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Roman Polanski: Ist er vor dem Gesetz ein wenig «gleicher»? (AP)
So titelte das Nachrichtenmagazin «Time» auf seiner Webseite: «Schock: Die Schweizer lassen Polanski frei». Der Entscheid garantiere Polanski fast, dass er der Gefängnisstrafe für den Rest seines Lebens ausweichen könne.
Ein weiteres Mal werde der Regisseur durch «legalen Unsinn» gerettet, schrieb die «Los Angeles Times». Auch der Kolumnist der Tageszeitung «Washington Post» zeigte sich erbost. Er schlägt den Amerikanern vor, die Filme des polnisch-französischen Filmemachers von nun an zu boykottieren.
Im Fernsehsender CNN nahm Polanski als «flüchtiger Kinderschänder» am Montagabend den ersten Rang ein auf der «Liste, auf die man nie kommen will».
Die «New York Times» weist auf den kulturellen Graben zwischen Europa und den USA hin, der sich durch das Auslieferungsgesuch aufgetan habe. Die Frage dabei sei, ob Polanski bereits Strafe genug geleistet habe, oder ob seine Berühmtheit und sein Talent die Schwere des Verbrechens verschleierten.
Die Kommentatoren der Schweizer Tageszeitungen ihrerseits bewerten die Freilassung von Star-Regisseur Roman Polanski mehrheitlich als einen politischen Akt. Kritisiert wird vor allem der «Sonderfall Polanski».
«Es sind nicht alle gleich», titelt etwa die «Neue Luzerner Zeitung». «Wäre die Hauptperson in diesem Drama nicht Roman Polanski gewesen, sondern ein unbekannter Laienschauspieler – er würde jetzt vor einem US-Gericht stehen», glaubt der Kommentator.
Ähnlich tönt es bei der «Neue Zürcher Zeitung»: «Letztlich geht es um das Eingeständnis, dass bei übergeordnetem Interesse vor dem Recht nicht immer alle gleich sind. Einige sind etwas gleicher», heisst es in der Online-Ausgabe.
Von einem «juristisch wackeligen Urteil», schreibt der «Tagesanzeiger». Zu hoffen sei nun, dass die neue Praxis, Auslieferungsgesuche auch inhaltlich zu prüfen, in Zukunft auch Inhaftierten zugute komme, «die eine weniger gute Lobby haben als der weltberühmte Regisseur»
Als ein «letztlich logischer Entscheid» bezeichnet die «Südostschweiz» die Freilassung Polanskis. Da «von US-Seite getrickst wurde», sei Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf nichts anderes übrig geblieben als das Auslieferungsbegehren abzulehnen – «getreu nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten»».
Viel Verständnis für die Freilassung Polanskis zeigt der «Bund» und spricht von einem «guten» Entscheid. Widmer-Schlumpf habe juristisch statt politisch entschieden und «das könnte erfreuliche Folgen zeitigen: Alle Beteiligten, die Schweizer Behörden, aber auch die Amerikaner, können so ihr Gesicht wahren».
Jubel gibts dafür aus Frankreich: Der ehemalige Kulturminister Jack Lang richtete sich über «France Soir» direkt an die Schweiz: «Merci la Suisse. Bravo la Suisse!», sagte er. «Polanski schaffts aus der Sackgasse», titelt dagegen «La Libération».
(SDA/bih)