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... war einfach zuviel für die Bewohner der Liegenschaft in Schwerzenbach ZH. (Philippe Rossier)
Zweiter Stock im Ifang-Gewerbezentrum. Seit Anfang Jahr haben im grauen Betongebäude 23 Personen unter Aufsicht des Sterbehilfevereins Dignitas den Freitod gewählt.
200 Meter weiter steht das «Globe». «Der grösste und atemberaubendste Sex-Club der Schweiz», wie sich das Bordell im Internet selber lobt. Hier arbeiten Dutzende Prostituierte. Und täglich gehen 210 bis 360 Freier ein und aus. Zählte zumindest Manfred Milz, der Verwaltungsratspräsident des Gewerbezentrums Ifang AG.
Schon um 9 Uhr morgens fahren die ersten Autos vor, ab 11 kommen die Freier. Jetzt soll der Verkehr vor dem «Globe» noch zunehmen. Denn das Puff hat aufgestockt. Besitzer Ingo Heidbrink hat seit 2006 die Bewilligung dafür. Was ihm fehlt, ist das grüne Licht der Behörde für 39 zusätzliche Parkplätze.
Und die will der Dignitas-Vermieter unbedingt verhindern. Denn das Puff geht Milz an die Nieren. Der Gewerbezentrumschef mag sich an den bezahlten Sex im Quartier nicht gewöhnen. Das bezahlte Sterben in seinem Haus dagegen macht ihm schon nach kurzer Zeit keine Probleme mehr.
«Alles läuft sehr ruhig ab im Umfeld von Dignitas», sagt Milz. Eigentlich hat er der Sterbehilfeorganisation die Räume nur als «Zwischenlösung» vermietet.
Doch nach der Odyssee im letzten Herbst scheint Dignitas-Chef Ludwig A. Minelli im Ifang-Gewerbezentrum von Milz eine feste Bleibe gefunden zu haben. Pro Woche sterben dort in seinen Räumen im Durchschnitt drei Menschen. Die 4000-Seelen-Gemeinde Schwerzenbach muss damit leben. Das Verwaltungsgericht entschied: Dignitas darf bleiben. Gewerberäume als Todeswohnungen sind erlaubt.
Inzwischen gibt es auch keine negativen Reaktionen mehr. «Wir erhalten keine Beschwerden», sagt
Gemeindeschreiber Karl Rütsche. Dignitas lässt in der Industriezone so diskret sterben, dass Sterbewillige sogar den Eingang nicht finden. Nicht einmal ein Schild gibts.
«Kürzlich fragte mich ein Mann im Rollstuhl nach Dignitas», sagt Ernst L.*. Er arbeitet in der Gewerbezone und hat sich zähneknirschend mit der Situation abgefunden. Ernst L.: «Ich sehe jetzt immerhin nicht mehr, wie die Leichen weggeschafft werden.»
Die sterblichen Überreste der Dignitas-Kunden werden über einen Warenlift befördert. Der Sarg in einen neutralen Leichenwagen verladen.
Ein einziger Mieter hatte sich aus religiösen Motiven über den Tod in der Industriezone beschwert. Er ist ausgezogen. Die Räume neben Dignitas stehen seither leer. – Am liebsten hätte Vermieter Milz, dass auch das «Globe»-Gebäude leer stünde. Zweimal hat er gegen die Ausbaupläne des Sex-Clubs rekurriert. Vor allem wegen des Verkehrslärms, wie er sagt. Vergeblich.
Das Lärmgutachten des Clubs basiere nur auf 70 Freiern pro Tag, sagt Milz. Dabei sei es schon jetzt ein Vielfaches. Noch hängig ist sein Rekurs gegen die 39 Parkplätze.
Bordell-Besitzer Heidbrink baut derweil wacker aus. Auch in Dietikon ZH entsteht ein Sex-Club. Milz hofft, «dass das «Globe» einmal ganz zu seinem neuen Standort zieht.» Heidbrink: «Unser Club in Schwerzenbach wird nicht geschlossen.»
*Name von der Redaktion geändert