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Ende Mai begleitete ich Pascale Bruderer mit fünf Parlamentarierkollegen auf einer offiziellen Reise nach Finnland und Schweden. Die Nationalratspräsidentin machte einen sehr starken Eindruck – darüber waren sich alle einig: von links bis rechts.
Strahlend, authentisch, entspannt, perfekt vorbereitet in jedem Dossier und fähig, Brücken zwischen den Anhängern verschiedener Überzeugungen zu bauen, überraschte Pascale Bruderer alle Gesprächspartner. Stellen Sie sich das Gesicht des schwedischen Präsidenten vor, als Pascale aufsteht und ihre Ansprache beginnt – in perfektem Schwedisch, und erst noch ohne Text!
Sollte sie ins Rennen einsteigen, wäre Pascale die ideale Kandidatin für die Nachfolge von Moritz Leuenberger. Dafür gibt es mehrere Gründe:
Ihre Dossier– und Sprachkenntnisse. Beeindruckend souverän und mit viel Entscheidungskraft führt sie das Parlament: eine eiserne Faust im Samthandschuh.
Sie ist eine Integrationsfigur – und die braucht die Regierung. Pascale greift niemals persönlich an, sondern mit Argumenten, Überzeugungen – und einem Lächeln.
Sie ist keine Ideologin, sondern eine pragmatische Frau auf der Suche nach Lösungen. Mit grosser Sensibilität beweist sie unermüdliches Engagement für Behinderte. In der Affäre UBS-USA ging sie voraus, indem sie alle Beteiligten an einen Tisch gebracht hat – für eine Sozialistin nicht ganz selbstverständlich.
Pascale Bruderer erhält breite Unterstützung aus allen politischen Parteien von links bis rechts, weil sie die Interessen des Landes vor ihre eigenen stellt.
Sie spricht mit den Parlamentariern genauso, wie sie auch sonst mit Jung und Alt spricht, und gibt sich ganz einfach, wie sie ist: intelligent und authentisch.
Das Rennen um die Nachfolge von Moritz Leuenberger, der übrigens noch kein Demissionsschreiben eingereicht hat, wird die Schweiz bis zur Wahl im Dezember in Atem halten: Seit dem Krieg hat kein Bundesrat seinen Rücktritt so lange im Voraus angekündigt.
Das andere Sommerrätsel heisst Hans-Rudolf Merz: Geht er – oder geht er nicht? Die Antwort auf diese Frage könnte die Ausgangslage für die Bundesratswahl entscheidend beeinflussen. Das Kandidatenkarussell begann sich nach Leuenbergers Rücktrittserklärung am 9. Juli nur zögerlich zu drehen.
Ein Grund: die starken Männer der SP. Der Glarner Werner Marti hat Bern verlassen. Auch Urs Hofmann, diskret, sehr intelligent, ist zum Regieren in den Aargau zurückgekehrt. Es gäbe noch andere erfahrene Genossen unter der Kuppel, aber sie kommen nicht wirklich in Frage. Die beiden Westschweizer SP-Schwergewichte Christian Levrat oder Alain Berset etwa träumen von Micheline Calmy-Reys Sitz.
Also sind jetzt in der Deutschschweiz die Frauen in der Poleposition. Fünf von ihnen werden immer wieder von den Zeitungen genannt: Jacqueline Fehr und Simonetta Sommaruga als Favoritinnen, dazu Anita Fetz, Hildegard Fässler und die jüngste, Pascale Bruderer.
Jede hat ihre Chancen, ihre Kompetenzen und ihre Verbündeten. Keine von ihnen hat bis jetzt ihre Karten auf den Tisch gelegt. Alle gehen in sich, denken darüber nach und versprechen eine baldige Antwort. Meine Wunschkandidatin steht bereits fest: Pascale Bruderer.
Dieser Artikel ist mir wichtig, weil ... Intelligenz, Polit-Instinkt, Jugend und Teamfähigkeit den Bundesrat stärken. Es wäre schade, Bruderer noch zehn Jahre warten zu lassen. Christoph Darbellay, CVP-Präsident.- ZVG