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Martin Joos in seinem Haus in Murg SG.- RDB
Heuchlerisch schreibt Martin Joos (68), der ehemalige Kirchenrat von Murg SG, auf seiner Homepage: «Wer Kinder missbraucht und sie dazu verführt, verdient es nicht, ein Mensch genannt zu werden.»
Dass Kinder für die Herstellung von Kinderpornos missbraucht werden, scheint der pädophile Kirchenmann verdrängt zu haben.
Genau deshalb steht Joos heute Nachmittag vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland in Mels SG. Ihm wird der Besitz von rund 1500 kinderpornografischen Fotos vorgeworfen. Viele Bilder waren auf Datenträger gespeichert. Das verbotene Material hatte der Ex-Kirchenrat teils unter seinem Bett gelagert. Sogar sein Hänge-Register mit der Aufschrift «Kirche» musste als Porno-Depot herhalten.
Nachdem BLICK im August 2008 den scheinheiligen Kirchenmann enttarnt hatte, durchsuchte die Polizei sein Haus in Murg.
Er rechtfertigt sich im Netz
Auf seiner Homepage wehrt sich Joos. «Ich habe nie selber solches Material gekauft, ausser vor etwa vierzig Jahren nach einer feuchtfröhlichen Nacht (ohne Sex!) in einem Travestie-Club in Hamburg. Da hatte ich mir einen sehr teuren Super8-Film aufschwatzen lassen, auf dem sich Jünglinge lieben und ihre Potenz zur Schau stellen.»
Er habe das meiste Material geschenkt erhalten. «Damals war dies ja auch noch nicht verboten, aber eigentlich suchte ich – wenn überhaupt – aus diesen Abbildungen nur schöne Bildchen!», schreibt Joos.
Weshalb hat er denn das Übrige nicht fortgeworfen?
Auch dafür hat Joos auf seiner Webseite eine Erklärung. «Ich wurde schon so erzogen: ‹Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.› Ich schaute also auch ab und zu mal eine Serie Bilder von netten nackten Knaben an und überging Bilder, die mir missfielen.» Und: «Ich protestiere gegen die unhaltbare Vermutungs-Zuweisung, dass ich mich an jenen Bildern aufgeile.»
Staatsanwalt Thomas Weltert beantragt für den ehemaligen Kirchenmann eine Freiheitsstrafe von acht Monaten bedingt auf zwei Jahre. Joos soll zudem 1000 Franken Busse zahlen und die Untersuchungskosten von 1800 Franken übernehmen.
Der bekennende Pädophile fühlt sich schon jetzt als Justizopfer. «Man sucht eben irgendetwas, für das man einen ‹Pädophilen› bestrafen kann», jammert er auf seiner Homepage. «So will es unsere Gesellschaft.»