Jugend-Kriminalität Politiker nehmen Balkan-Väter in die Pflicht

BERN - Das Macho-Gehabe von ausländischen Vätern sei mitschuld am gewalttätigen Verhalten ihrer Söhne, finden die Grünen. Und wollen deshalb die Männer auf Gleichstellung der Frauen trimmen.

  • Publiziert: 28.07.2010, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Irène Harnischberg
play Väter sollen ran. (Keystone)

Die Berichte über gewalttätige Jugendliche schrecken immer wieder auf. Die Kriminalstatistik 2009 zeigt, dass Minderjährige öfter kriminell werden als Erwachsene. Viele davon haben einen ausländischen Pass.

Dieses Fell beackert vor allem die SVP. Doch auch die Linken erwachen langsam – und machen ihrerseits Vorschläge. So zum Beispiel der grüne Berner Nationalrat Alec von Graffenried, der einen möglichen Grund für die Jugendkriminalität in der «Nichtpräsenz väterlicher Figuren» ortet. Dagegen soll nun angegangen werden, fordert der vierfache Vater. In einer Motion ersucht er deshalb den Bundesrat, in bestehenden oder geplanten nationalen Programmen zur Integration und zur Jugendgewaltprävention «besonderes Gewicht auf die Beziehungsgestaltung zwischen Kindern oder Jugendlichen und deren männlichen Bezugspersonen» zu legen.

Auseinandersetzung mit Männlichkeitskonzepten

Oft neigten die Jugendlichen nämlich zu Männlichkeitskonzepten, die mit einer gleichstellungsorientierten Geschlechterpolitik nicht vereinbar seien und die damit die Integration in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt erschwerten. «Eine Auseinandersetzung mit den leitenden Männlichkeitskonzepten ist essenziell», sagt von Graffenried. In diese Auseinandersetzung müssten die Väter vermehrt eingebunden werden.

Bundesrat an der Reihe

Der 48-Jährige kritisiert scharf, dass die Behörden bis jetzt kaum etwas unternommen hätten, um Väter mit Migrationshintergrund zu einem gleichstellungsorientierten Rollenverständnis zu befähigen und zu «alltagsnahen Bezugspersonen» zu machen. Dies müsse nun im Rahmen des Nationalen Programms Jugendgewalt geändert werden. «Denn die Übernahme von Verantwortung durch männliche Bezugspersonen kann gewaltpräventive Wirkung haben», sagt von Graffenried.

Die Chancen stehen gar nicht schlecht, dass der Bundesrat sein Anliegen aufnimmt. So unterstützt beispielsweise das Bundesamt für Migration die Arbeit von «männer.ch». Die Vereinigung hat Anfang Juni den Schweizer Vätertag organisiert. Dieser stand unter dem Motto «Vater-Sein in einer multikulturellen Schweiz».

play Nationalrat Alec von Graffenried (Grüne BE) will die Väter in die Pflicht nehmen. (Christian Lanz)

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