Justiz-Hickhack Polanski könnte noch lange schmoren

  • Publiziert: 12.10.2009, Aktualisiert: 14.01.2012

ZÜRICH – Polanskis Anwälte weibeln in Washington, um ein Auslieferungsgesuch zu verhindern. Doch wenn die Schweizer Justiz mitspielt, kriegen die US-Strafverfolger alle Zeit der Welt.

Roman Polanski leidet im Knast, wie sein Anwalt Hervé Temime am Freitag nach einem Besuch beim Regisseur berichtete. «Ich fand ihn erschöpft vor, er ist schliesslich schon 76 Jahre alt», erklärte der Franzose. Seit 16 Tagen sitzt sein Klient hinter Gittern – und so bald ist die Leidenszeit wohl auch nicht zu Ende.

Die USA, die Polanski wegen der Vergewaltigung der damals 13-jährigen Samantha Geimer im Jahr 1978 zur internationalen Fahndung ausschrieben, haben eigentlich nur noch 24 Tage Zeit, um ein offizielles Auslieferungsgesuch an die Schweiz zu stellen. Gemäss dem bilateralen Vertrag muss ein solches Gesuch nämlich innerhalb von 40 Tagen nach der Verhaftung eines Delinquenten eintreffen.

Die US-Anwälte Polanskis ziehen in Washington ein juristisches Powerplay auf, damit die USA ganz darauf verzichten, den Regisseur 31 Jahre nach der Tat noch zu belangen. Eine Schlüsselrolle soll dabei der angeheuerte Washingtoner Anwalt Reid Weingarten spielen, ein Busenfreund von Obamas Justizminister Eric Holder.

USA können Fristverlängerung stellen

Muss die Schweizer Justiz Polanski also nach Ablauf der Frist am 5. November laufen lassen, wenn Polanskis Lobbyisten bis dahin ein Auslieferungsgesuch verhindern? So einfach ist es auch nicht, wie Folco Galli, Sprecher des Bundesamtes für Justiz (BJ) gegenüber Blick.ch erklärt: Denn die USA können innerhalb der nächsten dreieinhalb Wochen auch einen Antrag auf Fristverlängerung stellen.

Es liege dann im Ermessen des BJ, ob es diesem Gesuch entsprechen und den Kollegen aus Washington mehr Zeit einräumen wolle, sagt Galli. Bisher zeigte sich die Schweizer Justiz im Fall Polanski ja durchaus kooperativ – so würde es erstaunen, wenn sie den USA plötzlich einen solchen Wunsch abschlagen würde. Für Roman Polanski heisst die Devise deshalb vorerst: ausharren und auf bessere Zeiten hoffen.

Sein Zürcher Anwalt Lorenz Erni hüllte sich heute gegenüber Blick.ch in Schweigen: Er wollte keine Auskunft auf die Frage geben, wie er die Chancen seines Klienten einschätzt, demnächst wieder frei zu kommen. Beim Bundesstrafgericht ist derzeit ein Gesuch Polanskis auf Haftentlassung hängig. Ginge es nach seinen Anwälten, würde er in der Schweiz unter Hausarrest kommen, bis eine allfällige Auslieferung an die USA erfolgt. (hhs)

play Roman Polanski muss auf einen Erfolg seiner Anwälte in Washington hoffen. (Reuters)

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