SVP-Fraktions-Vorstand will Zweier-Ticket Schein-Kandidat Blocher

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Henry Habegger und Simon Spengler
Christoph Blocher und «Mister X». Dieses Zweier-Ticket wünscht sich der SVP-Fraktions-Vorstands.- Philippe Rossier

Der grosse Showdown: Wer darf für die SVP in den Bundesrat? Heute entscheidet die Fraktion, wer aufs Ticket kommt. Die Fraktionsspitze empfiehlt ein Doppelpack: Blocher plus «Mister X».

Ein gemütliches Kaffeekränzchen wird das nicht! Auch wenn sich die SVP-Fraktion heute im Seminarzentrum «JURAworld of Coffee» beim Kaffeemaschinen-Hersteller Jura im solothurnischen Niederbuchsiten trifft.

Schon die Vorbereitungssitzung gestern im Schweizerhof in Zürich war äusserst zäh: Zweieinhalb Stunden rang der 15-köpfige Vorstand um seinen Wahlvorschlag, den er heute der Gesamtfraktion unterbreiten will. Das Ergebnis, das am Schluss einstimmig gefällt wurde: Die SVP hält weiter an Christoph Blocher fest. Neben ihm soll aber ein zweiter Kandidat aufs Ticket. Wer, liess das Gremium noch offen.

Blocher war bei der Vor-Ausmarchung selbst dabei, allerdings nur mit beratender Stimme. Nach BLICK-Informationen gab er sein Placet dafür, neben sich einen Alternativ-Vorschlag zu dulden. Allerdings blieb ihm wohl auch nichts anderes übrig. Zu stark waren die Stimmen innerhalb der eigenen Partei, die einen Zweiervorschlag forderten. Zu unüberhörbar die Signale der anderen Parteien, dass Blocher nie gewählt würde. Und wohl auch zu verlockend für einen Gutteil der SVPler, den Übervater so elegant loszuwerden: Wenn das Parlament ihn versenkt, muss kein Eigener zum Vatermörder werden.

Wer wird nun dieser «Mister X»? Fraktions-Vizepräsident Hansruedi Wandfluh verrät, in welche Richtung man suchen muss: «Mit Blocher ist schon ein Zürcher auf dem Ticket. Als Gesamtschweizer Partei brauchts noch einen Kandidaten aus einem anderen Kanton.»

Amstutz und Baader in der Pole-Position

Damit wäre Ueli Maurer aus dem Spiel, ebenso Bruno Zuppiger und Rita Fuhrer. Blocher verbaut also seiner Zürcher Partei den Sitz. Sympathien wird ihm das dort nicht eintragen. Dafür bleibt Wandfluhs Berner Landsmann Adrian Amstutz weiter im Rennen. Genau wie der Baselbieter Caspar Baader. Nicht wenige Fraktionsmitglieder sehen in ihm den heimlichen Favoriten.

Viel hängt davon ab, ob der Wirtschaftsflügel um Peter Spuhler Amstutz oder Baader akzeptiert. Immerhin haben sich beide klar gegen die Ausweitung der Personenfreizügigkeit ausgesprochen. Ausserdem gehört Baader zum harten Kern um die Parteileitung. Nicht ausgeschlossen, dass als Alternative am Schluss noch ein Vertreter des liberaleren Flügels in die Kränze kommt. In Stein gemeisselt ist jedenfalls noch gar nichts. Nicht mal, ob die Fraktionsmehrheit tatsächlich mit Blocher antreten will. Denn eines ist klar: Blocher plus X ist kein echter Zweiervorschlag. Sondern ein Einerticket für «Mister X».

Im Zürcher Hotel Schweizerhof rang sich die SVP-Fraktionsspitze zum Doppelticket mit Christoph Blocher durch.- Keystone

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