IV-Rentner aus dem Kosovo schmeissen seit fünf Monaten ihren Abfall in den Garten Für dieses Ehepaar ist die Schweiz Müll!

  • Publiziert: 05.09.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Antonia Sell

BÜRGLEN (TG) - TG - Weil angeblich alle sie schlecht behandeln, verwandelt Familie Ademaj aus Bürglen ihren Garten in eine Abfallhalde.

Im Garten von Familie Ademaj in Bürglen TG frisst sich eine zwei Meter breite und zehn Meter lange Abfalllawine langsam über das gesamte Grundstück. Ein übler Gestank wabert durch die Luft.

Seit fünf Monaten wirft das Ehepaar Murtez (55) und Zize Ademaj (50) den ganzen Abfall einfach in den eigenen Garten. «Wir tun das hier aus Protest», sagt Murtez zu BLICK. «Aus Protest gegen den Schweizer Staat. Die Regierung hat unser Leben systematisch zerstört.» Und so stapeln sich die Müllsäcke immer höher.

Vor sieben Jahren verlor der Kosovare seinen Job als Vorarbeiter in einer Milchpulverfabrik. Von da an ging es mit der sechsköpfigen Familie bergab. Murtez Ademaj ist der festen Überzeugung, dass er einem üblen Komplott zum Opfer fiel. «Die wollten mich aus der Firma mobben, deswegen haben sie zwei Putzfrauen überredet, mich wegen sexueller Belästigung anzuzeigen», erklärt der bärtige Mann.

Seither bezieht er IV-Rente, seine Frau Zize seit 2004. «Wir sind beide psychisch krank und haben starke Depressionen.» Arbeit hat der Familienvater keine mehr gefunden.

Die Schuld dafür gibt Murtez den Schweizer Behörden. «Hier wird man als Ausländer wie ein Tier behandelt», flucht der 55-Jährige. «Meine zwei ältesten Kinder finden auch keine Lehrstelle.»

Vor drei Jahren stellt der vierfache Vater ein Einbürgerungsgesuch. Doch das ist bis heute hängig. «Die haben mein Gesuch blockiert. Und jetzt sollen wir auch noch aus der Wohnung raus», ärgert sich Murtez Ademaj. «Mir steht das Wasser bis zum Hals. Deswegen habe ich mich jetzt für den öffentlichen Protest entschieden. Ich werde so lange das Grundstück vollmüllen, bis mir jemand einen Entscheid gibt. Vorher höre ich nicht auf!»

Die Abfalldeponie im Garten ist der Gemeinde Bürglen ein Graus. «Aber wir können den Müll nicht abtransportieren, da er auf privatem Grund liegt», sagt Gemeindeammann Armin Eugster zu BLICK. Besonders in den Sommermonaten ist der Gestank, der von den Abfallsäcken ausgeht, eine Plage.

Nachbarin Jeremie Mahler (36) schaut von ihrem Balkon direkt auf den Gruselgarten. «Wenn der Wind in unsere Richtung bläst, zieht der ganze Gestank in die Wohnung», sagt sie zu BLICK. «Es ist eine Katastrophe. Meine Tochter muss auf ihrem Schulweg immer an den Abfallbergen vorbei. Ich kann nur hoffen, dass die Gemeinde bald etwas gegen diese unglaublichen Missstände unternimmt.»

play Gemeinde­ammann Armin Eugster. (ZVG)

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Schweiz

Was sollen die Behörden im Fall des Müll-Protestes tun?»

  • 89,5% Durchgreifen und die Leute ausweisen.
  • 6,7% Mit ihnen reden und ihnen entgegenkommen.
  • 3,8% Zuwarten, bis es ihnen selber zu stark stinkt.