Ruedi Grüring (69) war 30 Jahre lang Arzt und kennt die Sorgen kleiner Patienten Kinder sind heute nervöser

INTERLAKEN - Dr. Ruedi Grüring (69) hat 30 Jahre als Kinderarzt in Interlaken praktiziert und jetzt ein Buch darüber geschrieben, wie sich die Sorgen der kleinen Patienten verändert haben.

Kinder sind nervöser: Kinderarzt schreibt Buch über Kinder-Sorgen play
Der pensionierte Kinderarzt Ruedi Grüring und seine Grosskinder (v. l.) Luis (8), Noé (11) und Gianna (5). In seinem Buch zieht er Bilanz über sein Berufsleben und gibt hilfreiche Tipps. Peter Gerber

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Dicke Post in Hochdorf LU Frau täuschte Raubüberfall nur vor
2 Nach Facebook-Aufruf zum Geburtstag 31 Kisten Post für behinderte Denise
3 Wildwest beim «Saloon» in Wetzikon ZH Polizist springt auf Fluchtauto

Schweiz

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
Fehler
Melden

Kaum abzuschätzen, in wie viele Kinderaugen er geblickt, wie viele kleine Händchen er gehalten, wie viele schmerzende Bäuchlein er untersucht hat.

30 Jahre hat Ruedi Grüring (69) als Kinderarzt in Interlaken BE praktiziert – mit bis zu 8000 Konsultationen pro Jahr. In einem Buch blickt er jetzt zurück.

«Früher wurde ich oft zu schwerkranken Kindern gerufen: Hirnhautentzündung, Asthma mit schwerster Atemnot, bakteriell verursachte Kehlkopfentzündungen», sagt er. «Damals waren Hausbesuche üblich, aber die Eltern meldeten sich oft sehr spät.»

Das hat sich geändert: «Heute sind die Eltern aufgeklärter, auch ein bisschen ängstlicher und kommen früher. Viele Krankheiten gibt es dank der Impfungen nicht mehr. Häufig sind jetzt Infekte der oberen Atemwege, Bronchitis, Mittelohrentzündungen und Allergien.»

Allerdings scheinen ihm die kleinen Patienten heute nervöser, sie hätten zwar keine Angst vor dem Doktor, aber sie seien angespannter: «Sie erhalten sehr viele Reize durchs Fernsehen, Computerspiele und das iPad, auch die Schule verlangt mehr.» Übergewicht beobachte er in seiner Praxis dagegen seltener.

Den Impfstreit der letzten Jahre sieht er mit Gelassenheit: «Es waren etwa fünf Prozent, die nicht impfen wollten. Diese Entscheidung der Eltern habe ich zur Kenntnis genommen und respektiert.»

Er selbst hat drei erwachsene Kinder und sieben Enkel (1 bis 11), hält aber wenig von Ratschlägen zu gesunden Lebensweisen: «Das wird überschätzt. Das Gefühl sagt Eltern am besten, was für ihr Kind richtig ist, nicht der Intellekt. Man denkt heute viel zu viel.»

Positive Erfahrungen hat er dagegen mit Komplementärmedizin gemacht: «Homöopathie, Osteopathie schon bei Säuglingen und Kleinkindern, etwa gegen Schlafstörungen und Schreien, Bioresonanztherapie gegen Allergien und Migräne.» Mancher Berufskollege sah das kritisch, Ruedi Grüring vertraute auf seine eigenen Beobachtungen.

Seine Praxis hat er inzwischen abgegeben. Enkelin Gianna (5) bekam als letzte kleine Patientin eine Impfung. Einen spontanen Einsatz nach der Pensionierung hatte er trotzdem: «Geburtshelfer bei einer Nachbarin, deren Baby plötzlich schneller kam als erwartet.»

«Kleine Patienten, grosse Schicksale» (220 S., 39 Fr.) erschien im Werd Weber Verlag. 

Publiziert am 04.11.2016 | Aktualisiert am 07.11.2016
teilen
teilen
0 shares
Fehler
Melden