Billig-Bier für Alkoholiker – bei der Suchthilfe! Saufen für 60 Rappen

  • Publiziert: 19.05.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Ralph Donghi

Für die einen ist es ein Witz. Für andere eine Schweinerei, wie Olten mit seinen Alkoholikern umgeht.

Roger Lang (46) schüttelt den Kopf. «Ich glaube es nicht. Das ist eine Schweinerei », sagt der Wirt der Oltner Traditions-Beiz «Rathskeller». Unweit von seinem Lokal wird Bier für 60 Rappen das Kübeli ausgeschenkt – bei der «Suchthilfe Region Olten» (SHO).

Der Rathskeller-Wirt: «Alkohol-Süchtigen schenkt man doch keinen Alk aus.»

Geht es nach der Stadt Olten –dann schon. «Etwa 90 Prozent der Parlamentarier haben für das Projekt gestimmt», sagt Eric Misteli (52), Geschäftsleiter der SHO. Er führt die «Stadtküche inklusive Bierausschank» – die Stadt nennt es «Alkstübli» und unterstützt es nun jährlich mit 100 000 Franken.

«Wir machten zuerst am alten Standort einen Test», sagt Misteli. Dort konnten Randständige – nebst einem Mittagessen für fünf Stutz – Halbliter-Büchsen Bier für 60 Rappen kaufen. Aus dem Automaten.

Doch weil sie das Büchsenbier mit nach draussen nahmen und dort rumlärmten, gibt es am neuen SHO-Standort keine Büchsen mehr. Das Bier kommt – und das ist laut Misteli «wohl einzigartig in der Schweiz» – bei der Suchthilfe frisch vom «Eichhof»-Zapfhahn. «Jetzt ist es nur noch eine Stange. Sie kostet aber immer noch 60 Rappen.»

Die Trinker müssen fürs Kübeli zwei Franken Depot hinterlassen. «Deshalb bleiben sie hier», sagt Misteli. Man habe die Leute «endlich vom Stadtzentrum weg», unter Aufsicht. Per Strichlikontrolle wisse man, wer wie viel Bier getrunken habe. Misteli: «Und wir können eingreifen, wenn einer zu viel hatte.»

Dänu (40) und Sven (37) finden ein Bier für 60 Rappen «tipptopp»: «Im Denner bekämen wir dafür zwar einen Halbliter, doch hier ist es viel gemütlicher.»

Ab 11.30 Uhr bekommt also jeder im Alkstübli Bier? «Ja, jeder der in einer der 44 Gemeinden wohnt, für die wir zuständig sind, und der das Gefühl hat, er sei süchtig», sagt SHO-Misteli.

SVP-Nationalrat Walter Wobmann (50) aus Gretzenbach nervt sich: «Mit solchen Aktionen werden völlig falsche Signale gesetzt! Es ist ein trauriger Witz.»

EVP-Grossrat Ruedi Löffel (46) aus Münchenbuchsee ist Projektleiter Suchtprävention beim Blauen Kreuz. «Dass man Süchtige unter Kontrolle zu haben versucht, wäre mit alkoholfreiem Bier okay.»

So aber hat Olten ein neues Problem. Vis-à-vis des Alkstüblis halten sich vermehrt Suchtkranke auf. SHO-Misteli: «Wir dürfen die Leute dort nicht wegweisen. Das darf nur die Stadtpolizei.» Die ist der Stadt Olten unterstellt. Wer gab der Suchthilfe schon wieder die Erlaubnis zum Bier-Ausschank?

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