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Nach der Apokalypse beweist die Welt Menschlichkeit. Alle wollen Haiti helfen. An vorderster Front die USA. Barack Obama beweist, dass er den Erwartungen gewachsen ist, und lässt seinen schönen Worten «Wir werden euch nicht vergessen!» Taten folgen: US-Flugzeugträger und Lazarettschiffe nehmen Kurs auf Port-au-Prince. US-Soldaten werden zu Tausenden eingeflogen. US-Logistiker sorgen für einen funktionierenden Flughafen.
Alle eilen nach Haiti, nur die Schweiz lässt sich Zeit. Toni Frisch, Chef der Schweizer Katastrophenhilfe, hat die Organisationen der Rettungskette vorerst nicht zum Einsatz in Port-au-Prince abkommandiert. Und wurde dafür reflexartig kritisiert – zu Unrecht.
Trotz unfassbarem Leid und Elend hat Toni Frisch kühlen Kopf bewahrt und sich gegen eine überstürzte Abreise nach Haiti entschieden. Er hielt dem moralischen Druck stand und trieb seine Leute nicht in ein Wettrennen der Helfer.
Seine Argumente überzeugen: Die riesige Entfernung sprach gegen die Soforthilfe aus der Schweiz. Das Chaos am Flughafen von Port-au-Prince gab ihm vollends recht. Ohne Landegarantie ist es sinnlos, eine hundertköpfige Rettungskolonne loszuschicken.
Schweizer Hilfe ist nicht in erster Linie Soforthilfe, also nicht schnell, nicht spektakulär und nicht flächendeckend. Sie hat andere Qualitäten: Ihre Spezialität ist der Wiederaufbau. Während andere Nationen schnell und massenhaft Hardware herbeischaffen wie die Amerikaner, ist unsere Stärke die Software: In der kleinen Schweiz mit ihrer grossen humanitären Tradition arbeiten die Hilfswerke, die Deza (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit) und die Glückskette für eine nachhaltige Wiederaufbauhilfe zusammen. Beispiele? Nach dem Tsunami organisierten sie die Betreuung von 70000 traumatisierten Kindern. Oder die Wasserversorgung von Banda Aceh für 200000 Menschen.
Spendenfreudig sind wir auch. Jedes Jahr helfen Schweizerinnen und Schweizer mit rund 900 Millionen Franken, bei biblischen Katastrophen sogar mit weiteren Hunderten von Millionen. Am Donnerstag ist Glückskette-Tag.
Die Notleidenden zählen auf Sie!
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Ringier-Publizist Hannes Britschgi interviewt für Blick.ch Spitzenpolitiker. (Geri Born)