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Carlo I. hetzt seit 2001 übers Funknetz.
(Marcel Sauder)BISCHOFSZELL - Carlo I. (40) betete das «Hitler unser». Jetzt hat ihn der Israelitische Gemeindebund angezeigt.
Langsam, aber bestimmt tönt die Stimme aus dem Funkempfänger. In Ostschweizer Dialekt verkündet sie judenfeindliche Hassreden, die an schlechtem Geschmack kaum zu überbieten sind. Dann folgt ein Gebet an Adolf Hitler – «Hitler unser», predigt die Stimme. Sie gehört dem arbeitslosen Thurgauer Carlo I.* (40).
Seit mehr als einem Jahrzehnt verkündet er die rechtsradikalen Botschaften im Schweizer Funknetz. Die Hörer dieser Frequenz nervt das: «Es ist schrecklich, solche Parolen hören zu müssen. Ich schäme mich, wenn andere das mitbekommen», sagt Amateurfunker Bruno Hess (58).
2001 hört er zum ersten Mal eine Durchsage vom «schlauen Fuchs», wie sich Carlo I. selbst nennt.
Hess ist angewidert von so viel Rassismus. Er beschliesst, den Schwarzfunker zu jagen. Der Beginn einer jahrelangen Suche. Denn I. wechselt laufend den Standort. Und er sendet nur kurze Botschaften, damit ihn niemand orten kann.
2005 schaltet Hess das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) ein. Ein Mitarbeiter und Hess suchen jahrelang nach dem Antisemiten. Bis ihnen 2010 ein Glückstreffer gelingt: «Ich war im Auto unterwegs, als ich den Fuchs plötzlich besonders deutlich hören konnte», sagt Hess. Das Bakom kann ihn orten: Carlo I. funkt von zu Hause, einem kleinen Dorf nahe dem Bodensee.
Mehrmals durchsuchen Bakom und Polizei die Wohnung des Fuchses, sein Funkgerät wird eingezogen.
«Das hat nichts genützt, er kaufte sich einfach ein neues Gerät und machte weiter mit seinen antisemitischen Sprüchen», so Hess.
Er und andere Amateurfunker sind enttäuscht, dass Carlo I. immer noch ungehindert seine Botschaften sendet. «Er funkt über die Relaisstation am Säntis. So sind sie im Umkreis von bis zu 500 Kilometern zu hören, also auch im Ausland.»
Auch dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) stossen die Hetzreden sauer auf. «Ich habe einige Botschaften gehört, sie verstossen klar gegen die Rassismus-Strafnorm», so Patrick Studer, Antisemitismus-Experte des SIG. «Deshalb haben wir im September 2011 Anzeige eingereicht.» Die Staatsanwaltschaft in Bischofszell TG bestätigt dies, die Untersuchungen seien noch immer im Gange.
Den Nazi-Funker stört das nicht, erst am 17. März verbreitete er wieder Hasstiraden. Als BLICK Carlo I. zu Hause stellt, zeigt er sich uneinsichtig: «Ich bin eben ein Patriot. Die Behörden wollen mich fertigmachen.»
* Name der Redaktion bekannt
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