Riesenloch in der Arbeitslosen-Kasse

  • Publiziert: 22.03.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Silvio Bertolami
play Wer muss in welchem Job mit mehr Abzügen rechnen? (ZVG)

Die Arbeitslosenkasse muss dringend saniert werden. Deshalb blühen den Arbeitnehmern höhere Lohnabzüge. Hier die Rechnung in Franken und Rappen. Was halten Sie von mehr Abzügen? Schreiben Sie uns!

Das Loch in der Arbeitslosenversicherung (ALV) wird immer grösser. Ende 2010 werden sich die Schulden auf mindestens 10 Milliarden Franken belaufen. Dies sagte Serge Gaillard, Chef für Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft, gestern in der «NZZ am Sonntag».

Damit sind höhere Lohnabzüge programmiert. Was das in Franken und Rappen bedeutet, hängt vom Einkommen ab. Angestellten mit einem Monatslohn von 3000 Franken will der Bundesrat künftig Fr. 34.50 abzwacken, das sind Fr. 4.50 mehr als heute.

Durchschnittsverdiener sollen gegen 10 Franken pro Monat mehr abliefern. Oben in der Einkommenspyramide kann der Lohnabzug gemäss Vorschlag Bundesrat um 50 Franken und mehr steigen.

Gerwerkschaften wollen schneller sanieren

Muss der Arbeitnehmer mehr bezahlen, wird genau im gleichen Mass auch der Arbeitgeber zur
Kasse gebeten. Das treibt den Schweizerischen Gewerbeverband auf die Barrikaden. Er lehnt eine
Erhöhung der ALV-Prämien rundweg ab.

Die Einschnitte, die der Bundesrat bei den Leistungen vorsieht, sind den Gewerblern nicht radikal genug. Sie wollen die Arbeitslosenversicherung allein durch Reduktion der Kosten – sprich: Leistungen – sanieren.
Bei den Gewerkschaften tönt es gerade umgekehrt. Sie möchten die Leistungen sogar noch ausbauen. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund verlangt unter anderem Verbesserungen für ältere Arbeitnehmer und erwerbslose Mütter.

15 bis 100 Franken mehr pro Monat?

Travail Suisse, der andere Dachverband der Arbeitnehmer, kritisiert zudem das Tempo, das der Bundesrat anschlägt, äusserst scharf. Dass die Landesregierung die Schulden der Arbeitslosenversicherung über zehn Jahre abbauen wolle – das sei «verantwortungslos», weil viel zu langsam. Die Gewerkschafter befürchten einen Zusammenbruch dieser Sozialversicherung.

Mehr Leistungen, schnellere Sanierung – das bedeutet natürlich noch höhere Lohnabzüge. Geht es nach Travail Suisse, muss ein kleiner Angestellter bald 15 Franken pro Monat mehr bezahlen. Und Grossverdiener gar über 100 Franken mehr.

Was halten Sie von mehr Abzügen? Schreiben Sie uns!

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