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Video-Überwacht: Kameras sollen Zugbegleiter ersetzen. (SBB)
SBB-Zentrale in Bern, 10. Juni 2009, 17.30 Uhr: Führende Exponenten der Bahngewerkschaft SEV sowie der Präsident des Zugpersonalverbands (ZPV) treffen sich mit SBB-Fernverkehrsleiter Vincent Ducrot zur Krisensitzung.
Die Gewerkschafter sind nervös: Während die SBB ein Luxusprojekt nach dem anderen aufgleisen, drohen dem Fernverkehr massive Einsparungen. Ducrot verkündet, die SBB-Führung werde «die betriebswirtschaftliche Rentabilität» sämtlicher Interregio-Strecken überprüfen. Das sind 50 Prozent des gesamten SBB-Fernverkehrsnetzes. «Bringt eine Interregio-Strecke zu wenig Geld ein, wird sie in eine günstige RegioExpress-Strecke umgewandelt», erklärt Jürg Hurni (47), Verantwortlicher für SBB-Geschäfte beim SEV. Das bedeutet unter anderem die schrittweise Abschaffung der Zugbegleiter. SBB-Sprecher Reto Kormann bestätigt gegenüber SonntagsBlick: «Die Betriebskosten auf etlichen Interregio-Strecken sind zurzeit überproporzional hoch.»
Die Gewerkschaften stört, dass auf Kosten der Sicherheit gespart werden soll. Ab 2012/13 setzen die SBB auf dem grössten Teil des RegioExpress-Netzes neue Doppelstockzüge ein. Kondukteure, die bislang für Ruhe und Sicherheit sorgten, können laut SBB durch ein «modernes Videokamera-Überwachungssystem und automatische Lautsprecher-Durchsagen» ersetzt werden – so auch bei den umgewandelten Interregio-Zügen.
«Eine Videokamera kann einen Zugbegleiter nie und nimmer ersetzen», sagt Hurni. «Sicherheit und Dienstleistungsangebot gehen so den Bach runter.»
Von der Umwandlung bedroht sind alle Interregio-Strecken, die durch den Pendlerverkehr stark ausgelastet sind, aber tagsüber zu wenig Einnahmen bringen. Erstes Opfer ist ab Fahrplanwechsel im Dezember die bisherige Interregio-Strecke Bern–Biel.
Noch wollen die SBB die Karten nicht auf den Tisch legen. Sprecher Kormann bestätigt nur, dass die Herabstufung von «einzelnen Interregio-Strecken» geprüft werde. Um welche es sich handelt, sei geheim. Er räumt nur ein, dass «vereinzelte Linien» des RegioExpress-Netzes künftig im Selbstkontrollbetrieb geführt werden können.
Dem SEV reicht diese Antwort nicht: «Wir sind irritiert darüber, dass die SBB dieses Vorhaben durch die Hintertür umsetzen wollen.»