Bergungsarbeiten dauern an: «Thurbo» bei Crash 20 Meter zurückgeschoben

NEUHAUSEN AM RHEINFALL - SH - Heute Morgen krachten ein «Thurbo» und ein Zug der S11 zusammen. 17 Menschen wurden verletzt. Die SBB hat mit den Bergungsarbeiten begonnen.

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Heute Morgen 7.36 Uhr: Die S11 ist von Schaffhausen auf dem Weg nach Zürich, die S33 von Winterthur nach Schaffhausen. Beide Züge sind voll besetzt. Rund 100 Meter vor dem Bahnhof Neuhausen passiert es. Der Doppelstöcker und der «Thurbo» krachen seitlich frontal ineinander.

Die 280 Passagiere werden wegen des heftigen Aufpralls durch den Zug geschleudert. Viele werden verletzt, geschockt sind alle. Die Insassen des «Thurbo» werden kurz nach dem Crash evakuiert. Sie gehen zu Fuss zum Bahnhof Neuhausen, wo sie von Rettungskräften betreut werden.

«Alle sind völlig aufgelöst und weinen»

Am Bahnhof ist auch der Pendler David Togni (25) aus Feuerthalen. «Der ganze Bahnhof ist voll mit Rettungskräften. Es sind auch Ambulanzen aus Deutschland hier», berichtet Togni kurz nach dem Crash. «Die Verletzten werden beim Kiosk betreut. Sie sind völlig aufgelöst und weinen.»

Die Evakuierung der S11 stellt sich als schwierig heraus. Man hat Angst, dass die Oberleitungen noch unter Strom stehen. Nach eineinhalb Stunden haben alle den Zug verlassen, und Anja Schudel, Mediensprecherin der Schaffhauser Polizei, kann vermelden: «Alle Passagiere sind evakuiert.»

Beide Lokführer äusserlich unversehrt

Lange Zeit ist unklar, wie viele Personen verletzt wurden und wie schwer die Verletzungen sind. Um 10.30 Uhr gibt es an einer Medienkonferenz Klarheit. «Bei dem Unglück gab es 17 Verletzte. Neun mussten ins Spital gebracht werden. Es gab aber keine Schwerverletzten», sagt Schudel. Bis am Abend konnten acht verletzte Passagiere das Spital aber wieder verlassen.

Im Spital sind auch die beiden Lokführer. Sie sind äusserlich unversehrt und konnten die Züge selbständig verlassen. Erstaunlich, wenn man sich die völlig zerstörten Führerkabinen der beiden Loks vergegenwärtigt.

Rettungseinsatz-Leiter Markus Wittwer sagte gegenüber Blick.ch: «Ich denke, dass der Lokführer richtig reagierte und sich rechtzeitig in Sicherheit brachte.» Bei den Kräften, die bei einer solchen Kollision entfesselt werden, hätte der Unfall weit weniger glimpflich ablaufen können, so Wittwer.

Laut Polizeisprecherin Schudel haben die beiden Lokführer unmittelbar nach der Kollision die Fahrgäste via Lautsprecher über den Unfall informiert. In den Zügen sei keine Panik ausgebrochen, die Leute hätten sich ruhig verhalten.

Strecke bis morgen sicher gesperrt

Bei der Kollision wurde die Thurbo-Zugskomposition rund 20 Meter zurückgeschoben. Der Doppelstockzug habe die viel grössere Masse, sagte Walter Kobelt, Leiter Bahnen und Schiffe der SUST. Der «Thurbo» sei ein relativ leichtes Fahrzeug.

Die SBB haben in der Zwischenzeit mit den Bergungsarbeiten begonnen. «Der Thurbo wurde rückwärts weggezogen. Am Nachmittag versuchen wir die rote Lok aufzugleisen und abzutransportieren», sagt Daniele Pallecchi, Mediensprecher der SBB. «Danach können die Schäden am Gleis begutachtet werden. Am Ende folgen noch die Arbeiten an der Fahrleitung. Wir hoffen, dass wir die Strecke morgen wieder in Betrieb nehmen können.»

Doppelstockzug auf Einfahrweiche, als es krachte

Die beiden Züge hätten gemäss Fahrplan gleichzeitig um 7.34 Uhr den Bahnhof Neuhausen in entgegengesetzter Richtung verlassen sollen - der Thurbo der S33 Richtung Schaffhausen, der Doppelstockzug der S11 Richtung Winterthur.

Der Thurbo hatte den Bahnhof bereits verlassen, der Doppelstockzug war jedoch noch nicht eingefahren. Als es krachte, befand sich Letzterer auf der Einfahrweiche, die diesen auf das andere Gleis führen sollte.

Strecke Schaffhausen-Dachsen unterbrochen

Wieso es zum Unfall kam, ist noch unklar und wird untersucht. Die Untersuchungsbehörden sammeln nun Daten des Stellwerkes, der Gleis- und Signalanlage, um der Ursache auf die Spur zu kommen. Sowohl menschliches als auch technisches Versagen ist als Ursache möglich.

Der Bahnhof Neuhausen bleibt den ganzen Tag gesperrt. Zwischen Schaffhausen und Dachsen setzen die SBB Ersatzbusse ein. Die Züge nach Stuttgart (D) werden via Basel und Karlsruhe (D) umgeleitet. Die SBB hat unter der Nummer 0800 722 233 eine Hotline für Reisende und Angehörige eingerichtet.

Ob der Bahnbetrieb morgen wieder aufgenommen werden kann, ist noch unklar. (kab/SDA)

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Beliebteste Kommentare

  • Nicole  Hufschmid
    Solche Tage möchte man am besten aus dem Kalender streichen. Wünsche den betroffenen gute Besserung und viel kraft bei der Verarbeitung des erlebten.
  • Michi  Beck
    Toll, dass nach den vielen Anti-Deutschen Artikeln hier die Süddeutschen noch zur Hilfe nach CH kommen. Danke für eure Unterstützung.

Alle Kommentare (27)

  • Steffi  Drechsel , via Facebook
    Das es keine Schwerverletzten gab, ist falsch. Der Lebensgefährte meiner Freundin hat sich bei dem Unfall die Hüfte gebrochen.
    • 11.01.2013
    • 3
    • 3
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