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Zerstörte Festbänke, überall Bierflaschen – als hätte ein Tornado im Festzelt gewütet. Diese Bilder entstanden am Sonntagmorgen des Eidg. Schwing- und Älplerfests in Frauenfeld. Gefeiert hat sie, die Masse, die am Samstagabend zu Tausenden zur Arena strömte. Und wie! Vornehmlich jüngeres Publikum, keine echten Schwing-Freunde, nur die Gelegenheit ausnützend.
Das ist Werner J. Ochsner (68) ein Dorn im Auge. Er ist Herausgeber von www.schwingerjournal.ch. Ihm wurden die Bilder des «Schlachtfeldes» von einem Schwing-Fan zugesendet. «Blitzartig» seien die Menschen am Samstagabend auf den Bänken gestanden. Die etwas älteren Schwingerfreunde seien in Scharen aus dem Zelt geflüchtet.
«Das ist mein 15. Schwingfest und so etwas habe ich noch nie erlebt», sagt Ochsner zu Blick.ch. Er spricht sich nicht gegen das Feiern aus, keineswegs – doch eine «Oktoberfest-Stimmung» sei nun mal auf einem Schwingfest nicht erwünscht.
Auch der Schwingfan, der die Bilder geschossen hat, ist enttäuscht. Gegenüber Blick.ch sagt er: «Dass ein Turnfest so ausarten kann, ist bekannt – aber nicht ein Schwingfest.» Daran habe er als langjähriger Schwingfest-Besucher gar keine Freude. Er gibt zu bedenken: «Wie wird das in drei Jahren beim Eidgenössischen in Burgdorf aussehen?»
Dass die Ballermann-Stimmung die Tradition zerstört, weiss auch Obmann Ernst Schläpfer vom Eidgenössischen Schwingverband. «Wir haben bereits mit Burgdorf eine Sitzung vereinbart, um die Infrastruktur rund um die Arena zu besprechen», sagt Schläpfer zu Blick.ch.
Er wisse von einem bestimmten Festzelt in Frauenfeld, in dem die Situation eskalierte und es zu Raufereien kam. «Ja, vielleicht ist das ganze Umfeld zu gross», räumt er ein. So sei die Arena bei den letzten drei Festen jeweils gleich gross geblieben – das Angebot jedoch rundherum stetig gewachsen. «Für Burgdorf müssen wir uns eine Lösung ausdenken», so Schläpfer. Praktisch jeder Sponsor habe in Frauenfeld ein eigenes Zelt gehabt, gar ein VIP-Zelt sei noch aufgebaut worden. Das alles müsse geprüft werden.
Für Werner J. Ochsner ists «der Kommerz», der das Fest schädigt. «Alles sollte wieder ein bisschen ruhiger werden.» Doch nicht alle Schwingerfreunde sprechen sich gegen die Einbettung der Schwingerszene im Volk aus. Hans Hess schreibt in einem Kommentar auf schwingerjournal.ch: «Ob es ein verfrühtes Oktoberfest oder eine grosse Chilbi gewesen ist, bleibe dahingestellt. Mir hat es gefallen!».
Was meinen Sie? Verkommt der Event zu einer Art Oktoberfest oder reagiert man in der Szene zu empfindlich aufs feiernde Volk? Schreiben Sie uns!
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Obmann Ernst Schläpfer wird das Problem «Oktoberfest» im OK ansprechen. (Paolo Foschini)