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Vorübergehend geschlossen: Nadja M. konnte vor ihrer Verhaftung nur noch die Mitteilung anbringen, dass sie ihren Salon schliessen muss. (Ralph Donghi)
Sie hat ihren Coiffeursalon in derselben Überbauung, in der in der Nacht auf Samstag die Grenchner Familie Dubey hingerichtet wurde. Margrit Dubey († 55) war eine Stammkundin.
Doch derzeit ist das Geschäft von Nadja M.* geschlossen – die Polizei hat sie am Dienstagabend, vier Tage nach dem Dreifachmord, mitgenommen. Gestern gab die Solothurner Kantonspolizei bekannt, es seien «mehrere Personen zur Überprüfung vorübergehend festgenommen und befragt» worden. Ein Teil der Personen sei inzwischen wieder auf freiem Fuss.
Mit anderen Worten: Manche dieser Personen sitzen noch ein.
Wer? Der Basler Experte für sogenannte Schneeballsysteme, Willy Fraefel, sagt gegenüber BLICK: «Es ist Nadja M. Sie rief mich am Dienstag an, erkundigte sich, wie sie sich verhalten solle. Aber mein Problem ist: Sie kam nicht mehr dazu, eine Vollmacht zu unterschreiben.»
Jetzt werde sie befragt, ohne dass sie mit einem Anwalt sprechen konnte, so Fraefel. «Ein Skandal!»
Auch Nadjas Bruder ist empört: «Wir, die Eltern und ich, können auch nicht mit ihr reden. Wir erfuhren durch Nadjas Tochter von der Verhaftung.» Am Dienstagabend sei sie noch im Geschäft gewesen, da sei die Polizei gekommen.
«Beim Rausspazieren haben sie sie verhaftet.» Offenbar liess man sie kurz umkehren, um den Telefonbeantworter zu besprechen. Dort entschuldigt sie sich bei ihren Kunden, mit belegter Stimme: «Ich muss auf polizeiliche Anordnung das Geschäft bis 15. Juni schliessen.»
Dieselbe Mitteilung steht nun auf einem Zettel an der Salon-Eingangstüre (Bild oben).
Die Coiffeuse kannte die Dubeys gut. Machte bei den Geschäften mit den umstrittenen Bios-Life-Produkten mit. «Ja, das stimmt», sagt ihr Bruder. «Aber dass sie bei den Schenkkreis-Sachen mitgemacht haben soll, davon habe ich noch nie etwas mitgekriegt.»
War sie wirklich unbeteiligt? Wirtin Marietta Meier sagt, Nadja M. sei bei den Bios-Life-Veranstaltungen der Dubeys im Grenchner «Parktheater» immer dabei gewesen: «Und zwar mit ihrem Lebenspartner. Die zwei unterstützten die Dubeys immer.» Das gab Nadja M. auch gegenüber BLICK zu.
Doch an diesen Veranstaltungen weibelte Margrit Dubey nebenbei immer eifrig für ihren Schenkkreis «Das Projekt» und suchte neue «Investoren».
Fest steht: Nadja M. brachte die Ermittlungen im Dreifachmord ins Rollen, wie Nachbarin Irene B. (81) bestätigt. Denn Margrit Dubey habe am vergangenen Samstagmorgen angeblich einen Coiffeurtermin bei ihr gehabt. Doch Margrit Dubey war nicht erschienen.
Nadja M. rief eine Nachbarin an. Diese alarmierte Margrit Dubeys Schwester – und die fand die Leichen: Zwei hatten einen Sack über dem Kopf. Und eine Person lag erschossen im Büro im Erdgeschoss.
«Sie hat mit den Morden nichts zu tun», glaubt Nadja M.s Bruder. «Sie wollte mit der Benachrichtigung doch nur Gutes tun!»
Doch am Montag bestreitet Nadja M. gegenüber BLICK plötzlich, dass es einen Termin gegeben habe. Verstrickte sie sich auch gegenüber der Polizei in Widersprüche?
Die Untersuchungen laufen weiter. Und ein BLICK-Augenschein bei der Wohnungstür der Dubeys zeigt zwei Dinge: Erstens mehrere Fingerabdrücke am Türrahmen. Zweitens – keine Einbruchsspuren!
Kannten die Dubeys also ihren Mörder? Öffneten sie ihm gar selber die Tür?
*Name geändert