Wer liess Dimora töten? Zweite Runde im Hickhack um tote Kampfhündin

  • Publiziert: 20.10.2009, Aktualisiert: 14.01.2012

ROMANSHORN – Der Thurgau habe sie gezwungen, ihre Kampfhündin einschläfern zu lassen, beklagte sich eine Zürcherin. Eine ganz andere Version hält nun der Amtstierarzt parat.

Hündin Dimora war eine italienische Dogge, ein Cane Corso. Der Kanton Thurgau zählt diese Rasse nach einem Gesetz, das am 1. Januar in Kraft trat, zu den Kampfhunden. Diese brauchen eine Bewilligung. Das wurde der elf Monate alten Dimora zum Verhängnis: Ihr Frauchen, die Zürcherin Barbara Lock (28), brachte die Hündin im August zu einer Bekannten nach Romanshorn, weil sich Dimora nicht gut mit Locks Rottweiler-Welpen vertrug. Bald stand der Thurgauer Tierschutz vor der Tür. Denn die benötigte Bewilligung für die Kampfhündin lag nicht vor.

«Der Amtstierarzt sagte: Bis heute Abend ist der Hund raus aus dem Kanton, sonst muss er eingeschläfert werden», berichtete Lock dem «SonntagsBlick». Das Rennen gegen die Zeit verlor sie: Weil sie Dimora nicht nach Zürich habe zurücknehmen können und weil alle Tierheime voll gewesen seien, hätten sie die Hündin am Abend des 12. August zu einer Tierärztin zum Einschläfern gebracht.

Ein Grund für ihr Einlenken: Amtstierarzt Ulrich Weideli habe gedroht, die drei anderen Hunde ihrer Bekannten zu beschlagnahmen, wenn die beiden Frauen seiner Anweisung nicht folgten (Blick.ch berichtete). Für Lock ist klar: «Das Thurgauer Veterinäramt hat uns dazu gezwungen, Dimora einzuschläfern.»

Hund als gefährlich eingeschätz

Als herzloser Bürokrat will sich Weideli aber nicht hinstellen lassen – und legt nun seine Version der Geschichte vor. Barbara Lock habe tatsächlich mit ihm telefoniert, erklärt er gegenüber dem «St. Galler Tagblatt». Lock habe ihm jedoch gesagt, dass sie den Hund bereits vorher habe einschläfern lassen wollen, da er ihre Rottweilerwelpe attackierte.

Doch die angefragte Tierärztin habe die Euthanasie abgelehnt. Deshalb habe Lock den Hund zur Bekannten nach Romanshorn gebracht. «Ich habe ihr Ansinnen, den Hund zu euthanasieren, unterstützt», sagt Weideli. Er habe den Hund als gefährlich eingeschätzt. Ihm habe jede Erziehung gefehlt.

«Wenn man schaut, wie er herumgeschubst wurde von Haltern, die ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind, muss man davon ausgehen: Der Hund befand sich im Dauerstress.» Nur eine professionelle Therapie hätten dem Hund noch geholfen, betont Weideli.

«Dimora war nicht bösartig»

Das habe er auch empfohlen. Doch Lock habe ihn gebeten, ihr Adressen von Tierärzten zu nennen, die den Hund einschläfern könnten. «Wir haben noch keine einzige Verfügung erlassen, wonach ein Hund ohne Bewilligung getötet werden musste», stützt auch Kantonstierarzt Paul Witzig Weidelis Version.

Ganz anders sieht das Tierärztin Claudia Loretz, die Dimora einschläferte. Der junge Hund habe freundlich gewirkt, nicht bösartig, erklärte sie dem «SonntagsBlick». Sie und Lock hätten in der Praxis eine Stunde lang nach einer Lösung gesucht – ohne Erfolg. «Wir sind ausführendes Organ, leider musste ich der harten Weisung des Amtes Folge leisten.» (hhs)

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