Bei Jobsuche in der Schweiz gibts für Deutsche: Reisegeld, Umzugsgeld, Hotelgeld

  • Publiziert: 31.05.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Silvana Guanziroli und Werner Vontobel
play Auf und davon: Die Auswanderung in die Schweiz wird vom deutschen Staat unterstützt. (Illustration: Igor Kravarik)

Die Krise macht die Schweiz zum Eldorado für Einwanderer vor allem aus Deutschland. Jetzt wird bekannt: Die Übersiedlung wird amtlich gefördert.

Bis zu 8000 Euro (umgerechnet 12000 Franken) erhalten deutsche Staatsangehörige, wenn sie in der Schweiz einen Job finden und sich hier niederlassen. Bei der Bundesagentur für Arbeit in Bonn heisst es nur: «Unsere Auslandsvermittlung unterstützt deutsche Bewerber mit einem Interesse an einer Arbeitsaufnahme im Ausland.» Und konkrete Zahlen nennt das Amt schon gar nicht. Die Entscheidung über eine Förderung sei «von der Situation des Bewerbers abhängig», erklärt Pressesprecherin Beate Raabe lapidar.

Offener ist Tassilo Zehl (53), privater Stellenvermittler in Chemnitz. Er arbeitet eng mit den Arbeitsämtern zusammen. «Dem Amt muss man nur eine Einladung zum Vorstellungsgespräch vorlegen und schon gibt es Geld», sagt er.

SonntagsBlick hat ausgerechnet, wie viel maximal drinliegt:

Nehmen wir an, Sven P. (35), Krankenpfleger aus Hamburg, möchte sich in einem Spital in Zürich vorstellen. Stellt er einen Antrag, zahlt das Amt die Bahnfahrt Hamburg–Zürich retour: 287 Euro. Findet das Gespräch morgens statt, gibt es nicht nur eine Hotelübernachtung, sondern zwei: rund 140 Euro.

Noch viel mehr Euros fliessen, wenn P. den Arbeitsvertrag in der Tasche hat und mit seiner Frau nach Zürich zieht: 300 Euro erhält er für die erste Anreise, 3120 Euro Trennkostenbeihilfe, wenn sein Hauptwohnsitz weiter in Deutschland bleibt. Zusätzlich bezahlt das Amt den Umzug. Ein Spediteur: «Von Hamburg nach Zürich macht das bei einer durchschnittlichen Dreizimmerwohnung 4500 Euro aus.»

Skurril ist diese Anweisung der Bundesagentur: Es können auch Kosten übernommen werden, die die Vermittlungssituation des Bewerbers allgemein verbessern, wie zum Bespiel die Auslagen für einen Coiffeurbesuch.

Etwas dagegen unternehmen kann die Schweiz nicht. Wenn solche Beihilfen auch innerhalb von Deutschland gewährt werden, sei nichts einzuwenden, sagt Serge Gaillard (53), Leiter der Direktion für Arbeit in Bern.

Allerdings: Letztes Jahr hat Gaillard in Berlin in einer ähnlichen Sache interveniert und erreicht, dass der Staat keine Provisionen mehr an Vermittler zahlt, die Deutschen Jobs in der Schweiz beschaffen.

Jeder fünfte Deutsche will weg

Im vergangenen Jahr sind 31523 Deutsche in die Schweiz eingewandert. Damit war Deutschland klar die Nummer eins vor Portugal mit 9479 Einwanderern. Seit 1999 hat sich die Zahl der Deutschen in der Schweiz mehr als verdoppelt. Glaubt man dem Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid, könnten es bald noch viel mehr werden: Jeder fünfte Deutsche würde aus wirtschaftlichen Gründen lieber im Ausland leben, 19 Prozent davon bevorzugten die Schweiz. Nach Adam Riese ergibt das 3,1 Millionen potenzielle Wirtschaftsflüchtlinge mit Ziel Schweiz. 

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