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Die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) ist ein machtvolles Gremium, direkt dem Bundesrat unterstellt. Sie kontrolliert und überwacht das Glücksspiel in der Schweiz. Allerdings enden ihre Anklagen schon mal im Fiasko. Erst kürzlich rügte der Badener Bezirksgerichtspräsident Peter Rüegg die Spielaufseher: Diese brächten es nicht fertig, «eine anständige Untersuchung zu führen». Was sie dem Gericht abgeliefert hätten, sei «unbrauchbar».
Ein Fiasko für die ESBK ist auch der Fall Martin Müller (53). ESBK-Präsident Benno Schneider (67) holte sich dabei sogar eine blutige Nase: Vor seinem Haus in St. Gallen wurde er vom Spielautomaten-Betreiber Müller niedergeschlagen, wie SonntagBlick enthüllt.
Hintergrund der wüsten Attacke: Die ESBK beschuldigte Müller, er habe in seinen zwei Spielsalons gegen das Gesetz verstossen. Schneiders Truppe machte im September 2000 Müllers Firmen dicht, 17 Angestellte verloren ihre Jobs. Seither ist ein erbitteter Rechtsstreit im Gang, der schon 58 Bundesordner füllt.
Zermürbt von jahrelangen Prozessen wollte Müller den ESBK-Präsidenten und Mitbesitzer einer Anwaltskanzlei Ende 2007 vor dessen Haus zur Rede stellen. «Als ich ihn kommen sah, stieg ich aus dem Auto. Ich wollte ihm sagen, dass er endlich aufhören soll, mich fertigzumachen.» Ein Wort gab das andere. Dann schlug Müller zu. «Ich verlor die Nerven und versetzte Schneider einen Faustschlag mitten ins Gesicht. Er blutete und flüchtete ins Haus.»
Laut dem Spielbankenpräsidenten war die Attacke schlimmer als von Müller geschildert: Dieser habe ihn nicht nur niedergeschlagen, sondern auch gedroht, mit Schusswaffen zu kommen, falls die Sache nicht bald erledigt sei.
Gekommen ist dann die Bundeskriminalpolizei. Müller feierte gerade mit seinem Sohn den 51. Geburtstag, als sechs Mann sein Haus durchsuchten – Waffen fanden sie aber keine. Weil sich Müller beim ESBK-Präsidenten nicht für die Schläge entschuldigen wollte, klagte ihn dieser ein.
Zudem stellte Schneider den Salon-Besitzer in einem Schreiben an den Bundesanwalt als gefährlichen Psychopathen dar, der Hilfe brauche. Für sich und seine Familie forderte der ehemalige Generalsekretär im Justizdepartement den Schutz des Bundes an.
Im psycholgischen Gutachten steht allerdings nichts davon, dass Müller gefährlich ist. Vielmehr sei er von der Idee besessen, dass Beamte aus Neid und mit Mafiamethoden seine Firmen dichtmachten. «Ich fühle mich manchmal wie Don Quijote», bestätigt dieser. «Nur dass ich nicht gegen Windmühlen, sondern gegen eine übermächtige Staatsmacht mit Schneider an der Spitze ankämpfe», sagt Martin Müller.
Im ursprünglichen Streit hat Müller offenbar gute Karten. Das zuständige Bezirksgericht Dielsdorf ZH sprach diesen letztes Jahr frei. Er habe nicht gegen das Spielbankengesetz verstossen. Die ESBK müsse ihm 330000 Franken Entschädigung zahlen.
Gegen dieses Urteil hat die ESBK kürzlich Rekurs beim Zürcher Obergericht eingereicht. Der Rechtspoker der Berner Beamten geht also in die nächste Runde.