AMDEN - SG - Tour-Guide Jonathan D. (24), der beim Canyoning-Drama ums Leben kam, stammte aus dem Ausland. Damit ist er kein Einzelfall.
Zwei Tage nach dem Canyoning-Drama von Amden SG mit zwei Toten stellt sich die Frage: Haben die Verantwortlichen wegen mangelnder Ortskenntnisse das Risiko falsch eingeschätzt?
Fakt ist: Guide Jonathan D.* (24), der die Gruppe durch den Fallenbach geführt hatte und beim Unglück ums Leben kam, stammte ursprünglich aus Belgien, war erst seit drei Jahren in der Schweiz.
Damit ist er kein Einzelfall. «Viele Canyoning-Guides kommen aus dem Ausland», sagt Wolfgang Wörnhard vom Dachverband Swiss Outdoor Association. Sie arbeiten während der Saison in der Schweiz, ziehen dann an einen anderen Ort weiter.
Oftmals handelt es sich um Australier oder Neuseeländer – in ihren Heimatländern sind Sportarten wie Canyoning aber auch Riverrafting sehr populär.
Für Wörnhard stellt dieser Umstand aber kein Problem dar. «Die Verantwortung liegt bei den Veranstaltern. Diese müssen ein detailliertes Sicherheitskonzept erarbeiten, um überhaupt eine Tour anbieten zu können.» Ein solches Konzept umfasst etwa genaue Pläne mit gekennzeichneten Einstiegen und Notausstiegen, aber auch hydrologische Gutachten.
Ausländische Guides, die bereits Canyoning-Erfahrung mitbringen müssten, würden in der Schweiz «sorgfältig ausgebildet» - sofern sie nicht eine gleichwertige, anerkannte Ausbildung nachweisen können. Von den Veranstaltern würden sie zudem in die jeweiligen örtlichen Begebenheiten eingeführt.
«Ein Schweizer Guide mit genauen lokalen Kenntnissen, der sozusagen neben dem Bach aufgewachsen ist, durch den er Touren führt, ist ein Idealfall, der in der Praxis kaum vorkommt», sagt Wörnhard.
Von Jonathan D., der seit seinem Umzug in die Schweiz bei der Alpinschule Tödi GmbH angestellt war, heisst es, er sei sehr erfahren gewesen.
Diesen Eindruck bestätigt auch ein Freund aus Belgien, der den 24-Jährigen im vergangenen Sommer besucht und auf einer Canyoning-Tour begleitet hat: «Ich war überrascht, wie professionell er war. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er jemals ein unnötiges Risiko eingegangen wäre». Es sei immer Jonathans Traum gewesen, einmal in der Schweiz zu arbeiten – ein Land, das er schon als Kind oft besucht habe und aus dem auch ein Elternteil stammt.
Die Untersuchungen zur genauen Ursache des Dramas, bei dem neben Jonathan D. auch eine 23-jährige deutsche Touristin aus Rostock ihr Leben verloren hat, werden derzeit unter Hochdruck weitergeführt.
Die komplexen Abklärungen zum Unfallhergang können gemäss Hanspeter Krüsi von der Kantonspolizei St. Gallen aber noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen.
* Name der Redaktion bekannt
Beliebteste Kommentare
Alle Kommentare (15)