Canyoning-Drama im Fallenbach Sind ausländische Tour-Guides ein Sicherheitsrisiko?

AMDEN - SG - Tour-Guide Jonathan D. (24), der beim Canyoning-Drama ums Leben kam, stammte aus dem Ausland. Damit ist er kein Einzelfall.

  • Publiziert: 09.10.2012
  • Von Oliver Baumann

Zwei Tage nach dem Canyoning-Drama von Amden SG mit zwei Toten stellt sich die Frage: Haben die Verantwortlichen wegen mangelnder Ortskenntnisse das Risiko falsch eingeschätzt?

Fakt ist: Guide Jonathan D.* (24), der die Gruppe durch den Fallenbach geführt hatte und beim Unglück ums Leben kam, stammte ursprünglich aus Belgien, war erst seit drei Jahren in der Schweiz.

Ausländische Guides keine Seltenheit

Damit ist er kein Einzelfall. «Viele Canyoning-Guides kommen aus dem Ausland», sagt Wolfgang Wörnhard vom Dachverband Swiss Outdoor Association. Sie arbeiten während der Saison in der Schweiz, ziehen dann an einen anderen Ort weiter.

Oftmals handelt es sich um Australier oder Neuseeländer – in ihren Heimatländern sind Sportarten wie Canyoning aber auch Riverrafting sehr populär.

Verantwortung liegt bei Veranstaltern

Für Wörnhard stellt dieser Umstand aber kein Problem dar. «Die Verantwortung liegt bei den Veranstaltern. Diese müssen ein detailliertes Sicherheitskonzept erarbeiten, um überhaupt eine Tour anbieten zu können.» Ein solches Konzept umfasst etwa genaue Pläne mit gekennzeichneten Einstiegen und Notausstiegen, aber auch hydrologische Gutachten.

Ausländische Guides, die bereits Canyoning-Erfahrung mitbringen müssten, würden in der Schweiz «sorgfältig ausgebildet» - sofern sie nicht eine gleichwertige, anerkannte Ausbildung nachweisen können. Von den Veranstaltern würden sie zudem in die jeweiligen örtlichen Begebenheiten eingeführt.

«Ein Schweizer Guide mit genauen lokalen Kenntnissen, der sozusagen neben dem Bach aufgewachsen ist, durch den er Touren führt, ist ein Idealfall, der in der Praxis kaum vorkommt», sagt Wörnhard.

«Er war sehr professionell»

Von Jonathan D., der seit seinem Umzug in die Schweiz bei der Alpinschule Tödi GmbH angestellt war, heisst es, er sei sehr erfahren gewesen. 

Diesen Eindruck bestätigt auch ein Freund aus Belgien, der den 24-Jährigen im vergangenen Sommer besucht und auf einer Canyoning-Tour begleitet hat: «Ich war überrascht, wie professionell er war. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er jemals ein unnötiges Risiko eingegangen wäre». Es sei immer Jonathans Traum gewesen, einmal in der Schweiz zu arbeiten – ein Land, das er schon als Kind oft besucht habe und aus dem auch ein Elternteil stammt.

Die Untersuchungen zum Drama laufen weiter

Die Untersuchungen zur genauen Ursache des Dramas, bei dem neben Jonathan D. auch eine 23-jährige deutsche Touristin aus Rostock ihr Leben verloren hat, werden derzeit unter Hochdruck weitergeführt.

Die komplexen Abklärungen zum Unfallhergang können gemäss Hanspeter Krüsi von der Kantonspolizei St. Gallen aber noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

* Name der Redaktion bekannt

Beliebteste Kommentare

  • Tom  Reist , Urdorf
    Seien wir mal ehrlich.Auch wenns immer Tragisch ist wenn Menschen umkommen,aber wer diesen Sport ausübt weiss um das restrisiko das bleibt.
    Damit muss man einfach Leben,denn die Natur ist unberechenbar.
  • Andreas  Haeflgier
    nicht die Tour-Guides sind das Risiko, die Leute die den ultimativen Kick suchen sind es. Und wenn etwas passiert, müssen unschuldige Leute, oft Familienväter, zu Hilfe eilen und sich selber in grosse Gefahr begeben. Wie kann man so einen Irrsinn stoppen?

Alle Kommentare (15)

  • Florian  Lanicca , Eschlikon
    Die Natur ist unberechenbar - immer und überall besteht ein Restrisiko. Diese Sportart hat hohe Risken punkt. Denkt immer daran und wählt einen anderen Kick aus. Übrigens auch Wanderer sind der Natur manchmal extrem ausgesetzt. Allso nehmt es gemütlicher und bewegt Euch auf anderen Wegen.
    • 09.10.2012
    • 7
    • 5
  • Hanspeter  Laubscher , Champfèr
    Ob ein Leiter Ausländer oder Schweizer ist spielt keine Rolle, es fehlt ganz einfach der Respekt vor der Natur.
    • 09.10.2012
    • 45
    • 3
  • Eric  Baumgartner , via Facebook
    Was nützen bestausgebildete Guides wenn diese nicht fähig sind den Wetterbericht richtig anzuwenden. Aber auch den sportler muss endlich bewusst werden wenn die Natur nicht mitspielt gibt es keine Tour!
    • 09.10.2012
    • 31
    • 8
  • R.  Meier
    Wenn keine Materialfehler Mitverursacher des Unfalls waren,dann koennte man so gefaehrliche und problematische Stellen eindeutig sperren,in Form von wenn es regnet duerfen sie unter keinen Umstaenen befahren werden und es gilt ein striktes Fahrverbot.Es wird ein Verbot mit Strafe ausgesprochen,wenn man diese Regelung verletzen wuerde.Ist man auf dem Wasser und setzt der erste Regentropfen ein,gillt sofort raus aus dem Fluss mit den Booten,da gibt es kein langes troedeln.Des Veranstalters Versicherung,falls er eine hat muesste zu mindest wohl fuer die Ueberfuehrung der Verstorbenen Personen aufkommen,etc.Ob man diese Stelle des Flusses ganz sperrt und man das Boot halt davor aus dem Wasser nehmen muesste und es tragen muesste an Land bis zur naechsten ruhigeren Stelle liegt im ermessen der Polizei und der zustaendigen Behoerde.
  • Waschi  Peter , Genf
    Schuld sind heute immer die anderen. Gerade bei solchen Sport Fuzzies die den Kick suchen ist Selbstkritik ein Fremdwort.
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