Peter «Safari» Shehe (57) Abwart aus Arbon will in Kenia regieren

Peter «Safari» Shehe (57) ist überzeugt: «Mein Land braucht mehr Schweiz!» Und darum will er jetzt in Kenias Parlament.

  • Publiziert: 30.09.2012, Aktualisiert: 01.10.2012
  • Von Daniel Riedel
play Peter Shehe mit seiner Partnerin.

Wie ein Wirbelwind fegt Abwart Peter «Safari» Shehe (57) durchs Treppenhaus in Arbon TG. Jetzt will er auch in seiner Heimat ­Kenia (38,6 Millionen Einwohner) aufräumen.

Sein Ziel: Bezirks-Regierungschef der Region Ganze (dreimal so gross wie der Thurgau) zu werden. 2013 kandidiert er deshalb als Regierungsrat im Na­tionalparlament.

Für sein afrikanisches Mutterland hat er viele Ideen: «Die ­Kenianer müssen die Schweizer Tugenden lernen!»

In die Schweiz reiste Shehe vor mehr als 22 Jahren – wegen der Liebe. Das Reisen bekam er in die Wiege gelegt: Weil Mutter und Vater aus verschiedenen Gegenden Kenias stammen, nannten sie ihren Sohn Peter Safari («Reise»).

In der Schweiz erarbeitete er sich einen bescheidenen Wohlstand. «Als Gastarbeiter kam ich nur mit Disziplin, Sauberkeit und Genauigkeit über die Runden.» Alles Tugenden, die Shehe in Kenia vermisst: «Wenn es da mal regnet, ist der Tag gelaufen. Pünktlichkeit ein Fremdwort.»

Damit sich das ändert, geht Shehe als Vorsitzender seiner Partei Federal Party of Kenya (FPK) ins Rennen. Helfen soll ein eigenes Manifest mit Inhalt «made in Switzerland»: Anbautechniken einheimischer Bauern, Jobaustausch mit Schweizer Firmen, dazu das eidgenössische Bildungssystem. Highlight seiner Kandidatur: ein für ihn komponierter Wahlsong, mit dem er auf Veranstaltungen die Einheimischen begeistert.

Was wäre seine erste Amtshandlung? «Die Einführung der Stechuhr. Die Leute müssen lernen, dass man nur mit harter Arbeit zu Geld kommt. In Kenia glauben noch alle, dass das Geld vom Himmel fällt.»

Mit seinen Thesen kommt der Wahlschweizer bei seinen Landsleuten überraschend gut an. «Dort bin ich bekannt wie ein bunter Hund. Man schätzt meine Bildung, die ich hier gewonnen habe.»

Ab Dezember hat sich der Thurgauer Hauswart unbezahlte Ferien genommen. Dann geht es mit einem kleinen Wahlkampfteam kreuz und quer durch die afrikanische Steppe. «Mein Chef in der Schweiz unterstützt meine Kandidatur», sagt Peter Shehe.

Aber: Bei einer Wahl zum ­Bezirks-Regierungschef will Shehe nicht ganz nach Kenia ziehen, sondern lieber pendeln. «Die Schweiz liegt mir dann doch viel zu sehr am Herzen.»

Beliebteste Kommentare

  • Urs  Leidi , Zürich
    Ich bin begeistert! Solche Immigranten brauchen wir, welche hier lernen und ihr erworbenes Know-How im eigenen Land weitertragen!
    Das ist Entwicklungshilfe vor Ort und Safaris Vorhaben sollte subventioniert werden. Die Schweizer Entwicklungshilfe wäre so viel wirkungsvoller investiert als Milliardenzahlungen nach dem Giesskannenprinzip.
  • Patrick  Von Euw , Bern
    Ein wunderbarer Mann. Machen Sie weiter so....grossartig!

Alle Kommentare (13)

  • Steven  Derendinger , via Facebook
    Hut ab von Herrn Peter «Safari» Shehe! Super toller Mensch!
    • 02.10.2012
    • 32
    • 2
  • Thomas  Siegler
    Ich finde, er ist ein toller Kerl. Er schafft es sicher. Dazu wünschen wir ihm alles alles Gute und viel Erfolg.
    • 02.10.2012
    • 31
    • 2
  • Jsa  Sigron , via Facebook
    Peter «Safari» Shehe, ich beglückwünsche Sie, einen solchen Mut den Sie mit Ihrer Wahl und Ideologie an den Tag legen, ist wünschenswert. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Wahlkampf und drücke Ihnen die Daumen, dass es Ihnen gelingt.
    Unsere Politik sollte Sie unterstützen mit allem was möglich ist!
    • 02.10.2012
    • 32
    • 3
  • Bruno  Brunschwiler , Niederuzwil
    Seine Ideen finde ich gut. Er hat den "Puck" gefunden. Arbeiten, pünktlich sein, lernen, alles Punkte die in Kenia noch nicht allzu bekannt sind . BRAVO!
    • 01.10.2012
    • 33
    • 6
  • Silvio  Hertli , Thayngen , via Facebook
    Schön, nebst all em negativen auch mal so eine Geschichte zu lesen.
    "Migrant" ist kein Fluchwort, es ist eine Chance.
    Schön, dass zumindest einer diese Chance nicht "ausnutzt", sondern "benutzt". Ich hoffe, es fruchtet!
    • 01.10.2012
    • 69
    • 7
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