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Am 2. Juni taucht Erwin B.* (68) in der Tierpension Tannenhof in Walzenhausen AR auf. Er nimmt Funny mit, eine herrenlose Mischlingshündin. Den Hund hat die Kantonspolizei zehn Tage zuvor im benachbarten Altstätten SG aufgegriffen.
Kurz darauf ist die Findelhündin tot (im BLICK). Erwin B., der Tierschutzbeauftragte der Stadt Altstätten SG und pensionierte Wildhüter, hat Funny erschossen.
Eine Schande, finden Tierfreunde im ganzen Land. Sie toben in den Leserbriefspalten und auf den Webseiten. Und stossen Morddrohungen aus.
Auch Tierheim-Chef Godi Lehnherr (46) sagt über Erwin B.: «Der hat uns angelogen. Als er Funny holte, fragte ihn meine Mitarbeiterin, wo die Hündin jetzt hinkomme. Dreimal. Jedes Mal sagte er, das wisse er nicht.»
In der Tierpension glaubte man, die Stadt Altstätten habe ein Plätzchen für Funny gefunden. «Darüber habe ich mehrmals mit dem zuständigen Sachbearbeiter gesprochen», betont Lehnherr.
Erwin B. versteht die Wut gegen ihn nicht: «Mit Einverständnis der Gemeinde habe ich den Hund beseitigt», erklärte er «20 Minuten». Und zwar aus Spargründen. «Die Gemeinde sollte nicht für den Hund aufkommen müssen.» Mehr will er den Medien nicht sagen.
«Er wird massiv bedroht», sagt der Altstätter Stadtpräsident Daniel Bühler. Auch der FDP-Politiker selber würde lieber nicht mehr über den «Fall Funny» sprechen. «Die Sache nimmt eine unheimliche Dimension an. Aber ich bin der Stadtpräsident. Ich bin verantwortlich für meine 160 Mitarbeiter. Ich gebe ihnen Rückendeckung.»
Erwin B. habe nicht aus Mordlust geschossen. «Er entschied nicht selbst, den Hund zu töten. Er bekam den Auftrag von der Verwaltung», sagt Stadtpräsident Bühler.
Wegen des Geldes? Die Frist, innert der die Gemeinde für Funny zahlen musste (30 Franken pro Tag), war ja schon vorbei. Tierpensions-Leiter Lehnherr: «Wir hätten Funny natürlich weiterhin bei uns behalten. Ohne Kosten für die Gemeinde. Wir hätten die lustige Hündin problemlos weitervermittelt.»
Umso wütender sind die Tierfreunde. Auf Facebook im Internet fordern sie Vergeltung für Funny: «Vielleicht sollte man den Typen auch abholen und erschiessen», schreibt Martin S.* – und er ist nicht der Einzige.
«Auch wir werden mit Anrufen überflutet», sagt Stadtpräsident Bühler. «Und wir erhielten eine konkrete Morddrohung. Gegen einen unserer Mitarbeiter. Wir haben rechtliche Schritte eingeleitet.»
Immerhin: Einen zweiten «Fall Funny» soll es nicht geben. «Wir passen unsere Abläufe an», sagt Bühler. «Und sind jetzt auch mit dem Tierschutz im konstruktiven Dialog. Heute würde der Hund wohl nicht mehr erschossen.»
* Namen der Redaktion bekannt
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Findelhündin Funny: Vom Tierschutzbeauftragten Erwin B.* erschossen. (zvg)