Polizei-Big-Brother lässt Krawall-Brüder zittern

  • Publiziert: 22.09 Uhr, Aktualisiert: 14.01.2012

BERN – Fussball-Hooligans, die in Bern und Zürich der Polizei entkamen, lachen sich ins Fäustchen – aber die Video-Fahnder sind ihnen bereits auf der Spur.

«Polizei geht auf Hooligan-Jagd» titelt am Dienstag die «Berner Zeitung» – und erwähnt die Möglichkeit, dass uniformierte Polizisten Hooligans zu Hause oder am Arbeitsplatz abholen könnten. Müssen nun alle Sünder, die nach dem Cupfinal YB – Sion randaliert hatten, mit einem unangenehmen Besuch im Büro vor allen Mitarbeitern und dem Chef rechnen?

Jürg Mosimann, Sprecher der Berner Kapo, wiegelt ab: Wenn sie einen Verdächtigen ausgemacht hätten, bekäme dieser zuerst eine Vorladung auf den Polizeiposten. Erst wenn er diese ignoriere, fahre ein Polizeikommando vor. «Aber das ist ein normales Vorgehen, wie jedem anderen Kriminalfall auch», betont Mosimann.

Also doch kein unangemeldeter Besuch von Uniformierten als Abschreckungsmassnahme für Unbelehrbare. Dennoch legen die Berner Ermittler die Hände nach den Krawallen nicht in den Schoss, sondern versuchen, den Radaubrüdern auf die Spur zu kommen.

Schwarze Schafe verraten

Wie Mosimann erklärt, sichtet die Polizei derzeit das Videomaterial – und hört sich in Fankreisen um. Zwar sei es nicht ganz einfach Zeugen zu finden, schliesslich wird kein Hooligan einen anderen gegenüber den «Bullen» anschwärzen. «Es gibt aber auch viele Hardcore-Fans, die ein Interesse haben, dass die Polizei die schwarzen Schafe schnappt. Denn diese bringen schliesslich die ganze Anhängerschaft in Misskredit».

Die Berner erwägen auch die Einführung eines «Internet-Prangers», wie ihn schon Luzern und St. Gallen verwenden. Nur in den schwerwiegendsten Fällen allerdings – etwa dem Werfen von Pyrofackeln auf andere Sektoren – sollen die Bilder von Verdächtigen online gestellt werden, sagt Mosimann. Und auch erst dann, wenn die Befragung von Insidern keine Ergebnisse gebracht hat.

Die Zürcher Stadtpolizei wertet derzeit ebenfalls Krawall-Bilder aus, jene vom vorletzten Sonntag nach dem Spiel FCZ – Basel. Von geschätzten 200 Randalierern konnte die Stapo damals bloss 14 festnehmen. Doch Sprecher Marco Cortesi zeigt sich gegenüber Blick.ch optimistisch, dass die «umfangreichen Videos» weitere Übeltäter entlarven – auch solche, die ihr Gesicht hinter Masken verbargen.

Noch kein Zürcher Internet-Pranger

Wie die Berner zählen auch die Zürcher auf die Mitarbeit aus Fankreisen. «Die Szene-Experten kennen ihre Pappenheimer genau und können uns wertvolle Hinweise liefern». Dennoch ist sich Cortesi bewusst, dass «wir nicht 199 von 200 Krawallmachern fassen werden». Den Internetpranger wollen die Zürcher erst einführen, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind.

Wieso wurden in Zürich eigentlich nicht einfach alle Hooligans eingekreist und eingebuchtet? «Das ist eine Frage des Personals. Wenn wir 500 oder 1000 Polizisten im Einsatz hätten wie bei gewissen Einsätzen in Deutschland, könnten wir das vielleicht probieren» meint Cortesi.

Aber auch dann sei es enorm schwierig ist, ein ganzes Quartier abzusperren, wenn es verschiedene Brandherde gebe, erklärt Cortesi. Fraglich sei auch, ob die Bürger wirklich noch tiefer in die Tasche greifen wollten. Schliesslich habe der Einsatz nach dem Spiel im Letzigrund vor neun Tagen bereits 250000 Franken gekostet.

play Bilder von wütenden Hooligans sind eine gute Quelle für die Polizei-Fahndung. (Keystone)

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