Polizei fand stapelweise Killerspiele!

Kriegsspiele sind seine Leidenschaft. Stundenlang sass Luis W.* (21) vor dem Computer und tötete in der virtuellen Welt. Dann wurde er zum Mörder von Francesca P. (16).

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Sollen Killerspiele verboten werden?»

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Sonntagabend. Luis W.* sitzt in seinem Zimmer in Höngg ZH. Hier lebt er in einem Zweifamilienhaus zur Untermiete. Keiner weiss, was an diesem Abend in ihm vorgeht. Nur 400 Meter entfernt hat er kaltblütig ein Menschenleben ausgelöscht. Aus dem Hinterhalt. Mit dem Armee-Sturmgewehr schoss er auf die 16-jährige Francesca.

Jetzt sind mehrere Zivilpolizisten um das Haus postiert. Die Beamten wissen, Luis W. hat etwas mit der Tat zu tun. Sie klopfen. Er öffnet und wird sofort verhaftet. So berichten es Nachbarn.

Schnell finden die Beamten im Zimmer ein Sturmgewehr. Es steckt in einem mit Wasser gefüllten Eimer. Auf diese Weise hat Luis W. versucht Spuren zu verwischen. Doch schnell ist klar: Es ist die Tatwaffe.

Die Ermittler machen eine weitere Entdeckung: Stapelweise liegen Computerspiele herum – Killer- und Kriegsspiele mit blutigem, menschenverachtendem Inhalt. Damit vertreibt sich Luis W. die Zeit. Freunden erzählt er, wie er stundenlang vor dem Computer sitzt und die Rolle des kaltblütigen Heckenschützen spielt. Immer wieder schiesst er in der virtuellen Welt auf Menschen, metzelt sie nieder. Er übt regelrecht, was er am Freitag vor einer Woche an der Bus-haltestelle Hönggerberg in die Tat umsetzt.

«Ja, es stimmt. Luis fand diese Spiele geil», sagt Pascale P.* (23) aus Basel. Gemeinsam haben sie die Artillerie-Rekrutenschule absolviert. «Die letzten sieben Wochen waren wir im gleichen Zimmer einquartiert.» P. beschreibt den Killer von Höngg als ruhigen, introvertierten Kameraden. «Eigentlich sprachen wir nur über seine Spielleidenschaft. Zuletzt war er vom Schiess-Spiel ‹Battlefield› fasziniert.» Im sogenannten «Ego-Shooter» fliesst viel Blut. Der Soldat zieht ausgestattet mit Hightech-Waffen in den Krieg, lauert hinter Hauswänden seinen Gegnern auf.

Doch auch in der Realität ist Luis W. von Waffen fasziniert. «Er galt als strebsamer Soldat, der seine Einsätze sehr ernst nahm», berichtet Pascal P.. Wie ernst, zeigt ein Vorfall in der zehnten Woche. Während einer Übung verteidigt W. seine Stellung bedingungslos. Er schlägt den Angreifer brutal nieder, der Rekrut wird dabei verletzt.

Trotz seines Engagements wird Luis W. ein Wunsch verweigert: Er darf nicht Korporal werden. Die Vorgesetzten sollen es nach Abschluss der Grundausbildung abgelehnt haben. Etwa zur selben Zeit klaut Luis W. die Patrone, die später Francesca tötet.

Bemerkt hat das niemand. Pascal P.: «Es erstaunt mich nicht wirklich. Es ist so einfach, Munition zu klauen.»
Bemerkt wird ein anderer Diebstahl. Aus der Kaserne in Turtmann VS verschwinden ein Pistolengriff und ein Verschluss von Offizierspistolen. Am letzten RS-Tag werden deshalb alle Rekruten von der Militärpolizei gefilzt (Seite 4). Erst sechs Stunden später werden die Rekruten aus der RS entlassen. Ob Luis W. etwas mit dem Diebstahl zu tun hat, ist nach Angaben der Militärjustiz offen.

Die Wut über das späte Abtreten ist bei vielen gross. Auch bei Luis W.? SonntagsBlick weiss: Auf der Rückfahrt nach Zürich trinkt er Bier um Bier. Das sagt er später der Polizei. Im Zürcher Tram fällt er negativ auf. Er pöbelt herum und fragt eine Frau unvermittelt «Willsch e Waffe?», wie der Tages-Anzeiger berichtete.

Pascal P. kann sich nicht erklärten, wie sein Kamerad zum Mörder wurde. «Wirklich beängstigend ist für mich aber, dass er in der RS gelernt hat, wie man das Sturmgewehr bedient, wie man in Stellung geht und wie man schiesst.»

*Name der Redaktion bekannt

Publiziert am 01.12.2007 | Aktualisiert am 20.01.2012
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157 Kommentare
  •   19.12.2007
    bei mir muss nach diesem bericht etwas falsch laufen.
    ich spiele seit über 26 jahre videogames. im militär wurde ich als panzergrenadier ausgehoben.
    eigentlich müsste ich doch das potenzial für einen massenmörder haben,oder?
    jeder der games verbiet ist doch blos neidisch und hatt langeweile, weil niemand mit IHM spielt.
  •   06.12.2007
    Soll das ein Witz sein? Ich habe selber auch schon solche Games gespielt, aber ich bin noch nie in irgend einer Art und Weise gewalttätig geworden.
    Also liebe Blick-Redakteure, wenn ihr rechechiert dann richtig! 1. Gibt es in Battlefield kein Blut zu sehen und 2. wäre Luis W. sicher kein Korporal geworden. Viel eher doch Wachtmeister!! Korporäle sind Schnee von von gestern... genau so wie dieser Bericht!!
  •   06.12.2007
    Falthauser, bitte keine Beleidigungen. Sie können wohl kaum allein schon in der schweiz und in Deutschland mehr als 20 Millionen Menschen als krank bezeichnen. Killerspiele als Sündenbock darzustellen ist Schwachsinn, diese können nichts für die Atmosphäre in unserer Gesellschaft.
    EgoShoter sind ein ganz normaler Freizeitvertreib und Sport wie alles andere auch! Wie würde es Ihnen gefallen, wenn ich Ihr liebstes Hobby verbieten würde?? Es gab schon vorher Morde und Amokläufe schon vergessen?? Ausserdem haben Bush und Hitler wohl kaum CounterStrike gespielt, oder?

    Ausserdem fliesst in Battlefield (wie schon gesagt) kein einziger Tropfen Blut.
  •   06.12.2007
    Nur kranke, abnormale Leute spielen Killerspiele. Dies sind jene Jugendliche mit höherem Gewaltpotential als andere normale Menschen und lösen dann Konflikte auch eher mit Gewalt, anstatt mit Gehirn.
  •   06.12.2007
    hört mal auf die computerspiele verantwortlich zu machen. spiele selber battlefield, in dem spiel ist kein tropfen blut zu sehen! bevor ihr über solche spiele schreibt, schaut sie euch genauer an...
    das einzige das verantwortlich dafür ist, ist der schütze selber, also sucht die fehler dort,und nicht bei der armee oder bei computerspielen.uns würde der wirkliche hintergrund interessieren, nicht die lapidaren aussagen wie; die armee ist schuld,oder die computerspiele....der blick weiss einfach nicht was er schreiben soll und fährt jetzt halt diese schiene. das sind keine infos,das ist geschwätz über themen die total überholt und veraltet sind...