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SBB: SBB: Heimliches Sparprogramm

Unrentable ­Interregios werden in ­günstige RegioExpress-Züge umgewandelt – mit Videokameras statt Zugbegleitern.

Von Lorenz Honegger | Aktualisiert um 12:49 | 21.06.2009
Video-Überwacht: Kameras sollen Zugbegleiter ersetzen. (SBB)
Video-Überwacht: Kameras sollen Zugbegleiter ersetzen. (SBB)
SBB-Zentrale in Bern, 10. Juni 2009, 17.30 Uhr: Führende Exponenten der Bahngewerkschaft SEV sowie der Präsident des Zugpersonalverbands (ZPV) treffen sich mit SBB-Fernverkehrsleiter Vincent Ducrot zur Krisensitzung.

Die Gewerkschafter sind nervös: Während die SBB ein Luxusprojekt nach dem anderen aufgleisen, drohen dem Fernverkehr massive Einsparungen. Ducrot verkündet, die SBB-Führung werde «die betriebswirtschaftliche Rentabilität» sämtlicher Interregio-Strecken überprüfen. Das sind 50 Prozent des gesamten SBB-Fernverkehrsnetzes. «Bringt eine Interregio-Strecke zu wenig Geld ein, wird sie in eine günstige RegioExpress-Strecke umgewandelt», erklärt Jürg Hurni (47), Verantwortlicher für SBB-Geschäfte beim SEV. Das bedeutet unter anderem die schrittweise Abschaffung der Zugbegleiter. SBB-Sprecher Reto Kormann bestätigt gegenüber SonntagsBlick: «Die Betriebskosten auf etlichen Interregio-Strecken sind zurzeit überproporzional hoch.»

Die Gewerkschaften stört, dass auf Kosten der Sicherheit gespart werden soll. Ab 2012/13 setzen die SBB auf dem grössten Teil des RegioExpress-Netzes neue Doppelstockzüge ein. Kondukteure, die bislang für Ruhe und Sicherheit sorgten, können laut SBB durch ein «modernes Videokamera-Überwachungssystem und automatische Lautsprecher-Durchsagen» ersetzt werden – so auch bei den umgewandelten Interregio-Zügen.

«Eine Videokamera kann einen Zugbegleiter nie und nimmer ersetzen», sagt Hurni. «Sicherheit und Dienstleistungsangebot gehen so den Bach runter.»

Von der Umwandlung bedroht sind alle Interregio-Strecken, die durch den Pendlerverkehr stark ausgelastet sind, aber tagsüber zu wenig Einnahmen bringen. Erstes Opfer ist ab Fahrplanwechsel im Dezember die bisherige Interregio-Strecke Bern–Biel.

Noch wollen die SBB die Karten nicht auf den Tisch legen. Sprecher Kormann bestätigt nur, dass die Herabstufung von «einzelnen Interregio-Strecken» geprüft werde. Um welche es sich handelt, sei geheim. Er räumt nur ein, dass «vereinzelte Linien» des RegioExpress-Netzes künftig im Selbstkontrollbetrieb geführt werden können.

Dem SEV reicht diese Antwort nicht: «Wir sind irritiert darüber, dass die SBB dieses Vorhaben durch die Hintertür umsetzen wollen.»
Das sagen Blick.ch-Leser
Hans Wurst, Biel - 18:17 | 21.06.2009
» Ist ja wieder mal klar typisch SBB! Und das erwähnte beispiel Bern-Biel ist auch typisch, den jeder der Richtung Biel fährt weis das alle alten Züge nach Biel abgeschoben werden, aus den Augen aus dem Sinn, in diesem Stil, den auf der Paradestrecke Bern-Zürich sollen nur top moderne Züge fahren. Der letzte Fahrplanwechsel hat Biel ebenfalls einige Neigezüge weg genommen, welche jetzt am Gotthard fahren. Man erinnere sich an die Expo 02, dort wurden diese Züge extra für dieses Gebiet gebaut!
Karl Schrader, Schaffhausen - 17:35 | 21.06.2009
» In 5 Tagen kommt das Auto für meine Frau. Das ist unsere Antwort auf die SBB. Kein Zugbegleiter bedeutet, dass wieder mehr 2.-Klässler in der 1. Klasse sitzen und darauf hat sie schon lange keine Lust mehr. Ebenso auf Verpätungen, Überfüllte Züge, Lärm.........
Philipp T, St.gallen - 16:54 | 21.06.2009
» Eine Automatische durchsage Audiodurchsage soll für ruhe sorgen?! Wers glaubt wird seelig.
rolf berner, bern - 16:52 | 21.06.2009
» früher gabs die SBB,die PTT,die SWISSAIR, usw.erst seit jedes häfeli und jedes deckeli für sich rentieren soll und nicht mehr als ganzes rentierts nicht mehr.danke HSG..und Konsorten
Patrick B., Lugano - 14:34 | 21.06.2009
» Die so genannte Holzklasse (3. Klasse) wurde 1956 in den meisten europäischen Ländern abgeschafft. Man spekulierte schon damals mit der in der Bevölkerung unpopulären VIP-Klasse (1. Klasse), wobei die Erstklasspassagiere bei der SBB lediglich 1,5 Prozent betrugen. Das grosse Geld macht man mit der Masse, aber das kapieren die in Bern anscheinend nicht. Ein Minimum für ein Maximum sollte die Marketingstrategie sein, nicht umgekehrt!
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