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Die Schande von St. Gallen: Kokain im Schoppen, Baby Samantha tot, Freispruch für die Mutter

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O. (25), die Mutter von Samantha. play O. (25), die Mutter von Samantha.

Baby Samantha stirbt in St. Gallen durch Kokain im Schoppen. Das Gericht spricht die Mutter frei, obwohl sie «mit grosser Wahrscheinlichkeit» schuld ist.

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Die kleine Samantha starb einen grausamen Tod. Das Baby erstickte. Drogen hatten die Atmung des Mädchens gelähmt. Heroin und Kokain – beides wurde Samantha mit dem Schoppen gefüttert.

Am 9. Mai 2009 gegen neun Uhr morgens hört Samanthas Herz auf zu schlagen. Sie war sieben Monate alt. Eine schlichte Grabplatte auf dem Friedhof Feldi in St. Gallen mahnt an eine Geschichte, die gestern vor dem Kreisgericht ihren tragischen Tiefpunkt erreichte.

Vor dem Richter stand O.* (25), die Mutter von Samantha. Die Büroangestellte, so glaubte die Staatsanwaltschaft St. Gallen, soll für den Tod ihres Babys verantwortlich sein.

Wie, das konnten die Ermittler allerdings nur bruchstückhaft erklären. So legte die Anklageschrift gleich drei Tatvarianten vor. Von Mord bis fahrlässiger Tötung – alles schien den Anklägern möglich.

Die Mutter des toten Babys hingegen sagte: «Ich habe das nicht gemacht. Meiner Tochter nichts verabreicht. Niemand tötet seine eigene Tochter. Sie ist doch meine kleine Samantha, mein eigenes Fleisch und Blut.»

Was war im Mai 2009 passiert? Die Anklage hält fest: O. hatte über die Internetplattform Facebook einen Mann kennengelernt. Da war O. schon schwanger. Der neue Liebhaber ist unzuverlässig, nimmt Heroin, Kokain und ist arbeitslos. Auch O. fängt an, Drogen zu konsumieren.

O., beschreiben die Ermittler, sei stark auf ihren Freund fixiert. «Besessen» nennen sie es. Immer mehr habe sie Baby Samantha als Hindernis für die Beziehung gesehen und die Kleine sogar weggeben wollen.

Für die Tatnacht hat die Staatsanwaltschaft drei mögliche Abläufe ermittelt. Mord: O. habe Samantha gegen 20 Uhr absichtlich Heroin und Kokain in den Schoppen gemischt. Das Baby dann schlafen gelegt. Die Nacht habe O. mit ihrem Freund verbracht. Am nächsten Morgen habe die Mutter das Baby laut schnarchen hören. Sie habe sich nicht um es gekümmert, weiter Hausarbeiten gemacht.

Vorsätzliche Tötung: O. will ihre Tochter nicht töten, sondern nur ruhig stellen. Fahrlässige Tötung: O. rutscht aus Versehen eine grosse Menge Heroin-Kokain-Gemisch ins Fläschchen. Beweisen können die Ankläger nichts davon.

Der Verteidiger von O. plädiert denn auch auf Freispruch. «Der Staatsanwalt hat überhaupt keine Beweise. Es könnte auch ein Unfall oder jemand anders gewesen sein. Zum Beispiel hatte der Freund auch ein Motiv. Der brauchte Geld für Drogen, aber dieses ging für Samantha weg», so Andreas Fäh.

Ausserdem hält die Verteidigung vor, am Schoppen seien keine Drogenspuren gesichert worden. Um 16.30 Uhr folgt das Urteil. Das Gericht zerpflückt die löchrige Anklage. Freispruch für O. «Mit grösster Wahrscheinlichkeit wurden die Drogen durch eine Handlung der Mutter aufgenommen. Aber die mangelnde Beweislage lässt nur einen Freispruch zu.»

O. verlässt das Gericht als freie Frau. Wer Baby Samantha auf dem Gewissen hat, bleibt unbeantwortet. Die Schande von St. Gallen.

* Name bekannt

Beliebteste Kommentare

  • Vanessa  Meier
    Die Mutter hat es tolleriert, dass harte Drogen in einem Baby-Haushalt gelagert werden neben Baby-Nahrung. Dafür gibt es keine Strafe? Ich hätte die Mutter zu mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, da wegen ihr das Baby gestorben ist, ob es nun ein Mord, Unfall oder ihr Freund war spielt keine Rolle, SIE war verantwortlich, dass das Baby nicht in so einem gefährlichem Umfeld aufwachsen muss. Punkt.
  • Roger  Berger
    Es kommen ja nur zwei Menschen in Frage, die am Tod des Babys Schuld sein können. Und das Gericht spricht beide frei? Das könnte leicht Nachahmer finden, wenn jemand nicht alleine Drogen konsumiert, und ein Baby aus der Welt schaffen will. Schlicht scheusslich und unbegreiflich.

Alle Kommentare (45)

  • Hans Peter  Gerber
    Ich bin von der st.galler justiz entäuscht. Eine schande, ein fall von ost schweizer inkompetenz, wir sollten die justiz zentralisiren und von bern aus handhaben. Es ist traurig zusehen wie die st.galler justiz das gesetz interpretiert.
    • 06.11.2012
    • 16
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  • Carmen  Büchi-Lips , Zürich , via Facebook
    Einfach Unfaßbar, diese Mutter und Ihr Freund gehören hinter Gitter. jaja ausversehen in den Schoppen gefallen, hat die etwa das Kokain mit dem Babypulver verwechselt?. wie dem auch sei, R.I.P kleines Baby, du hast was beßeres verdient.
    • 06.11.2012
    • 34
    • 3
  • Gaby  Sessions
    Unglaublich, dass eine Mutter ihr Baby toeten kann, und die Schweizerjustiz sie freispricht. Es spielt keine Rolle, wie und wann und warum die Drogen in die Nahrung kamen. Wer represaentiert das Kind? Wo ist sein Recht? Wenn man eine kriminelle Tat machen will, macht man das am besten in der Schweiz, denn Handlungen haben keine Folgen oder Konsequenzen. Man kann Kinder anfahren, Babies toeten, und das Gericht schaut weg.
    • 06.11.2012
    • 35
    • 4
  • Thomas  Honegger
    Ich frage mich nicht, was mit unserer Justiz nicht stimmt, sondern was mit der Mehrheit von den Kommentar-Verfassern los ist.
    Seid doch endlich mal froh, dass wir unseren Rechtsstaat so fortschrittlich und korrekt entwickeln konnten. Nebst dem Verurteilen von Straftätern wird auch verhindert, dass Unschuldige im Gefängnis landen. Dabei entscheiden Fakten, nicht Emotionen.
    Das erste Gefühl beim Lesen einer solchen Geschichte ist selten objektiv. Lesen, denken, nochmals denken und erst dann urteilen. Das würde hier wohl einigen weiterhelfen.
    • Peter  Vögeli , Olten , via Facebook
      Genau so sehe ich das auch. Wir sind hier nicht im wilden Westen.
      • 06.11.2012
      • als Kommentar auf Thomas  Honegger
      • 12
      • 7
    • Benedict  von Jacobi , Basel
      Bei allem Respekt Herr Honegger, ich weiss nicht, ob Sie einfach aus Trotz oder reiner Provokation solch einen Stuss reden, auf jeden Fall stehen Sie hier im Forum alleine da.
      • 06.11.2012
      • als Kommentar auf Thomas  Honegger
      • 21
      • 6
  • Emmanuel  Mindanao
    wo leben wir hier eigentlich? Wäre sowas dem Vater passiert würde er sitzen. Er bräuchte nicht mal Drogensüchtig zu sein und hätte wohl gar nie das Sorgerecht erhalten. Aber eine Drogensüchtige Mutter, die bekommt das natürlich. Schrecklich.
    • 06.11.2012
    • 39
    • 3
    • Peter  Nüesch , Balgach
      interessanter Gesichtspunkt. Der offensichtlich zumindest unfähigen Mutter das Baby wegzunehmen. Mitschuld der Behörden? Aber da wird dann auch wieder geschrien, von wegen herzlosen Behörden etc., die sich gefälligst aus Privatkram rauszuhalten hätten.
      • 06.11.2012
      • als Kommentar auf Emmanuel  Mindanao
      • 5
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