Nur 4 Stunden Schlaf: Verpennen Maurer und Co. die Politik?
BERN – Er schläft wenig und nickt immer öfters ein: Ueli Maurer reiht sich in die Gilde von Politikern und Kaderleuten ein, die meinen, mit vier oder weniger Stunden Schlaf auszukommen. Doch gut für den Job ist das nicht, sagt ein Experte.
Aktualisiert um 13:14 | 23.11.2009
«Mir reichen vier bis fünf Stunden Schlaf»: Das liess Ueli Maurer in der Vergangenheit verlauten. Maurer, angestrebter Chef der «besten Armee der Welt», erzählte, er stehe jeden Tag um halb fünf Uhr auf – auch am Sonntag.
Damit steht er nicht alleine da. «Ich brauche nur wenig Schlaf. Vier Stunden genügen», berichtete CVP-Präsident Christophe Darbellay. Sion-Präsident Christian Constantin begnügt sich mit «drei, vier Stunden». Und André Dosé versuchte die Swiss mit lediglich drei Stunden Schlaf zu retten. «Während der Woche komme ich mit drei, vier Stunden Schlaf aus», erzählte Christoph Blocher einst dem BLICK. Doch unlängst gab er zu, dass er durch die Komplott-Vorwürfe, die in der Affäre Roschacher/Holenweger seitens der Bundesanwaltschaft gegen ihn erhoben worden waren, etliche schlaflose Nächte verbracht habe. Deshalb habe er das rezeptpflichtige Beruhigungsmittel Rohypnol genommen.
Das Kurzschlafen als Trendfalle für die oberen Zehntausend? «Ja, die Tendenz ist schon so, dass von Kaderleuten immer mehr Leistungszeit erwartet wird», erklärt der Psychologe Roger Willi vom Schlaflabor in Zürich-Fluntern, «und dass dabei der Schlaf auf der Strecke bleibt.»
Aber können Politiker und Topmanager so ihren Jobs richtig nachkommen? Ueli Maurer, so erzählt die Classe politique, nicke immer öfters ein. Müde und abgekämpft wirke er, hiess es in der «SonntagsZeitung». An Bundesratssitzungen sei er bereits fünf Mal eingenickt. Ebenso an Kommissionssitzungen und öffentlichen Anlässen. Er selbst spricht von Power-Naps. Das sei seine Erholung. Und ausserdem kriege er alles mit.
Wirklich? «Ob er während des Power-Naps Wichtiges verpasst, kann ich natürlich nicht beurteilen», sagt Roger Willi. Grundsätzlich sei ein Power-Nap etwas Gutes. «Der Körper versucht, sich so den verlorenen Schlaf zurückzuholen.»
Von einer Schlafdauer von vier Stunden pro Nacht hält der Experte aber längerfristig nichts: «Körperlich ist das nicht gesund und empfehlenswert», so Willi. «Irgendwann nickt jeder ein.» Es gebe zwar Kurzschläfer, die gut mit fünf oder sechs Stunden Schlaf auskämen. Doch früher oder später kompensiere der Körper das. «Und wenn jemand einnickt, dann ist das ein deutliches Zeichen für Schlafmanko.»
Also kann man Ueli Maurer nur raten, von Napoelon´schen Gewohnheiten wegzukommen. Der schlief auch nur vier Stunden. Und liess sich zitieren: «Es gibt Diebe, die nicht bestraft werden und einem doch das Kostbarste stehlen: die Zeit.» Doch ein Dieb ist der Schlaf wahrlich nicht. Schon gar nicht, wenn ausgerechnet während eines Nickerchens das Loch in der Militärkasse gestopft würde. Und Maurer hätte es verschlafen. (spj)
Damit steht er nicht alleine da. «Ich brauche nur wenig Schlaf. Vier Stunden genügen», berichtete CVP-Präsident Christophe Darbellay. Sion-Präsident Christian Constantin begnügt sich mit «drei, vier Stunden». Und André Dosé versuchte die Swiss mit lediglich drei Stunden Schlaf zu retten. «Während der Woche komme ich mit drei, vier Stunden Schlaf aus», erzählte Christoph Blocher einst dem BLICK. Doch unlängst gab er zu, dass er durch die Komplott-Vorwürfe, die in der Affäre Roschacher/Holenweger seitens der Bundesanwaltschaft gegen ihn erhoben worden waren, etliche schlaflose Nächte verbracht habe. Deshalb habe er das rezeptpflichtige Beruhigungsmittel Rohypnol genommen.
«Schlaf bleibt auf der Strecke»
Das Kurzschlafen als Trendfalle für die oberen Zehntausend? «Ja, die Tendenz ist schon so, dass von Kaderleuten immer mehr Leistungszeit erwartet wird», erklärt der Psychologe Roger Willi vom Schlaflabor in Zürich-Fluntern, «und dass dabei der Schlaf auf der Strecke bleibt.»
Aber können Politiker und Topmanager so ihren Jobs richtig nachkommen? Ueli Maurer, so erzählt die Classe politique, nicke immer öfters ein. Müde und abgekämpft wirke er, hiess es in der «SonntagsZeitung». An Bundesratssitzungen sei er bereits fünf Mal eingenickt. Ebenso an Kommissionssitzungen und öffentlichen Anlässen. Er selbst spricht von Power-Naps. Das sei seine Erholung. Und ausserdem kriege er alles mit.
«Irgendwann nickt jeder ein»
Wirklich? «Ob er während des Power-Naps Wichtiges verpasst, kann ich natürlich nicht beurteilen», sagt Roger Willi. Grundsätzlich sei ein Power-Nap etwas Gutes. «Der Körper versucht, sich so den verlorenen Schlaf zurückzuholen.»
Von einer Schlafdauer von vier Stunden pro Nacht hält der Experte aber längerfristig nichts: «Körperlich ist das nicht gesund und empfehlenswert», so Willi. «Irgendwann nickt jeder ein.» Es gebe zwar Kurzschläfer, die gut mit fünf oder sechs Stunden Schlaf auskämen. Doch früher oder später kompensiere der Körper das. «Und wenn jemand einnickt, dann ist das ein deutliches Zeichen für Schlafmanko.»
Also kann man Ueli Maurer nur raten, von Napoelon´schen Gewohnheiten wegzukommen. Der schlief auch nur vier Stunden. Und liess sich zitieren: «Es gibt Diebe, die nicht bestraft werden und einem doch das Kostbarste stehlen: die Zeit.» Doch ein Dieb ist der Schlaf wahrlich nicht. Schon gar nicht, wenn ausgerechnet während eines Nickerchens das Loch in der Militärkasse gestopft würde. Und Maurer hätte es verschlafen. (spj)
Lesen Sie auch
Das sagen Blick.ch-Leser
- Paper Dexter, Bisfelden - 01:15 | 24.11.2009
- » @ Klaus Pallent. Ob das die SVP auch hinbekäme: Ab und zu sinnvolle politische Resultate mitten aus dem Tiefschlaf heraus zu erreichen? Ist das Links- Rechts-Schema noch nicht überwunden?
- René Müller, 3011 Bern - 17:51 | 23.11.2009
- » Nur rummotzen ist das Eine. Was besseres Leisten das Andere. Und bitte nicht wieder die alte Leier von der desolaten Armee und aufräumen im Departament. Noch hat der Ueli viel Zeit, noch ist kein Weltkrieg angesagt. Aber Labbern braucht halt keine Kraft.
- Isabelle Hess, Rudolfstetten - 17:33 | 23.11.2009
- » Nun von einem Bundesrat wird halt erwartet, dass er immer bereit ist und überall present sowie nebenbei natürlich über alle seine dossiers bescheid wissen muss. Klar schläft man da nicht mehr....
- Adrian Schmidhauser, Wil - 14:31 | 23.11.2009
- » 3-4 h Schlaf pro Nacht sind kein Problem, es kommt nur auf das richtige Mittel an, falls die Müdigkeit einsetzt. Ich kann mir gut vorstellen, dass Topmanager und Politiker meinen sie kämen mit viel weniger Schlaf aus als der Rest der Welt aber ich bin mir gleichzeitig auch zu 100% sicher, dass dies nicht ohne Hilfsmittel geschieht.
- Lionel Werren, Baden - 14:18 | 23.11.2009
- » Die Welt wird von solchen Leuten regiert, die nicht loslassen können, nicht eingestehen können. Würden diese Menschen einen voll besetzen Bus fahren, würden sie auch dann keine Ablösung zulassen, wenn sie schon totmüde sind. Lieber nehmen sie einen Unfall in Kauf als zuzugeben, dass sie nicht mehr können.
Angebot
Politik
ANZEIGE
Marktplatz
Blick.ch










