Neue Fälle aus dem Aargau Die Teer-Gauner pflastern weiter!

Mit Mafia-Methoden nehmen Gauner im Kanton Aargau ihre Opfer aus: Sie teeren Plätze und verlangen dafür im Anschluss hohe Geldsummen. Betroffene sind hilflos – die Polizei ist machtlos.

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Fassungslos steht Bauer Kurt Kramer (43) an der Auffahrt zu seinem Hof in Leibstadt AG. Der Landwirt hatte Anfang Woche unangemeldeten Besuch von Teergaunern. «Sie fragten nicht, sondern kippten den Belag gleich auf die Strasse vor dem Hof. Dann begannen sie mit den Arbeiten. Ich konnte sie nicht daran hindern», so Kramer.

In kürzester Zeit sind die Einfahrt und der Vorplatz geteert – insgesamt 200 Quadratmeter Pfusch. Bei der Scheune geht die Türe nicht mehr zu, und von der Einfahrt her läuft das Regenwasser jetzt einfach auf die Strasse. Mit Folgen: Bereits hat sich die Gemeinde beim Bauern beschwert und mit einer Anzeige gedroht.

Der Landwirt aber hat ganz andere Sorgen. Die Teergauner wollten von Kramer 8000 Franken, doch er konnte nur 3000 auszahlen. Am Tag darauf kamen die Gauner zurück und drohen Kramer. Er läuft davon, doch die Typen rufen ihm hinterher: «Es kommt noch eine Rechnung von uns. Absender ist dann die Teermafia!»

Auch im Dorf, beim Restaurant Warteck, trieben die Gauner ihr Unwesen. «Sie kamen und kippten mehrere Haufen Asphalt auf den Parkplatz. Dann sprachen sie über einen Auftrag, doch wir wussten von nichts», sagt Pächter Claudio Tirinzoni (51). Der sechsköpfige Bautrupp spricht englisch, beginnt sofort mit der Arbeit. «Ich sagte, sie sollen aufhören. Ohne Erfolg», so Tirinzoni. Er ruft die Polizei. Die kommt auch, sogar die Grenzwacht rückt mit an. Doch die Männer werden nicht verhaftet.

Warteck-Besitzer Peter Vögele (68) kommt hinzu, verhandelt mit den Engländern und drückt die Truppe von 5600 auf 3500 Franken. Zähneknirschend zahlt er. Auch weil die Gauner ins Restaurant stürmen und die Gästen bedrohen.

BLICK findet die Teertruppe im Hotel-Restaurant Sonne in Etzgen AG. Auf dem Parkplatz stehen die Fahrzeuge der Ganoven: ein weisser Mitsubishi-Pick-up mit britischem Kennzeichen und ein schwarzer Peugeot. Gestern gingen sie wieder auf Tour: Bei mindestens drei Einfamilienhausbesitzern in Gansingen AG, Bözberg AG und in Full-Reuenthal AG.

Am Mittag interessiert sich auch die Kantonspolizei Aargau für die Männer. «Wir haben ihre Personalien aufgenommen», sagt Polizeisprecher Bernhard Graser. «Mehr können wir nicht tun. Sie haben korrekte Aufenthaltsbewilligungen und sogar Wohnsitze in der Schweiz.»

BLICK weiss: Die Gauner haben meist einen englischen Pass, einen osteuropäischen Hintergrund und sind international vernetzt. Beide Fahrzeuge sind auf einen Christopher D.* eingetragen. Sein aktueller Wohnort: Langenthal BE. Hier ist auch der Sitz der zuständigen Asphaltfirma.

An der Adresse gibt es ein Hotel und passend für eine Organisation, die ihre Opfer mit Mafiamethoden ausnimmt, eine Pizzeria.

* Name der Red. bekannt

Publiziert am 06.11.2015 | Aktualisiert am 19.11.2015
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Post von den Teergaunern: Rechnung über 8000 Franken.

Die Rechnung dann per Post

Worb BE – Dreister geht es nicht: Die Teergauner verschicken sogar Rechnungen. «8000 Franken, zahlbar in 7 Tagen», steht auf dem Schreiben, das Bauer Bürki erhielt. Um ihn zur Zahlung zu bewegen, wurde der Landwirt aus Worb BE von den Teergaunern sogar bedroht (BLICK berichtete). Als Firmensitz ist auf dem Schreiben eine Adresse in einem Mehrfamilienhaus in Oberkirch LU angegeben. Anwesend ist niemand. An der Türe klemmt die Visitenkarte einer Polizistin mit der Nachricht: «Bitte melden!» Die Nachbarn berichten von «dubiosen Ausländern», die ab und zu mit schwerem Gerät einfahren: «Uns war immer klar, dass da etwas nicht stimmt.»

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133 Kommentare
  • Monika  Keller , via Facebook 06.11.2015
    ...wer 3000 Fr bzw 8000 Fr für einen nicht erteilten Teerauftrag auf dem eigenen Grundstück zahlt - fühlt sich vermutlich massivst bedroht so dass alle Gehirnzellen auf Sparflamme arbeiten...das merken diese Gauner und informieren ihre Kollegen im Ausland...und weiter gehts .... Willkommen in der Schweiz
  • harriet  bingham aus St. Moritz
    06.11.2015
    Ich hab auch immer wenn ich grad nichts bestellt hab ein paar Tausender parat, fuer wenn dann doch was kommt was ich verdraengte. Und wenn die Nachbarn dann merken, dass es sich dabei um Erwachsenenspielzeug handelt, dann behaupt ich einfach ich haett das nicht bestellt. Ich kann ja nicht einfach zugeben oder anzeigen, weil das taet ja in Peinlichkeit versinken. Da ist doch Ablenken auf die Polizei schon einfacher.
  • William  Quispe aus Bellinzona
    06.11.2015
    Ich sags halt noch einmal: einen Schuss vor den Bug mit der Schrotflinte wegen unbefugtem Betreten von Privateigentum, Hausfriedensbruch und mutwilliger Beschädigung. Wenn das nichts nützt, dann tut es auch ein kräftiger Schlag auf den Hinterkopf. In der Schweiz darf man jemanden festhalten, bis die Polizei kommt. Als schön mal wie einen Braten zusammenbinden und abwarten.
  • Roger  Huber 06.11.2015
    Solange es Leute gibt die bezahlen, wird es weitergehen.
  • Lisa  Därwyler aus Uffhausen
    06.11.2015
    ist das nicht Hausfriedensbruch? Wenn die teeren ohne Auftrag?
    Polizei machtlos.... wo leben wir denn?
    • Hans  Meisner aus Aarau
      06.11.2015
      Nein ist es eben nicht. Das Betreten eines Hofes oder Platzes der nicht umfriedetist, ist nicht nicht strafbar. Daher lässt sich der Artikel vom Hausfriedensbruch nicht anwenden.
    • Thomas  Maeder 06.11.2015
      Hausfriedensbruch ist es nur dann, wenn das Gelände eingezäunt ist oder wenn man die Arbeiter ausdrücklich weggewiesen hat. Das Problem ist vermutlich, dass die Opfer die Arbeiter nicht sofort und unmissverständlich weggewiesen haben und danach gleich die Polizei gerufen, wenn diese sich nicht entfernt haben. In Anwesenheit der Polizei kann man ihnen dann noch einmal ausdrücklich Hausverbot erteilen, dann hat man auch keine Beweisnot, weil man die Polizei als Zeugen hat.
    • Thomas  Maeder 06.11.2015
      Hans Meisner: Man muss die Leute nur unmissverständlich zum Verlassen des Geländes auffordern und ihnen Hausverbot erteilen, ab dann ist der Artikel anwendbar, wenn sie nicht spuren. Jede Wette, wenn man das tut, nicht mit sich diskutieren lässt und gleich die Polizei ruft, wenn sie nicht unverzüglich gehen, sind diese Nasen genauso schnell wieder weg, wie sie gekommen sind. Die leben von denjenigen, die sich in eine Diskussion verstricken, sich einschüchtern lassen und dann doch etwas bezahlen.