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Beat Brühlmann bekam den Auftrag für die Räumung des Müllgartens. Und einen Drohbrief. (Mario Gaccioli)
Anfang nächster Woche soll Schluss sein mit dem stinkenden Schandfleck von Bürglen TG. So will es CVP-Gemeindeammann Armin Eugster (66). Die Müllberge im Garten von Murtez Ademaj (55) werden weggeräumt. Seit fünf Monaten entsorgt der IV-Rentner aus Protest gegen die Schweizer Behörden all seinen Kehricht auf dem privaten Grundstück. Zwei Meter breit und zehn Meter lang ist die Abfallhalde schon.
Den Auftrag für die Räumung hat Beat Brühlmann aus Istighofen TG bekommen. Doch kaum hat der 43-Jährige die Bestätigung auf dem Tisch, hat er schon einen Drohbrief des Müll-Kosovaren im Briefkasten. IV-Rentner Ademaj schreibt: «Herr Beat Brühlmann, ich warne Sie ganz fest. Hände weg von der Bürglenstrasse 15. Wenn Sie trotz dieses Briefes und ohne Bundesgerichtsbeschluss auf meinem Revier erscheinen, müssen Sie die Konsequenzen tragen. Ich hoffe doch, dass Sie sich keine neuen Feinde für Ihr Geschäft und Ihre Angestellten schaffen wollen.»
Brühlmann nimmt die Drohungen gefasst. «Wir werden mit Polizeischutz räumen. Ich glaube nicht, dass mir Herr Ademaj körperlich etwas tut. Und wenn, wäre es endlich ein Grund ihn auszuschaffen. Im Prinzip warten wir ja alle darauf, dass er endlich einen Fehler macht», sagt der Putzmann zu BLICK.
Aber Brühlmann ist nicht der Einzige, dem der 1990 als politischer Flüchtling in die Schweiz eingewanderte Kosovare droht. Als Ademaj 2003 seinen Job verlor, wurde er als psychisch krank eingestuft. So auch seine Frau und sein ältester Sohn. Seither erhält er für sich und die Familie eine IV-Rente von 6300 Franken monatlich.
Doch damit ist der IV-Rentner gar nicht zufrieden – er gibt die Schuld für seinen sozialen Abstieg den Schweizer Behörden. «Die haben mich ganz übel reingelegt. Sie sind an der Zerstörung meiner ganzen Familie schuld.»
Müll-Kosovare verschickte schon über 15 000 Briefe
Deswegen nutzt der Familienvater seine Zeit, um über 15 000 Beschwerde- und Drohbriefe an politische Institutionen zu schreiben. «Es macht mir sehr grosse Mühe, euch Lektionen zu erteilen», schreibt Ademaj im Brief vom 26. 8. 2010 an den Regierungsrat, das Bezirksamt Weinfelden, die Kapo Thurgau, das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement in Bern. «Die unfähigen und fremdenfeindlichen Behörden und Beamten der Schweiz sind gegen uns. Sie wollen mich und meine Familie wie Müll entsorgen. Und das nur, weil wir begabte und intellektuelle Ausländer sind, die verstehen, was für ein kriminelles Spiel sie spielen.»
Anfang Jahr ist Ademajs Einbürgerungsantrag für sich, Ehefrau Zize (50) und seine vier Kinder abgelehnt worden. Das bringt das Fass zum Überlaufen: Murtez Ademaj versteht nicht wieso. «Das Einzige, was ich mir zuschulden kommen liess, ist, dass ich als einziger Ausländer in der Schweiz gegen dieses Unrecht protestiere.»
Sein Protest ist die Mülldeponie im eigenen Garten. Zusammen mit einem Plakat, so dass es als politisches Mittel durchgeht und somit legal ist. «Das nennt man Protestrecht», erklärt Ademaj. «Das ist eine Warnung gegen die Kriminalität der Schweizer Behörden. Ich höre erst auf, meinen Garten zu vermüllen, wenn meine Forderungen erfüllt worden sind», droht er. «Wenn die Gemeinde nicht zur Vernunft kommt, kann das durchaus auch Rücktritte bedeuten!»