Rechtsextreme brüllen Schmid nieder

  • Aktualisiert am 09.01.2012

RÜTLI – Rund 700 Rechtsextreme haben gestern die Rede des Bundespräsidenten massiv gestört. Und den Berner aufs Primitivste beleidigt.

Auf Schlagworte wie Integration, Ausländer, bilateraler Weg oder die Abstimmung vom 25. September stimmten sie zum Teil minutenlange Sprechchöre an.

In den Sprechchören wurde der Bundespräsident auch persönlich beleidigt. So etwa mit den Worten «Verrat, Verrat, Halbbundesrat» oder «Lügen haben kurze Beine, Samuel Schmid, zeig uns deine».

Der Bundesrat wurde gar mit «Judas» und «Sau» beschimpft!

Aber auch einschlägig bekannte Äusserungen wie «Wer hat uns verraten, die Scheissdemokraten» sowie «Wir sind das Volk» und «Die Schweiz den Schweizern» wurden zum Besten gegeben.

Judith Stamm entschuldigte sich in ihrer Funktion als Präsidentin der Rütlikommission am Mikrofon bei Bundespräsident Schmid für die Störaktionen. Sie habe sich immer dafür eingesetzt, dass alle aufs Rütli dürften, wenn die Regeln eingehalten würden. Dies sei nicht der Fall gewesen, sagte die alt CVP-Nationalrätin.

Schmid hatte in seiner Ansprache an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 60 Jahren erinnert und ein entschiedenes Vorgehen gegen jeglich Form von Antisemitismus, Rassismus und Extremismus gefordert. Der grosse Applaus der anderen Rütli-Besucherinnen und -Besucher verdankte der Bundespräsident mit überschwenglicher Geste.

Mit Ausnahme der groben Störaktionen kam es laut der mit einem Grossaufgebot anwesenden Polizei vorerst nicht zu Zwischenfällen. Eine Fahne und ein Transparent wurden eingezogen. Auf dem Rütli hatten sich zur diesjährigen Feier insgesamt rund 2000 Menschen eingefunden.

Die erneute Störung durch Rechtsextreme weckte Erinnerungen an das Jahr 2000, als die Rede von Bundesrat Kaspar Villiger ausgepfiffen und mit Zwischenrufen sabotiert worden war.

PNOS marschierte zuvorderst

Nach ihrer Rückkehr vom Rütli haben mehrere 100 Rechtsextreme in Brunnen wie andere Jahre auch eine Kundgebung durchgeführt. Auf ihrem Marsch von der Schifflände zum Bahnhof skandierten sie nationale und fremdenfeindliche Parolen.

Die Polizei liess die Teilnehmer gewähren. Angeführt wurde die unbewilligte Demonstration, die unter dem Motto «Für eine Eidgenössisch-sozialistische Zukunft» stand, von mehreren PNOS- Mitgliedern.

Linke schlagen Rechtsextremen zusammen

Zwischen 800 und 1500 Personen haben am Bundesfeiertag in Luzern an einer Kundgebung gegen Faschismus teilgenommen. Auf Distanz zogen sie los gegen die Präsenz der Rechtsradikalen an der Bundesfeier auf dem Rütli.

Gegen 14 Uhr setzte sich der Demonstrationszug vor dem Luzerner Theater an der Reuss in Bewegung. Mit Knallpetarden, schwarzen und roten Fahnen sowie Rap liessen vorwiegend jugendlichen Teilnehmer die internationale Solildarität hochleben. Etwa ein Drittel der Demonstranten war vermummt.

Mitgeführt wurde unter anderem ein schwarzer Sarg. Bevor er sich in Bewegung setzte, wurde ein «kraftvolles Zeichen gegen Faschismus und Rassismus» angekündet. Zudem wurden die Demonstrierenden aufgefordert, friedlich zu bleiben und sich «von Bullen und Nazis» nicht provozieren zu lassen.

Man wolle das Rütli nicht den Faschisten überlassen, so der Tenor. «Es reicht!», «Nationalisten sind begrenzt!», «Schafft die Grenzen ab!», hiess es auf den zahlreichen Transparenten. Und: «wir brauchen nicht nur keine fremden Vögte, wir brauchen gar keine!».

Ausser rund 50 Farbschmierereien und einer kleinen Sachbeschädigung bei einer Bushaltestelle gab es nach Auskunft der Polizei keine Zwischenfälle. Die Höhe des Sachschadens kann noch nicht beziffert werden.

Nach der Demonstration wurde im Bahnhof ein Rechtsextremer von mehreren Linksextremen zusammengeschlagen. Er wurde mit leichten Verletzungen in ärztliche Behandlung gebracht.

Feuerwerkskörper gegen Blocher

Am Rande der 1.-August-Veranstaltung in Winterthur ist es zu Scharmützeln mit Demonstrierenden aus der links-autonomen Szene gekommen. Die Polizei setzte Reizstoffe ein. Mit knallenden Feuerwerkskörpern störten rund 80 teils vermummte Personen die Ansprache von Bundesrat Christoph Blocher auf dem Winterthurer Brühlberg.
Mehrere Personen wurden kontrolliert. Über allfällige Verhaftungen und Verletzte gab es vorderhand keine Angaben. Die Polizei riegelte das Festgelände auf dem Brühlberg ab. Später am Abend zogen noch einzelne Gruppen von Demonstrierenden durch die Stadt.
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