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Hashim Thaçi ist seit Januar Regierungschef. Der UCK-Führer lebte von 1993 bis 1999 in der Schweiz. (Foto: Keystone)
Erst drei Monate ist es her, dass Carla Del Ponte (61) ihr Amt als Chefanklägerin niederlegte. Und schon ist ein selbstverfasster Rückblick auf ihre Zeit als Jägerin der Kriegsverbrecher auf dem Markt. Ein Buch, das für Aufregung sorgt.
In «La caccia» (Die Jagd) bringt sie Hashim Thaçi (39), den Regierungschef der Republik Kosovo, mit einem fürchterlichen Verbrechen in Verbindung. Thaçi, der den Kosovo eben erst in die Unabhängigkeit geführt hat, soll an Mord und Organhandel beteiligt gewesen sein.
Es liest sich wie ein Horror-Roman, was Del Ponte über die Entführung von 300 Serben 1999 schreibt: Im albanischen Ort Burrel seien die Menschen von der Kosovo-Befreiungsarmee UCK ermordet und ausgeweidet worden. Ihre Organe habe man nach Westeuropa verkauft.
Das Haager Kriegsverbrechertribunal erhielt zahlreiche Hinweise auf das Massaker. In den Dokumenten und Berichten verschiedener Quellen steht: «Vorgesetzte der UCK haben von dem Organhandel gewusst und waren sogar daran beteiligt.» Namentlich genannt wird der damalige politische UCK-Führer und heutige Premier Thaçi. Zur Anklage kam es nie. Die Beweise hätten nicht ausgereicht, schreibt Del Ponte.
Dennoch geht die ehemalige Chefanklägerin jetzt damit an die Öffentlichkeit. Zum Ärger der kosovarischen Regierung. Bakim Collaku, Thaçis Berater, zu SonntagsBlick: «Solche Anschuldigungen sind unhaltbar. Es handelt sich um persönliche Meinungen und Behauptungen, die nie bewiesen werden konnten.»
Del Ponte war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten sagt dazu: «Wenn der Vorwurf des Organhandels weiterhin im Raum steht, dann sollten die kosovarischen Behörden unterstützt von der EU in der Angelegenheit ermitteln.» Del Ponte stellt ihr Buch morgen in Mailand (I) vor.
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Del Pontes Abrechnung: 400 Seiten dick ist das Buch über Kriegsgräuel.