Sieben Quäl-Rekruten stehen vor Gericht Folter, Filme, «Penis-Taufe»

SCHWYZ - In der Truppenunterkunft in Elm GL sollen im Juni 2014 sieben Rekruten zwei ihrer Kollegen gefesselt und misshandelt haben. Jetzt stehen die Beschuldigten vor dem Richter.

Der Bundesrat lenkt ein und will den Zahlungsrahmen für die Armee in den nächsten vier Jahren auf 5 Milliarden Franken pro Jahr aufstocken. (Archivbild) play
Rekruten misshandelten in Elm GL zwei Kameraden (Symbolbild). Keystone

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Alle gegen einen. Die beiden Angriffe, die Anfang Juli 2014 nachts in der Truppenunterkunft in Elm GL passiert sein sollen, waren hinterhältig und feige: Sieben Rekruten der Infanterie-RS 11 sollen zwei ihrer Kameraden gefesselt und misshandelt haben.

Seit Montag stehen die Beschuldigten in Schwyz wegen Angriff, Freiheitsberaubung und Nötigung vor der Militärjustiz, wie die Zeitung «Bote der Urschweiz» schreibt. Wegen der grossen Anzahl beteiligter Personen findet der Prozess im Schwyzer Kantonsratssaal statt.

Die mutmasslichen Quäl-Rekruten kommen aus den Kantonen Schaffhausen, Zürich und St. Gallen. Sie bestreiten die Vorwürfe mehrheitlich. Ihre mutmasslichen Opfer stammen aus den Kantonen Glarus und Tessin.

Täter filmten ihre Grausamkeiten

Der junge Mann aus dem Kanton Glarus erklärt, er sei von den Beschuldigten aus Rache attackiert worden, weil er einen anderen Rekruten vor der Bande in Schutz genommen habe.

Der Glarner schildert den Angriff vor dem Militärgericht: Er wurde mit Kabelbindern und reissfestem Klebeband ans Kajütenbett gefesselt. Dann stülpten ihm die Peiniger einen mit dem Wort «Ratte» beschrifteten Sack über den Kopf.

Sie traktierten den Rekruten mit Schlägen in den Bauch und filmten die Quälerei. Schliesslich vollzog einer der Rekruten eine sogenannte «Penis-Taufe» an dem wehrlosen Glarner. Das bedeutet, dass er seinen nackten Penis über den Kopf des Gefesselten hielt.

Erst, als der Glarner sich bewusstlos stellte, liess die Bande von ihm ab.

Gewaltsam geblendet

Im zweiten Fall kann sich das Opfer nicht erklären, weshalb es ins Visier seiner sadistischen Kameraden geriet. War es purer Spass an Grausamkeiten?

Der gefesselte Tessiner wehrte sich, als ihm die Angreifer einen Sack über den Kopf stülpen wollten. Also überlegten sich die Peiniger einen anderen Weg, damit ihr Opfer nicht sehen konnte, wer ihm was antat: Sie blendeten ihn mit dem Weisslicht eines Sturmgewehrs, wie es im Gericht heisst.

Als der Rekrut seine Augen schloss, öffneten sie ihm eines der Augenlider gewaltsam und blendeten ihn weiter. Dem Tessiner gelang es daraufhin, einen Arm frei zu bekommen und auf einen der Peiniger einzuschlagen. Schliesslich gelang es ihm auch, den anderen Arm aus der Schlinge zu ziehen und einen weiteren Angreifer am Hals zu packen. Die Täter gaben schliesslich auf.

Am nächsten Tag ging der Tessiner zu einem Arzt. Wegen der Blendung brannten ihn die Augen. Zudem hatte er starke Kopfschmerzen und konnte offenbar nur noch verschwommen sehen. Der Arzt diagnostizierte eine Bindehautreizung und erklärte den Rekruten zu 100 Prozent arbeitsunfähig.

Die sieben Verteidiger der Angeklagten stellten vor Gericht den Antrag, Beweismittel wie Videos nicht zuzulassen. Dies wurde abgelehnt. Der Prozess dauert noch die ganze Woche. (noo)

Publiziert am 30.11.2016 | Aktualisiert am 30.11.2016
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15 Kommentare
  • Karl  Napf 30.11.2016
    Heissen Sie das dann gut, Herr Locher? Auf welcher Seite waren denn Sie vor 30 jahren?
  • Susanne  Reich 30.11.2016
    Dies hat nichts mit dem Militär zu tun. Bei diesen Übeltätern handelt es sich einfach um Menschen, welche - aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer - Freude haben, andere zu quälen. Die Opfer müssen sich möglichst nicht wehren können, dann erhalten die Täter Auftrieb. Könnte Aggressionspotenzial oder Minderwertigkeitskomplexe sein.
  • Gustav  Broennimann , via Facebook 30.11.2016
    Früher hatten wir Kämpfer in der Armee die ein solches Problem selbst gelöst hätten. Habe die Gerichte nicht anderes zu tun als sich mit solchen Sachen zu beschäftigen. Man muss es ja nicht schönreden aber ein Gerichtsfall müsste es ja auch nicht sein.
    • Thomas  Meier 30.11.2016
      Genau; es ist nämlich gar nicht so schlimm, gällezi. Meinen Sie nicht auch, es wäre noch interessant die parteipolitische Orientierung der Angeklagten zu erfahren, oder ? Klar waren da ein paar SVP-Freunde wo versucht haben, die Sache untem die Teppich zum wishn, ayght ?
    • Sonja  Zwicker 01.12.2016
      @G.Broennimann, Sie bezeichnen solche feigen Typen, die in Gruppen über Einzelne herfallen, als Kämpfer? Was haben Sie nur für eine verwerfliche Einstellung? Prost Nägeli, wenn wir im Ernstfall auf derartige Primitivlinge angewiesen sind :-(
      Nein, einen Gerichtsfall bräuchte es nicht - Gleiches mit Gleichem vergelten wäre sinnvoller - und richtig kämpferisch!
  • Randy J.  Tomlinson , via Facebook 30.11.2016
    Was viele nicht wissen, ist dass sich die Gesetzeslage in der Schweiz betreffend heimliche Ton und Bildaufnahme geändert hat. Geschäftliche Gespräche dürfen nun heimlich aufgenommen werden und gelten vor Gericht als Beweismittel. Der Beobachter hat sogar einen Artikel darüber geschrieben. Die 7 Herren dürften als Probleme bekommen.
  • Marion  Niwiadomski 30.11.2016
    Das ist mehr als Kindergarten. Den Rekruten von heute fehlt die nötige Reife, das sind einfach nur "Schnuderbuebä"
    • Sven  Hauser aus Zürich
      30.11.2016
      Als wäre das früher anders gewesen. Ich würde sogar sagen, dass es vor ein paar Jahrzehnten um einiges heftiger zu und her gegangen ist...und zwar nicht bloß in der RS....