Unternehmensberater fordert «Schafft unsere Chefs ab - es geht ohne»

  • Publiziert: 09.05.2012
  • Karin Müller

ZÜRICH - Management-Coach Heiko Fischer will CEOs und Personalabteilungen abschaffen. In Deutschland begeisterte er mit seiner Idee bereits zahlreiche Unternehmer. Jetzt kommt er in die Schweiz.

Weg mit Hierarchien, weg mit den Chefs. Jeder bestimmt seinen Lohn selbst und wählt, ob er seine Aufgaben im Home Office erledigt oder im Büro. Feste Arbeitszeiten werden abgeschafft. Was jedem CEO den Angstschweiss auf die Stirn treibt, wird international bereits praktiziert.

Management ohne Manager

Der bekannteste Konzern, der ohne Hirarchien erfolgreich tätig ist, heisst Semco in Brasilien. Der Unternehmer Ricardo Semler wurde weltweit durch die radikale Demokratisierung seiner Firma bekannt.

Die heute 3000 Semco-Mitarbeiter wählen ihre Vorgesetzten, bestimmen ihre eigenen Arbeitszeiten und Gehälter. Es gibt keine Businesspläne, keine Personalabteilung, fast keine Hierarchie. Alle Gewinne werden per Abstimmung aufgeteilt, die Gehälter und sämtliche Geschäftsbücher sind für alle einsehbar.

Unter Semlers Leitung stieg der Umsatz innerhalb von zehn Jahren von vier Millionen auf 220 Millionen Dollar.

Der deutsche Management-Coach Heiko Fischer implementierte das «Projekt Cheflos glücklich» in rund 30 Firmen in Deutschland. An einer Veranstaltung am Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) in Rüchlikon ZH, will er nun Schweizer Manager überzeugen, sich selbst abzuschaffen.

Fischer weiss, wovon er spricht. Er arbeitete erst jahrelang als Personalchef bei diversen Unternehmen, unter anderem auch bei eBay.

Dann kam er zum Schluss: Chefs und Personalabteilungen sind komplett überflüssig und gehören abgeschafft. Er schritt zur Tat: «Ich fragte die einzelnen Abteilungsleiter meines damaligen Arbeitgebers, ob sie sich vorstellen könnten, demokratisch als Team zusammenzuarbeiten, mit Gewinnbeteiligung am Erfolg des Unternehmens. Sie konnten.»

Angestellte werden zu Mini-Unternehmern

Es wurde abgeklärt, welche Struktur die Mitarbeiter benötigten, um optimale Leistungen zu erbringen. Fischer: «Das Team war dann zwar erst einmal ratlos. Denn jeder schreit nach freiheitlichem Arbeiten, doch wenn er’s dann machen könnte, geht  erst mal nichts mehr.»

Angestellte hätten in den letzten Jahrzehnten super gut gelernt, wie man sich beschwert, aber nie, wie man sich optimal organisiert.

Für Fischer ist klar: «Wer in Zukunft Erfolg haben will, braucht eine Organisation, in der Menschen ihre Ressourcen selber managen, neue Produkte entwickeln und verkaufen – aber keine Personalabteilung, die Prozesse optimiert und Mitarbeiter administriert.»  

Alle Kommentare (10)

  • Hans  Blumer
    Und was machen nachher diese übeflüssigen Cherfs? Die haben doch nie gelernt von eigener Hände Arbeit zu leben. Das wissen die selber am besten und daher werden die sicher nicht ihr eigenes Grab schaufeln.
    • 09.05.2012
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    • Heiko  Fischer , Berlin , via Facebook
      Salut Herr Blumer, nicht ohne Grund heisst unsere erste Phase in der Transformation von Human Resources zu Resourceful Humans: "Revolution" :- Wie sagte schon Willy Brandt: "Wir wollen mehr Demokratie wagen..." Doch Unwillige und Unfähige werden diesen Weg im Sinne ordentlicher unternehmerischer Arbeit nicht mitgehen können. Man sollte zumindest den Versuch machen Unfähige noch zu befähigen, doch wenn dies scheitert muss man im Sinne des Kunden und des ehrlich schaffenden Teams entscheiden.
      • 09.05.2012
      • als Kommentar auf Hans  Blumer
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  • Heiko  Fischer , Berlin , via Facebook
    Salut Rees, das mit den Strukturen sehe ich genauso. Doch denke ich wir haben uns da in eine falsche Ecke verannt. Daher der Appell mit unserem "Weg der Resourceful Humans" einen Ausweg aus dieser Sackgasse zu suchen. Da die HR Funktion der Botschafter der Menschen ist, sehe ich dort unsere Verantwortung neue, sinnvollere Strukturen zu schaffen.
    Saludos,
    Heiko Fischer
    • 09.05.2012
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  • Jonas  Bähler , Gümligen
    Dieses Modell sollte in der CH machbar sein, denn wir Schweizer sind Basisdemokratie gewohnt, leben diese zumindest politisch, und sehr erfolgreich. Von da her! Deutsche Chefs sind diese Kultur nicht gewohnt, stehen streng hierarschisch über allen Dödeln. Leider etabliert sich in der CH eine Parlallelgesellschaft, auf oek, Seite. Das wird sich bald mal rächen.
    • 09.05.2012
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    • Heiko  Fischer , Berlin , via Facebook
      Salut Herr Jakober, ich denke auch die Schweiz hat ideale Rahmenbedingungen. Schon alleine vom hohen Ausbildungslevel und der Demokratiefähigkeit her. Ausserdem ist der Industrie-Fokus ohnehin schon auf Services und Innovation, und in der Wissensarbeit haben es Resourceful Humans leichter Ihren Weg zu gehen.

      Das z.B. die Schweizer gegen mehr Urlaub abgestimmt haben, zeigt, dass intelligente, mündige Bürger durchaus nicht immer nur auf den eigenen Vorteil aus sind, sondern Kontext-bewusst handeln. Dieselben Bürger beseelen auch die hiesigen Organisationen...braucht man noch mehr Beweise für ein gesundes Fundament der Organisationsdemokratie? Ich finde nein.
      • 09.05.2012
      • als Kommentar auf Jonas  Bähler , Gümligen
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  • Peter   Lustig , Biel
    Bin dabei. Wer hilft mit? Super Idee......
    • 09.05.2012
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  • Rudolf  Hofer
    Ja, das ist sicher einer der besseren Wege unsere Produktivität und Lebensqualität zu verbessern. Viele unserer Manager sind jung, dynamisch und erfolglos aber gut HSG geschult, die von den „normaldenkenden“ Belegschaften unterhalten und gefüttert werden müssen. Es ist interessant wie viele Positions-Manager nur als Durchlauferhitzer tätig sind, das heisst sie brauchen nur die Energie der anderen um diese weiterzuleiten.
    • 09.05.2012
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