Jedes Jahr unterstützt das VBS zwischen 1600 und 2500 private Anlässe: Privatarmee-Sumpf!
Die Todesfahrt auf der Kander. Angeführt von einem Kadi, der auch in der Freizeit Militär spielt. Doch solches Tun wird gefördert. Hochoffiziell.
Zehn Tage bevor der Kadi mit neun Kameraden in der Kander untergeht, probt er das Ganze schon mal. In der Aktion «Tonus 08». Inhalt: «Abseilen im und am Wasser» und «Verhalten im Schlauchboot».
Bloss organisiert Yves M. die «Kaderübung» nicht für Armee und WK – sondern für seine «Swiss Army Group». Einen Verein von gut 40 Offizieren und Soldaten, die in der Freizeit Militär spielen.
Die Armee weiss allerdings genau, was Yves M. da mit seiner «Tonus 08» durchzieht – sie gibt ihm sogar ganz offiziell ihren Segen.
Und das ist kein Ausnahmefall.
Die Schweiz und ihre Militär-Clubs, -Gruppen und -Grüppchen: Fürs VBS sind sie gelebte Miliz. Für Aussenstehende wirken sie wie Privatarmeen ohne richtige Aufsicht.
Dabei gibt es gar eine Verordnung, welche «die ausserdienstliche Tätigkeit in militärische Gesellschaften und Dachverbänden» regelt. Übungen à la «Tonus» müssen beantragt werden.
Doch ganz offensichtlich hat die Armee Freude an den vielen Freizeit-Soldaten, die auch im Privatleben ständig im WK sind.
Denn allein im Jahr 2006 bewilligte das «Kompetenzzentrum Sport und Prävention» 2550 solche Anlässe. Im Jahr 2007 waren es immer noch 1611 Aktionen – «was einem Total von 63 746 Einsatztagen entspricht, die freiwillig zugunsten der Armee geleistet werden», wie VBS-Sprecher Felix Endrich hinzufügt.
Das ist löblich. Aber was tun die Armeefans an diesen Anlässen?
Gemäss Verordnung wird nur bewilligt, was die «militärischen Grund- und Fachkenntnisse» erweitert, der «Aus- und Weiterbildung» dient, «sicherheits- und militärpolitische Informationen» vermittelt oder die «körperliche Leistungsfähigkeit» fördert.
Kurz: Bewilligt wird, was das «Kompetenzzentrum» sinnvoll findet. Und das kann auf Antrag durch die Armee gefördert werden: finanziell, logistisch, personell. So wie Yves M.s Privatübung an der Kander.
Die deutsche Bundeswehr – auch sie eine Milizarmee – handhabt das anders. «Militärübungen organisiert entweder das Heer», so ein Sprecher der deutschen Armee, «oder dann der Reservistenverband – ein staatlich eingebundener Ableger der Bundeswehr.» Logistische Unterstützung für Privatarmee-Anlässe? Das Tragen der Uniform dabei? «Bei uns ausgeschlossen.»
Kein Wunder ärgern sich die Berner Parlamentarier über die large Bewilligungspraxis hierzulande: «Das VBS hat leider die Neigung, jeden zu unterstützen, der armeefreundlich ist», sagt SP-Nationalrat und Major Werner Marti. «Da braucht es eine klarere Trennung.»
Selbst Peter Malama, FDP-Nationalrat und Oberst, fordert bessere Sicherheitsstandards für die ausserdienstlichen Anlässe. «Doch grundsätzlich begrüsse ich ihre Tätigkeiten. Sie erweitern die Ausbildungsbreite unserer Soldaten.»
Unglückskadi Yves M. hatte wohl kaum die Ausbildungsbreite der Soldaten im Sinn, als er seinen Armee-Puch «Bang-Bus» (US-Slang für «fahrendes Puff») nannte.
Oder als er sich im WK ständig Baller-Filme über Israels Elitetruppe reinzog. Oder als er seine «Swiss Army Group» gegenüber Armeekollegen als seine «Party-Truppe» bezeichnete.
Die Party ist aus. Die Zeche zahlten andere.
Was meinen Sie: Soll die Armee private Anlässe unterstützen? Schreiben Sie uns!
Suche nach dem letzten Vermissten
Im Nieselregen arbeitet sich ein Trupp von 4 Soldaten im Kanderdelta flussaufwärts. Sie tragen Schwimmwesten, sind gesichert mit Seilen.
Ein Soldat wagt sich weit hinaus ins schmutziggraue Wasser. Mit einer Sondierstange sucht er den Grund ab. Aufmerksam beobachtet von seinen Kameraden. Sie sondieren seichtere Stellen. Auch am Ufer wird unter Geröll und Geschiebe, hinter grossen Steinbrocken und angeschwemmten Wurzelstöcken gestochert.
Die Kander kommt nicht mehr so hoch wie letzten Donnerstag, als die 10 Soldaten mit ihren Schlauchbooten kenterten. Die über 100 Wehrmänner und zivilen Spezialisten, die im Kanderdelta und in der Schlucht im Einsatz sind, suchen nach dem letzten vermissten Opfer, Marc B. (25) aus Dottikon AG. Der Einsatz der Unterwasserkamera ging gestern zu Ende. Ab heute wird wieder mit Sonar gesucht.
Von Hannes Heldstab
- Stefan, Marte - 12:39 | 17.06.2008
- » Hören Sie doch auf mit solchen Dingen... Was heute in USA schon alltag ist, muss nicht mit aller Gewalt morgen schon bei uns sein. Militär gut und recht, aber die, die dann noch immer nicht genug haben, sollen offiziell und kontrolliert weitermachen!
- Adrian Gasserq, Pfaeffikon - 12:27 | 17.06.2008
- » ganz kurz: Lieber hat die Armee noch ein Auge drauf, als dass es diese "Fans" im Untergrund machen... denn es hat genug erwachsene Kinder, die gerne Soldat spielen... nicht vorzustellen, wo das hinfuehrt, wenn es im verborgenen gemacht wird.
- Hans Schär, Rapperswil SG - 12:03 | 17.06.2008
- » Ich verstehe das Bedürfnis der Blick-Redaktoren, die Hintergründe aufzuzeigen, aber ich kritisiere die systematische Vorverurteilung von Yves M., der sich nicht dazu äussern kann. Auch in dieser Berichterstattung sollte die Unschuldsvermutung zum respektiert werden.
- marco, aarau - 12:01 | 17.06.2008
- » liebe susi aus luzern habe soeben ihren beitrag gelesen. dazu muss ich sagen: haben sie selber militärdienst geleistet? wenn es um aufräumarbeiten und sonstiges geht, sind die meisten angehörigen der armee gerne bereit dazu hilfe zu leisten. es geht darum, dass im militär sinn-/ und belanglose sachen praktiziert werden müssen. ein perfektes beispiel: ich leistete vor 1 monat einen WK. wir hatten die standartenübernahme in einer kleinen kaserne im welschland. dazu wurde ein brigadier und sonst noch irgend ein hochgradiger pimpel mit einem SUPERPUMA von bern zu uns geflogen, nur um zuzuschauen wie unsere Truppe die fahne entgegennehmen. es war dann auch nicht so, dass der superpuma die 15min gewartet hätte, nein, er flog weg, und kam nach 15min wieder. dafür bekame wir am selbigen tag ein stück fett mit etwas fleisch daran zu essen... dafür bezahlen wir steuergelder: um die hochrangigen bei sinnlosen sachen zu bezahlen, und eben, solchen militärjoggelis ihren spass zu verwirklichen.
- Schulthess, Härkingen - 11:56 | 17.06.2008
- » An T. Lanz aus Interlaken: Das sind Töne von SVPlern, die für alles eine Ausrede haben, die für alles eine Angstmache haben. Was ist den mit dieser Armee noch gut? Es ist schon lange nicht mehr das was war und solche die gerne noch nach dem alten System stramm stehen wollen, die sollen doch zwischen Schaffhausen und Basel am Rhein entlang stramm stehen und warten bis sie vielleicht mal ein Eurofighter der Deutschen Luftwaffe zu gesicht bekommen. Ihr könnt auch noch eine wache machen, die dann alle vier Stunden abgelöst wird. Aber die Eurogighter Wenden so früh das man sie weit im Schwarzwald oben nur noch ein bisschen sieht. Wie krank muss man sein, oder wie weit hinter dem Mond muss man sein um nicht begreifen zu können das es diese Armee in dieser Form nicht mehr braucht? Eine Berufsarmee ist sehr gut, aber typisch SVPler Art,man nimmt das schlechteste Beispiel will die Leute Manipulieren und schon hat man wieder viele dumme Schafe an der Angel. Warum nehmen Sie nicht das Beispiel Holland? Die haben auch eine Berufsarmee! Wissen sie dort auch von solchen Gegebenheiten? Man muss Belgien nehmen das ist klar und die es ein bisschen kennen, wissen, das es in Belgien fast am meisten Rechtsradikale hat. Hoffe das ich den andern die Angst wieder wegnehmen konnte. Eine Fechheit Herr Lanz eine solche Aussage zu machen, es könnten Blochers und Maurers Worte gewesen sein. Herr Lanz wir leben im jahre 2008 auch die Armee muss sich anpassen, ob es nun die spinner wollen oder nicht!













