Schweinegrippe Papierkrieg verschlingt Millionen

  • Publiziert: 11.11.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Franziska Blaser

BERN – Die Kantone kämpfen mit der Bürokratie rund um die Schweinegrippe-Impfaktion. Die Kosten explodieren.

Dass die Schweinegrippe teuer wird, war von Anfang an klar. Für die Bevölkerung ist die Impfung gratis, dafür kommen hohe Kosten auf Bund, Kantone und Krankenkassen zu.

Den Bund kostet die Impfaktion 84 Millionen Franken. Er hat 13 Millionen Dosen Impfstoff bestellt. Die Krankenkassen müssen pro Impfung 17.15 Franken an die Ärzte zahlen. Welche Kosten das verursacht, konnte der Krankenkassenverband Santésuisse auf Anfrage nicht sagen. Es komme darauf an, wie viele Leute sich impfen lassen. Tun das 30 Prozent der Bevölkerung, kostet es die Kassen über 38 Millionen Franken.

Nicht nur Bund und Versicherungen müssen tief in die Taschen greifen. Auch für die Kantone wird die Impf-Aktion, die gestern angelaufen ist, teuer. Die kantonsärztlichen Dienste koordinieren die Verteilung des Impfstoffes. Ein Kraftakt, der die Dienste in Beschlag nimmt.

Riesiger administrativer Aufwand

«Wir beschäftigen uns seit Monaten vorwiegend mit der Schweinegrippe-Impfaktion», sagt Maria Ines Caravajal, stellvertretende Kantonsärztin des Kantons Aargau. Der Dienst sei zu einem Abwicklungs-Zentrum geworden, andere Arbeiten seien zurückgestellt worden. Es müssen Verträge mit den Lieferanten abgewickelt werden und mit den Krankenkassen abgerechnet werden. Von einem beträchtlichen Aufwand spricht auch Gaudenz Bachmann vom Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen.

Dieser grosse administrative Aufwand geht ins Geld. Allein den Kanton Luzern wird die Administration und der Transport rund eine halbe Million Franken kosten, wie der stellvertretende Kantonsarzt Hans-Peter Roost gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung» bestätigt. «Diese Zahl halte ich für realistisch», sagt Franz Wyss, Zentralsekretär der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren. Im Aargau rechnet man sogar mit bis zu 700`000 Franken.

Die Kosten variieren aber von Kanton zu Kanton, je nachdem wie die Verteilung der Impfdosen zu Stande kommt, sagt Wyss weiter. Gebe es beispielsweise eine Verteilung an viele Ärzte sei das sehr schnell sehr teuer. Wenn nur an wenige Impfzentren geliefert werden müsse, seien die Kosten dementsprechend tiefer.

Packungen müssen umgepackt werden

An jeden impfenden Arzt zahlt der Kanton 2.35 Franken pro Impfung, zusätzlich zu den 17.15 Franken, welche die Ärzte von den Kassen erhalten. Ausserdem muss der Kanton die Umpackung eines der Impfmittel berappen, da die 500er-Packungen zu gross für Arztpraxen sind. Jede Umpackung einer 500er- in eine 10er-Packung kostet alleine 7 Franken.

Rechnet man pro Kanton durchschnittlich mit einer halben Million Franken, kommen insgesamt Kosten von 13 Millionen Franken auf die Kantone zu.

Der ehemalige Gesundheitsminister Pascal Couchepin rechnete Mitte September mit Kosten für Bund, Kantone und Krankenkassen von 130 Millionen Franken. Dies unter der Annahme, dass pro Person zwei Impfungen nötig sind und sich die Hälfte der Schweizer impfen lässt. Weil eine Spritze pro Person reicht, dürfte diese Schätzung nicht mehr stimmen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) kann auf Anfrage keine neue Schätzung abgeben.

play Viel Bürokratie für einen Pieks: Schweinegrippe-Impfung. (Keystone)

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