
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Kompaniekommandant Yves M. (29) hatte Übung mit Flussfahrten auf der Kander. Nämlich genau einmal.
Zehn Tage bevor der Kadi mit neun Kameraden in der Kander untergeht, probt er das Ganze schon mal. In der Aktion «Tonus 08». Inhalt: «Abseilen im und am Wasser» und «Verhalten im Schlauchboot».
Bloss organisiert Yves M. die «Kaderübung» nicht für Armee und WK – sondern für seine «Swiss Army Group». Einen Verein von gut 40 Offizieren und Soldaten, die in der Freizeit Militär spielen.
Die Armee weiss allerdings genau, was Yves M. da mit seiner «Tonus 08» durchzieht – sie gibt ihm sogar ganz offiziell ihren Segen.
Und das ist kein Ausnahmefall.
Die Schweiz und ihre Militär-Clubs, -Gruppen und -Grüppchen: Fürs VBS sind sie gelebte Miliz. Für Aussenstehende wirken sie wie Privatarmeen ohne richtige Aufsicht.
Dabei gibt es gar eine Verordnung, welche «die ausserdienstliche Tätigkeit in militärische Gesellschaften und Dachverbänden» regelt. Übungen à la «Tonus» müssen beantragt werden.
Doch ganz offensichtlich hat die Armee Freude an den vielen Freizeit-Soldaten, die auch im Privatleben ständig im WK sind.
Denn allein im Jahr 2006 bewilligte das «Kompetenzzentrum Sport und Prävention» 2550 solche Anlässe. Im Jahr 2007 waren es immer noch 1611 Aktionen – «was einem Total von 63 746 Einsatztagen entspricht, die freiwillig zugunsten der Armee geleistet werden», wie VBS-Sprecher Felix Endrich hinzufügt.
Das ist löblich. Aber was tun die Armeefans an diesen Anlässen?
Gemäss Verordnung wird nur bewilligt, was die «militärischen Grund- und Fachkenntnisse» erweitert, der «Aus- und Weiterbildung» dient, «sicherheits- und militärpolitische Informationen» vermittelt oder die «körperliche Leistungsfähigkeit» fördert.
Kurz: Bewilligt wird, was das «Kompetenzzentrum» sinnvoll findet. Und das kann auf Antrag durch die Armee gefördert werden: finanziell, logistisch, personell. So wie Yves M.s Privatübung an der Kander.
Die deutsche Bundeswehr – auch sie eine Milizarmee – handhabt das anders. «Militärübungen organisiert entweder das Heer», so ein Sprecher der deutschen Armee, «oder dann der Reservistenverband – ein staatlich eingebundener Ableger der Bundeswehr.» Logistische Unterstützung für Privatarmee-Anlässe? Das Tragen der Uniform dabei? «Bei uns ausgeschlossen.»
Kein Wunder ärgern sich die Berner Parlamentarier über die large Bewilligungspraxis hierzulande: «Das VBS hat leider die Neigung, jeden zu unterstützen, der armeefreundlich ist», sagt SP-Nationalrat und Major Werner Marti. «Da braucht es eine klarere Trennung.»
Selbst Peter Malama, FDP-Nationalrat und Oberst, fordert bessere Sicherheitsstandards für die ausserdienstlichen Anlässe. «Doch grundsätzlich begrüsse ich ihre Tätigkeiten. Sie erweitern die Ausbildungsbreite unserer Soldaten.»
Unglückskadi Yves M. hatte wohl kaum die Ausbildungsbreite der Soldaten im Sinn, als er seinen Armee-Puch «Bang-Bus» (US-Slang für «fahrendes Puff») nannte.
Oder als er sich im WK ständig Baller-Filme über Israels Elitetruppe reinzog. Oder als er seine «Swiss Army Group» gegenüber Armeekollegen als seine «Party-Truppe» bezeichnete.
Die Party ist aus. Die Zeche zahlten andere.
Was meinen Sie: Soll die Armee private Anlässe unterstützen? Schreiben Sie uns!