ST. GALLEN - Eine Bäuerin verblutet im Spital Wil nach einer Totgeburt. Die Chefärztin wird wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Was ist genau geschehen? Die Justiz mauert.
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Spital Wil: Hierhin musste die Bäuerin, um ihre Totgeburt einleiten zu lassen. Nach der Totgeburt starb die siebenfache Mutter.
(Marcel Sauder)
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Erster Staatsanwalt von St. Gallen: Thomas Hansjakob.
(Blick.ch)Der Fall schockiert: Eine Bäuerin muss wegen eines Ärztefehlers im Spital Wil sterben, hinterlässt ihren Mann und sieben Kinder. Die verantwortliche Chefärztin Cécile L.* wird im Juni vom Kreisgericht Wil wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.
Gerne hätte BLICK Einblick in die Anklageschrift erhalten, um genau zu erfahren, was beim Einsatz der Chefärztin – eigentlich als kompetente Fachkraft bekannt – schief gelaufen war.
Doch die St. Galler Justiz hat eine Mauer des Schweigens hochgezogen. Zwar zeigt sich auf Anfrage von BLICK das Kreisgericht Will gerne bereit, die Anklageschrift zum Fall der verurteilen Ärztin herauszugeben. Allerdings brauche es dazu noch das Einverständnis beim ersten Staatsanwalt des Kantons St. Gallen. Normalerweise erhalten akkreditierte Journalisten die Anklageschrift.
Doch die Anfrage bei Dr. Thomas Hansjakob endet abrupt. Auf die Bitte, dem Kreisgericht das Ok zu übermitteln, sagt er schroff: «Sicher nöd!» Eine Begründung gibt Hansjakob nicht und hängt das Telefon auf.
Das passt in die Informationspolitik zum Todesdrama im Spital Wil. Die Behörden haben den aussergewöhnlichen Fall fast fünf Jahre unter dem Deckel gehalten. Erst gestern, wieder mehrere Wochen nach dem Gerichtsurteil, hat das Gesundheitsdepartement St. Gallen in einem dürren Communiqué informiert.
Das stösst auch Lesern sauer auf. Alexa Sommer aus Frauenfeld zum Beispiel schreibt: «Ja ja, die Behörden haben nur für kleine Fische den Mut, grosse werden verdeckt, verschont und belohnt.»
Die verurteilte Chefärztin Cécile L. darf weiter im Spital arbeiten. Man hat ihr einen Coach, Professor Urs Haller, zur Seite gestellt. «Es ist ein tragischer Einzelfall», so René Fiechter (50), Vorsitzender der Geschäftsleitung der Spitalregion. «Und auch der einzige Todesfall in der Geburtshilfe seit Bestehen der Klinik.»
* Name bekannt
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