen - vorausgesetzt es ist ein finanzieller Schaden entstanden. ch bin mir sicher, der Chinese würde vermutlich im Gefängnis bleiben und die Schlagzeile würde um die Welt gehen. Randale im Flugzeug ist ein No go. Die Swiss wird hoffentlich Schadenersatz klagen.
  • Aleksandar  Stankovic , via Facebook
    Ähnliches habe ich auf dem Flug von Frankfurt nach Havanna erlebt. Da war auch Alkohol im Spiel. Ich würde Alkohol eh im Flieger verbieten!
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Ärgerten Sie sich auch schon über gekippte Lehnen?»