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Sie können nicht mehr ohne. Stundenlang starren sie auf den Bildschirm, verlieren ihren Job – und ihre Freunde: Eine Informationsbroschüre der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme zeigt, dass 70000 Menschen in der Schweiz süchtig nach der virtuellen Welt sind. «Weitere 110000 sind gefährdet», sagt Franz Eidenbenz (52), Zürcher Psychologe mit Fachgebiet neue Medien.
Eidenbenz kommt zu einem erschreckenden Schluss. «Das Prob-lem wird grösser. Wir müssen aufpassen, dass wir in ein paar Jahren nicht gleich viele Onlinesüchtige haben wie Alkoholkranke.»
Suchtexperten und Politiker setzen sich bereits mit dem Phänomen auseinander. «Die Onlinesucht wird kaum wahrgenommen und runtergespielt», sagt FDP-Ständerätin Erika Forster (64). «Dabei sind unsere Kinder gefährdet. Die nächste Generation wächst mit dem Internet auf.» Rechtzeitige Aufklärung sei wichtig, die Eltern allein seien damit oft überfordert.
«Die Prävention muss in den Schulunterricht integriert werden, und das bereits ab Primarstufe.» Forster wird in der nächsten Session eine Motion einreichen. Sie fordert: Im Informatikunterricht soll der Umgang mit den neuen Medien gelehrt und auf Gefahren aufmerksam gemacht werden.
Wie dringend das nötig ist, zeigt eine Studie aus Deutschland. Dort gehen schon die Jüngsten ins Netz:
• Von den 6- bis 7-Jährigen nutzt fast jeder fünfte das Internet.
• Bei den 8- bis 9-Jährigen ist es fast die Hälfte.
• Und bei den 10- bis 11-Jährigen sind es bereits 80 Prozent.
In Bern hat man das Problem noch nicht erkannt. Vor einem Jahr reichte Forster eine Interpellation zum Thema ein, doch der Bundesrat erteilte ihr eine Absage. Man erachte es nicht als notwendig, Gel-der für Prävention und Forschung bereitzustellen. Nun hofft Erika Forster, dass der Bundesrat dazugelernt hat.
So auch Franz Eidenbenz: «Denn ist man erst einmal süchtig, ist das Wegkommen im Extremfall so schwierig wie bei einer Drogensucht.»