Einwanderungs-Diskussion: Das kosten und nutzen die neuen Gastarbeiter
BERN – Die guten Löhne und der hohe Lebensstandard locken immer mehr Ausländer in die Schweiz. Profitiert unsere Wirtschaft wirklich davon? Ein Professor gibt Antworten.
Von Simon Hehli | Aktualisiert um 15:53 | 27.10.2009
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Die beiden grünen Nationalräte Bastien Girod und Yvonne Gilli haben die Übervölkerungsdebatte am Wochenende neu lanciert (Blick.ch berichtete). Das freut besonders den Freiburger Professor Reiner Eichenberger: Er fordert schon seit Jahren einen breiten Diskurs zur Einwanderung – ohne ideologische Scheuklappen.
Als Folge der bilateralen Verträge mit den EU-Staaten ist die Bevölkerung der Schweiz massiv gewachsen: Alleine im letzten Jahr um 108´000 Personen oder 1,4 Prozent. Wo liegen die wirtschaftlichen Vor- und Nachteile dieser Entwicklung? Für Blick.ch macht Ökonom Eichenberger eine Bestandesaufnahme – es sind Pros und Contras mit vielen Abers.
Vorteile:
Das Bruttoinlandprodukt wird grösser. «Doch es ist nur logisch, dass die Gesamtwirtschaft wächst, wenn mehr Menschen hier leben. Die Frage ist, wie viel der Einzelne davon profitiert», betont Eichenberger.
Der Grossteil der neuen Einwanderer sind hochqualifizierte Fachkräfte aus dem EU-Raum, vor allem aus Deutschland und Nordeuropa. Ärzte oder Ingenieure besetzen Stellen, für die es in der Schweiz zu wenige Bewerber gibt. Durch den Zuzug von Akademikern wird die Schweizer Wirtschaft zudem innovativer und kann rascher auf Trends reagieren. «Doch Innovation kann auch schädlich sein, gerade im Finanzbereich», hält der Professor fest – und verweist auf die komplexen Wertpapiere, welche zahlreiche Banken ins Verderben stürzten.
Die Schweiz agiert als Trittbrettfahrer: Sie wirbt den Heimatländern Leute ab, die dort eine teure Ausbildung erhalten haben. Weil diese ausländischen Fachkräfte meist einen guten Lohn haben, kassiert der Staat zudem mehr Steuern. Doch gleichzeitig steigen auch die Kosten: «Viele der gut Ausgebildeten kommen mit ihren Kindern. Der Staat bezahlt für ihre Ausbildung», erklärt Eichenberger. Nur wenn die Immigranten noch hier arbeiten, wenn sie in die hohen Lohnklassen vorrücken und die Kinder aus dem Haus sind, bleiben dem Staat Mehreinnahmen.
Nachteile:
«Niemand kann behaupten, dass die Löhne wegen der Einwanderung nicht unter Druck geraten», sagt Eichenberger. Die Saläre der Einheimischen seien zwar in den letzten Jahren nominell nicht gesunken – aber angesichts der bis zum Herbst 2008 brummenden Konjunktur hätten sie bis heute eigentlich klar steigen müssen, rechnet der Ökonom vor.
Die tieferen Löhne wiederum sind zwar positiv für die Arbeitgeber, die günstiger produzieren können und damit auf dem Weltmarkt konkurrenzfähiger werden. Die Schweiz wird als Produktionsstandort auch für ausländische Konzerne attraktiver. Es kommt deshalb zu einem Mengenwachstum in der Wirtschaft. Aber genau da beginnt das nächste Problem: die Knappheit an Ressourcen und höhere Belastungen für die Umwelt, die Giro und Gilli vor allem anprangern. «Auch dass die S-Bahnen um Zürich und andere Strecken des ÖV derzeit so überlastet sind, ist eine direkte Folge des Bevölkerungswachstums», betont Eichenberger.
Die verstärkte Einwanderung bekommen viele Schweizer zu spüren, die in den Grossstädten oder deren Agglomerationen eine Wohnung suchen: Wegen der gesteigerten Nachfrage wird der Wohnraum knapp und die Preise für Immobilien schiessen in die Höhe. Das freut zwar die Bauwirtschaft, deren Auftragsbücher voll sind. «Doch dadurch kommen wieder mehr wenig qualifizierte Ausländer auf unsere Baustellen, was Belastungen für die Sozialsysteme mit sich bringt», so Eichenberger.
Überwiegen nun die wirtschaftlichen Vor- oder Nachteile der Immigration? Eichenberger mag darauf keine abschliessende Antwort geben: «Das ist ein sehr komplexes Feld. Erst eine ausführliche Diskussion in Gesellschaft und Politik kann uns weiterhelfen.» Die Debatte läuft – und die Tabubrecher Girod und Gilli können sich mit Eichenberger freuen.
Als Folge der bilateralen Verträge mit den EU-Staaten ist die Bevölkerung der Schweiz massiv gewachsen: Alleine im letzten Jahr um 108´000 Personen oder 1,4 Prozent. Wo liegen die wirtschaftlichen Vor- und Nachteile dieser Entwicklung? Für Blick.ch macht Ökonom Eichenberger eine Bestandesaufnahme – es sind Pros und Contras mit vielen Abers.
Vorteile:
Nachteile:
Überwiegen nun die wirtschaftlichen Vor- oder Nachteile der Immigration? Eichenberger mag darauf keine abschliessende Antwort geben: «Das ist ein sehr komplexes Feld. Erst eine ausführliche Diskussion in Gesellschaft und Politik kann uns weiterhelfen.» Die Debatte läuft – und die Tabubrecher Girod und Gilli können sich mit Eichenberger freuen.
Das sagen Blick.ch-Leser
- Fritz Bachmann, Emmenbrücke - 16:40 | 27.10.2009
- » Ach, wie mich das ankotzt! Seit Jahren predigt die SVP, dass zu viele leute in die Schweiz einwandern. Jetzt, wo es zu spät ist, kommen diese Linken und Netten (CVP - SP - Grüne) und wollen uns irgendetwas erzählen. Es k.. micht wirklich an.
- Marcel Berner, Bern - 16:05 | 27.10.2009
- » Leider nur eine wirtschaftliche Bewertung, keine soziale, gesellschaftliche. Es zeigt aber, dass die hochtrabenden Versprechungen der Befürworter nicht eingetroffen sind. Statt wie versprochen eine geringe Einwanderung kamen seit Einführung der Personenfreizügigkeit in 4 Jahren über 400'000 Menschen. Statt wie versprochen einer Rückwanderung in wirtschaftlich schlechten Zeiten kommen immer noch sage und schreibe 108'000 Menschen per Saldo in die Schweiz -und dies in der grössten Wirtschaftskrise
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