ZÜRICH - Management-Coach Heiko Fischer will CEOs und Personalabteilungen abschaffen. In Deutschland begeisterte er mit seiner Idee bereits zahlreiche Unternehmer. Jetzt kommt er in die Schweiz.
Weg mit Hierarchien, weg mit den Chefs. Jeder bestimmt seinen Lohn selbst und wählt, ob er seine Aufgaben im Home Office erledigt oder im Büro. Feste Arbeitszeiten werden abgeschafft. Was jedem CEO den Angstschweiss auf die Stirn treibt, wird international bereits praktiziert.
Der bekannteste Konzern, der ohne Hirarchien erfolgreich tätig ist, heisst Semco in Brasilien. Der Unternehmer Ricardo Semler wurde weltweit durch die radikale Demokratisierung seiner Firma bekannt.
Die heute 3000 Semco-Mitarbeiter wählen ihre Vorgesetzten, bestimmen ihre eigenen Arbeitszeiten und Gehälter. Es gibt keine Businesspläne, keine Personalabteilung, fast keine Hierarchie. Alle Gewinne werden per Abstimmung aufgeteilt, die Gehälter und sämtliche Geschäftsbücher sind für alle einsehbar.
Unter Semlers Leitung stieg der Umsatz innerhalb von zehn Jahren von vier Millionen auf 220 Millionen Dollar.
Der deutsche Management-Coach Heiko Fischer implementierte das «Projekt Cheflos glücklich» in rund 30 Firmen in Deutschland. An einer Veranstaltung am Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) in Rüchlikon ZH, will er nun Schweizer Manager überzeugen, sich selbst abzuschaffen.
Fischer weiss, wovon er spricht. Er arbeitete erst jahrelang als Personalchef bei diversen Unternehmen, unter anderem auch bei eBay.
Dann kam er zum Schluss: Chefs und Personalabteilungen sind komplett überflüssig und gehören abgeschafft. Er schritt zur Tat: «Ich fragte die einzelnen Abteilungsleiter meines damaligen Arbeitgebers, ob sie sich vorstellen könnten, demokratisch als Team zusammenzuarbeiten, mit Gewinnbeteiligung am Erfolg des Unternehmens. Sie konnten.»
Es wurde abgeklärt, welche Struktur die Mitarbeiter benötigten, um optimale Leistungen zu erbringen. Fischer: «Das Team war dann zwar erst einmal ratlos. Denn jeder schreit nach freiheitlichem Arbeiten, doch wenn er’s dann machen könnte, geht erst mal nichts mehr.»
Angestellte hätten in den letzten Jahrzehnten super gut gelernt, wie man sich beschwert, aber nie, wie man sich optimal organisiert.
Für Fischer ist klar: «Wer in Zukunft Erfolg haben will, braucht eine Organisation, in der Menschen ihre Ressourcen selber managen, neue Produkte entwickeln und verkaufen – aber keine Personalabteilung, die Prozesse optimiert und Mitarbeiter administriert.»
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