Grossbrand in Arbon – Nachbarn erzählen «Unser Dach fing an zu qualmen»

ARBON - TG - Firmen, Existenzen und Träume etlicher Menschen liegen in Schutt und Asche. Zerstört innert weniger Stunden. Der Brand konnte mittlerweile gelöscht werden.

  • Publiziert: 19.08.2012, Aktualisiert: 20.08.2012
  • Von Marlene Kovacs, Antonia Sell und Manuela Eberhard
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Arbon brennt. Dunkle Rauchschwaden steigen über der Stadt am Bodensee in den blauen Himmel, die Luft flimmert in der Gluthitze.

Auf dem ehemaligen Saurer-Areal, dem Werk Zwei, ist gestern Nachmittag gegen 17.30 Uhr in einer Blechhalle ein verheerendes Feuer ausgebrochen. Mit unbändiger Macht und in Sekundenschnelle greifen die Flammen auf eine Holzhalle über.

Die Nachbarn Vera Kovacs und Daniel Freundorfer wohnen direkt neben dem Saurer-Areal. Freundorfer hört es knistern und weckt seine Freundin. Gemeinsam flüchten sie aus ihrem Haus. «Es war schlimm», sagt Kovacs. «Stundenlang mussten wir vor dem Haus warten und durften nicht mehr rein.» Nur ihre Katzen können sie holen. Der Dachstock ihres Hauses fängt auch an zu qualmen, in Flammen geht es aber nicht auf. 

«Gebrannt wie Zunder»

Feuerwehrmann Stefan Kunej war als einer der ersten vor Ort: «Als wir ankamen stand die Halle schon in Vollbrand», sagt er gegenüber Blick.ch. Das war der Beginn eines langen Einsatzes: «Wir sind einfach immer drann gewesen. Das Holz war so trocken, das hat gebrannt wie Zunder», sagt Kunej.

Er sei zwar bereits einmal bei einem Grossbrand dabei gewesen: «Aber das hier ist sehr, sehr tragisch. Da stehen so viele Arbeitsplätze und Familien dahinter», sagt Kunej.

Nur drei Stunden nach dem Ausbruch haben die Flammen bereits fünf Hallen in Beschlag genommen. «Es sieht beängstigend aus», sagt Leserreporter Fabricio Zuchetti (42) aus Arbon.

Trotz des schnellen Aufgebots von Feuerwehren aus zehn Gemeinden mit 360 Einsatzkräften, des SBB-Löschzuges und eines Löschhelikop­ters aus Altenrhein SG brechen gegen 19 Uhr zwei brennende Hallen zusammen. Eine Stunde später die dritte.

Feuer in den frühen Morgenstunden unter Kontrolle

Die Löscharbeiten dauerten bis heute in die frühen Morgenstunden an. «Der Brand ist soweit gelöscht, es bestehen aber immer noch Glutnester», sagt Ernst Vogelsanger, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, zu Blick.ch. Das Areal werde heute den ganzen Tag weiter überwacht, die Einsatzkräfte seien weiterhin vor Ort.

Gestern konnte das Feuer kaum unter Kontrolle gebracht werden.

«Jetzt werden gerade Maschinen und Saurer-LKWs aus einem der angrenzenden Gebäude evakuiert», berichtet Leserreporter Daniel Schwarz (31) um 19.30 Uhr. «Die haben hier gar nichts unter Kontrolle. Das Feuer frisst sich immer weiter durch das Gelände. Man hat das Gefühl, dass das Löschen überhaupt nichts bringt», so Schwarz.

Um 20.30 Uhr wird bei der Medienkonferenz das ganze Ausmass der Zerstörung deutlich. «Wir werden wohl die ganze Nacht durchlöschen. Das Feuer ist noch nicht unter Kontrolle», erklärt Einsatz­leiter Manuel Britschgi (37). «Vier Feuerwehrleute mussten mit Verbrennungen oder Rauchvergiftungen ins Spital eingeliefert werden.» Sie wurden leicht bis mittelschwer verletzt. Zehn brachen erschöpft zusammen. Die Hitze erschwert die Löscharbeiten immens.

«Es ist eine Katastrophe für ganz Arbon», sagt Stadtammann Patrick Hug (55, CVP). «Ich kann mich an kein ähnlich schlimmes Feuer hier bei uns erinnern. Es ist dramatisch. So viele Firmen sind ­betroffen.»

Auf dem Areal, das Saurer im März dieses Jahres für 35 Millionen an die HRS Investment AG verkaufte, sind 39 Firmen ansässig. Es sollte etappenweise zu einem neuen Stadtteil entwickelt werden. Nun liegen Firmen, Existenzen und Träume etlicher Menschen in Schutt und Asche. Zerstört innert weniger Stunden.

Brandstiftung in Gossau?

Am späten Sonntagnachmittag geriet die Halle eines Recycling-Unternehmens in Gossau SG in Brand. Die umliegenden Feuerwehren sowie weitere Rettungskräfte waren mit einem Grossaufgebot im Einsatz.

Das Feuer griff rasch auf das gesamte Gebäude über, sodass dieses in kurzer Zeit in Vollbrand stand, meldet die Kapo St. Gallen.

Verletzt wurde niemand. Das Amt für Umwelt des Kantons St. Gallen gab bekannt, dass für die Bevölkerung keine gesundheitliche Gefahr besteht.

Während der ersten Alarmierungsphase befand sich ein 50- bis 60-jähriger Mann am späteren Barndort. Er war mit einem hellgrünen Personenwagen der Marke Ford Explorer unterwegs. Dieser Mann, sowie weitere Personen, die Hinweise zu diesem Brandfall geben können, werden gebeten, sich beim Polizeistützpunkt Oberbüren, Telefon 052 229 81 00, zu melden.  (snx)

Beliebteste Kommentare

  • Elvis  Altherr , St Gallen , via Facebook
    Ein Danke an die unermüdlichen Retter die trotz der Hitze sich der Sache gestellt haben.. schade drum.. und den Verletzten gute Genesung
  • Eugen  Dubeli , St.Gallen
    Vor ein paar Wochen in der Zeitung: Das ganze Sauererareal wird überbaut es entsteht ein neuer Stadtteil in Arbon.
    Meldung heute.Sauererareal brennt!

Alle Kommentare (7)

  • üzelwurst  pasiv
    Als Heimweh-Arboner habe ich auch hier in Costa Rica mitgelitten als ich am Mittag 8 Stunden Zeitverschiebung über das schreckliche Ereigniss informiert wurde. Dank Freunden und Blick im Internet wurde ich ständig auf dem Laufenden gehalten. Stefan, Dir und allen Einsatzkräften ein herzliches "Vergelts Gott" und ein riesen Lob für die geleistete Arbeit! Und den Firmeninhabern viel Mut für den Neuanfang!
    • 21.08.2012
    • 10
    • 4
  • marcel  herzig , St. Gallen
    Etwas merkwürdig is es ja schon. Meine innert kurzer Zeit 2 Grossbrände von Industriehallen. Meine Gossau und Arbon liegen jetzt auch nicht weit auseinander. Könnte doch auch beides Brandstiftung sein ohne jetzt jemand zu beschuldigen.
    Aufjedenfall wünsch ich allen Firmeninhaber die jetzt um ihre existenz bangen müssen viel Glück.
  • Michael  Vetter , via Facebook
    Was Sie sich erlauben Herr Siegmann!!
    "Klarer Fall von Versicherungsbetrug" - Wie kommen Sie darauf so was zu behaupten? Haben Sie beweise oder Fakten die Ihre Aussage beweisen?
    Mit diesem Statement beschuldigen Sie ehrlich arbeitende Schweizer Arbeitgeber eine Straftat begangen zu haben! Es gibt Firmen auf diesem Areal die seit gestern Abend um ihre Existenz und somit auch um Arbeitsplätze bangen müssen!
  • Elvis  Altherr , St Gallen , via Facebook
    Ein Danke an die unermüdlichen Retter die trotz der Hitze sich der Sache gestellt haben.. schade drum.. und den Verletzten gute Genesung
  • Eugen  Dubeli , St.Gallen
    Vor ein paar Wochen in der Zeitung: Das ganze Sauererareal wird überbaut es entsteht ein neuer Stadtteil in Arbon.
    Meldung heute.Sauererareal brennt!
    • Martial  Callair , Aargau
      Eugen, das stimmt, eigentlich merkwürdig und passt zusammen. Eine solche Aktion wäre auf höchstkrimineller Tat zu verurteilen. Die KMUs und ihre Zukunft haben das Nachsehen, das haben sie bestimmt nicht verdient. Das Leben muss weiter gehen!
      • 20.08.2012
      • als Kommentar auf Eugen  Dubeli , St.Gallen
      • 35
      • 13
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