Neue Methode gegen Thurgauer Rüpelschüler Sitzstreik wie die Hippies

Gandhi wehrte sich sitzend gegen britische Kolonialisten, die Hippies läuteten mit Sit-ins den «Summer of Love» ein. Jetzt sollen sich auch Thurgauer Schüler so gegenseitig disziplinieren.

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Schlägereien auf dem Pausenhof, freche Schüler und Vandalismus im Schulzimmer? Gandhi und die Hippies wussten anscheinend schon im vergangenen Jahrhundert, wie solche Auswüchse der Disziplinlosigkeit am besten zu bekämpfen wären.

Wie das SRF-Regionaljournal Ostschweiz berichtet, können an Thurgauer Schulen ab sofort bei gröberen Problemen Sitzstreiks durchgeführt werden. Bei diesen Sit-ins warten die Lehrer mit allen Schülern zusammen, dass die fehlbaren Personen zur Einsicht kommen und später Lösungsvorschläge präsentieren. Das Amt für Volksschule im Kanton bietet für die richtige Anwendung auch entsprechende Weiterbildungskurse an.

Kollektivstrafe ist verpönt

Der Schweizer Jugendpsychologe Allan Guggenbühl ist von der Hippie-Methode nicht restlos überzeugt. «Die unbeteiligten Schüler empfinden diese als reine Strafe», sagt Guggenbühl gegenüber BLICK.

Auch von Seiten der Eltern erwartet der Psychotherapeut negative Reaktionen: «Sie werden sich beklagen, dass ihre Kinder, anstatt zu lernen an Sitzstreiks teilnehmen müssen.» Trotzdem sieht er auch positive Aspekte. «Dass man die Lösungen von den Schülern verlangt, ist gut», sagt Guggenbühl. 

Auf Anfrage von BLICK relativiert Beat Brüllmann, Amtschef der Volksschule Thurgau, die ganze Aktion: «Meines Wissens werden die Sit-ins in nur einer Gemeinde verwendet.» Der Fokus der Weiterbildung wird nicht auf die Sitzstreiks, sondern auf das Modell der «neuen Autorität» gelegt. Dieses wurde vom berühmten israelischen Psychologen Haim Omer entwickelt. Seine Ideen stossen bei Eltern und Lehrern schon länger auf grosses Interesse. 

Ursprung bei Mahatma Gandhi

Die Sitzstreiks basieren auf dem Konzept des gewaltfreien Widerstands von Mahatma Gandhi, der sich so letztlich gegen die britischen Besetzer in Indien durchsetzte. An US-Unis und Colleges demonstrierten Studenten sitzend gegen die Rassentrennung. Die Hippies übernahmen das Konzept: Am  14. Januar 1967 läutete eine solche Demo im Golden Gate Park in San Francisco das Flower-Power-Zeitalter ein. 

Die letzte grosse Sit-in-Bewegung war Occupy Wall Street im Jahr 2011. Bis zu 15'000 Menschen protestierten in New York friedlich gegen die Gier der Finanzindustrie.

Publiziert am 10.01.2017 | Aktualisiert am 13.01.2017
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3 Kommentare
  • Silvio  Valentino aus Winterthur
    10.01.2017
    Unglaublich, was für eine Idee. Ein Traum. Welche "neue Autorität"? Es ist die Pflicht und Aufgabe der Lehrpersonen, in Zusammenarbeit mit den Behörden und nach Möglichkeit mit den Eltern, dafür zu sorgen, dass ein geordneter Schulbetrieb aufrechterhalten wird. Dafür werden sie ausgebildet und nicht schlecht bezahlt. Dieser Vorschlag heisst: "regelt das unter euch". Ausserhalb der Schule ist jede/r Schüler/in aber wieder allein. Ob dann ein Sitzstreik auch etwas nützt, wenn abgerechnet wird?
  • Peter  Kuster 10.01.2017
    Ein weiterer LP21 Unsinn ?! Die Pädagogen verwechseln da etwas: Gandhi hat gewaltfrei statt mit Bürgerkrieg gegen das Regime gekämpft, in der Schule streiken nicht Schüler gegen den Lehrer, sondern Lehrer zwingen Schüler gegen Mitschüler zu streiken, Kollektivhaft wie im Mittelalter, habe ich in der RS in den 80ern erlebt, wurde verboten, nun führts die Schule wieder ein, unglaublich..
  • R  S aus St.Gallen
    10.01.2017
    "Bei diesen Sit-ins warten die Lehrer mit allen Schülern zusammen, dass die fehlbaren Personen zur Einsicht kommen und später Lösungsvorschläge präsentieren." Als Vater hätte ich damit ein sehr grosses Problem. Meine Kinder gehen in die Schule um zu lernen. Wie lange will ein Lehrer warten, bis der Betroffene zu Einsicht kommt? Was ist, wenn er eben nicht zur Einsicht kommt? Wird dann einfach von Montag bis Freitag, 08:00 - 12:00 und von 13:30 - 17:00 Uhr gestreikt?