Revolution auf dem Arbeitsmarkt: SBB setzen voll auf Teilzeit!

Die SBB wollen eine «Pionierrolle» bei neuen Arbeitsmodellen einnehmen. Um mehr Frauen anzulocken, schreiben sie immer mehr Teilzeitstellen aus.

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Die SBB werden zur Teilzeitfirma! Wie das bundeseigene Transportunternehmen gegenüber BLICK bestätigt, werden künftig alle neuen Stellen grundsätzlich als Teilzeitpensen ausgeschrieben. «Schon heute schreibt die SBB viele Stellen 80 bis 100 Prozent aus. Jetzt wollen wir das ausweiten», sagt SBB-Sprecherin Lea Meyer. Ausnahmen soll es zwar geben. Aber Pensen zwischen 80 und 100 Prozent werden der neue Standard.

Heute arbeiten von den rund 30 000 SBB-Angestellten 17 Prozent Teilzeit. Wobei vor allem Frauen ihre Pensen reduzieren: Die Hälfte von ihnen arbeitet Teilzeit. Bei den Männern sind es nur zehn Prozent.

Mit ihrer Offensive wollen die SBB für Frauen noch attraktiver werden. «Wir machen das auch, um mehr Frauen zu gewinnen», sagt Meyer. Schreiben die SBB künftig auch die interessanten Jobs Teilzeit aus, so das Kalkül, flattern automatisch mehr Bewerbungen von gut ausgebildeten Frauen ins Haus.

In der Abteilung Personenverkehr gilt die Revolution ab sofort. Mit über 14 000 Angestellten ist sie die grösste SBB-Division. An der Spitze steht Jeannine Pilloud (50), die erste Frau in der SBB-Konzernleitung. Ob die Initiative von der Befürworterin von Frauenquoten ausging, verraten die SBB nicht.

Klar ist aber: Die SBB wollen eine Pionierrolle bei neuen Arbeitsmodellen einnehmen. Im neuen Hauptsitz in Bern-Wankdorf gibt es weder Einzelbüros noch persönliche Arbeitsplätze. Stattdessen teilen sich die Bähnler die Arbeitsplätze. Desk-Sharing heisst das auf Managerdeutsch. Selbst Konzernchef Andreas Meyer (53) hat kein eigenes Büro mehr!

Arbeitsexperte Jürg Wiler (51) findet den SBB-Entscheid richtig. «In der Schweiz ist die Präsenzkultur in den Unternehmen noch immer stark verankert», sagt der Autor des Buches «Der Teilzeitmann». Jetzt brauche es einen Kulturwandel. Denn davon profitieren auch die Firmen selber: «Studien zeigen, dass Teilzeit die Leistung und die Loyalität fördert.»

Auch von unverdächtiger Seite ernten die SBB Applaus. «Das ist ein mutiger Schritt», sagt Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt (54).

Die Unternehmen stehen in einem scharfen Wettkampf um Fachkräfte. Vogt: «Jedes Jahr verlassen in der Schweiz 5000 Menschen mehr den Arbeitsmarkt, als neue eintreten. Bis in zehn Jahren steigt diese Zahl auf 50 000.» Die Folge: Die Firmen balgen sich um immer weniger Talente. Dass sich die SBB eine gute Position in diesem Kampf verschaffen wollen, kann Vogt nachvollziehen: «Auf dem Arbeitsmarkt stehen die SBB ebenso hart im Wind wie alle anderen Firmen.»

Skeptischer zeigt sich Gewerbeverbands-Direktor Hans-Ulrich Bigler (56): «Wenn viele Teilzeit arbeiten, kann dies zu Verlusten von Synergien und einem grösseren Aufwand für Koordination und Absprachen führen.» Dies bringe höhere Kosten – die im schlimmsten Fall SBB-Kunden und Steuerzahler tragen. «Wir werden darauf achten, dass die SBB diese Probleme im Griff haben», sagt Bigler. «Für uns ist wichtig, dass die Massnahme kostenneutral ist und die Produktivität nicht leidet.»

Publiziert am 16.02.2015 | Aktualisiert am 16.02.2015
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Ist es richtig, dass die SBB Teilzeitjobs fördern?

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  • Urs  Schaad aus Zürich
    17.02.2015
    Jeder Arbeitsplatz bei der SBB wird mit über Fr. 100000.00 subventioniert. In der Privatwirtschaft wäre man bei diesen Subventionsbeträgen in der Lage, Leuten einen Lohn zu zahlen, ohne dass sie zur Arbeit erscheinen. Das wären dann Keinzeitstellen, oder eben bedingungsloses Grundeinkommen. Und das ohne Mehrkosten für den Steuerzahler.
  • Hans  Salzmann 17.02.2015
    Die wirklichen Teilzeitjobs die fehlen sind die von 40 Prozent-60 Prozent
    Das mit dem hei wir sind alles Topmoderne und ach so soziale Arbeitgeber weil wir haben gaanz viele 80 Prozent Stellen ist einfach nur Geldmacherei und Effekthascherei.
  • Karl-Heinz  Baumberger aus Winterthur
    16.02.2015
    Das ist nichts anderes, als die Verantwortung für die Arbeite abzugeben. Es tönt zwar schön, aber ist in Wirklichkeit, der Alptraum für die Arbeiter. Es gibt sehr gute Beispiel bereits, seht in Schweden, wie das Model sich bewährt...... jeder hat 3 Jobs und davon einen "Schwarz"!! Ratet einmal, wieviel Frauen im gebährfähigen Alter einen Vollzeitjob haben ?? Darum kommen auch Quoten zum Einsatz, um den Misstand zu behben. Wer sowas befürwortet, handelt unverantwortlich, !
  • Willi  Meier-Jucker 16.02.2015
    Teilzeitangestellte kommen billigere.Die werden bei Bedarf auch dem Staat überlassen.Seit Jahrhunderten die gleiche Strategie.Früher heiratete Geld Geld.Und jetzt werden Profite gemacht-noch und noch.Und fällt die Arbeit aus-wird alles dem Staat überlassen.Arbeitslose,Ausgesteuerte,,und Arme,korrekte Sozialhilfebezüger.Das ist richtig.Dann haben wir noch Nichtsnutze,Taugenichtse und paoierlose zu Zehntausenden.Wohl bekomms.
  • Michael  Meienhofer aus Ostermundigen
    16.02.2015
    Für den Arbeitgeber:Teilzeit = Lohnkosten schärfer berechnen. Das Geld das dabei herausschaut kommt nicht den Arbeitnehmern zu gute.Da ein TZ Job nicht immer zum Ernähren einer Familie reicht, werden zukünftig noch mehr Leute in 2.Jobs arbeiten müssen, den Arbeitsort pro Tag wechseln = mehr Pendler. Schöne Aussichten für die Zukunft, wenn man seine mühsam verdienten Kröten an verschiedenen Orten zusammensuchen muss - Zustände wie in 3.Welt-Ländern !
    • Wild  Sebastian aus Zuerich
      17.02.2015
      Deutschland ein 3.Welt-Land?..sieht ja dort auch so aus..fast nurnoch Teilzeit Arbeit.