ZÜRICH - Beim ersten Versuch musste der dicke Extremschwimmer die Übung abbrechen – das Wasser war zu kalt. Doch beim zweiten Anlauf will Bruno Dobelmann die Längsquerung des Bodensees meistern.
Bruno Dobelmann (53) wiegt 110 Kilo. Der Extremschwimmer nennt sich deshalb selbst Orca. In Anlehnung an den Killerwal. Sein Ziel: Als erster Mensch den Bodensee zu durchschwimmen. Auf dem längsten Weg, ohne Pause und Neoprenanzug.
Ein erster Versuch im Mai ging in die Hose – mit 13 Grad war das Wasser zu kalt. Heute liess sich Orca für einen zweiten Anlauf von Wissenschaftlern der ETH und der Uni Zürich auf Herz und Nieren prüfen.
Schlecht trainiert für einen Sportler
Das Resultat: Dobelmann sei für einen Sportler schlecht trainiert, sagt Sportphysiologe Marco Toigo. Was Orca bei der Seedurchquerung allerdings hilfreich sein könnte, ist seine Körperzusammensetzung. «Bruno besteht zu etwa 50 Prozent aus Fett.» Das sei möglicherweise nützlich, wenn er so lange im kühlen Wasser bleiben wolle.
Der Extremschwimmer selbst ist zuversichtlich. «Dieses Mal dürfte es nicht mehr passieren, dass ich absaufe», sagt Dobelmann. Die Wassertemperaturen seien jetzt deutlich höher. «Normalerweise» dürfte also nichts schiefgehen.
ETH und Uni Zürich unterstützen den Deutschen aus Stuttgart-Untertürkheim auch finanziell. Ein Sponsor aus der Privatwirtschaft, die Firma PoSyTec aus Worb BE, beteiligt sich ebenfalls am Projekt.
64 Kilometer in 30 Stunden
Nächste Woche soll es dann soweit sein und Orca steigt bei Bodman (D) wieder in den Bodensee. Erst nach etwa 30 Stunden will er am anderen Ende – 64 Kilometer weit entfernt bei Bregenz (A) – wieder aus dem Wasser steigen.
Die begleitenden Forscherteams erhoffen sich von den Untersuchungen im Zusammenhang mit Dobelmanns Bodensee-Längsquerung Erkenntnisse über die Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers in Extremsituationen.
Gibt es genetische Gründe, die es ermöglichen, eine solche Belastung zu überstehen? Wie wirken sich die Strapazen auf den Energiestoffwechsel und die Muskeln aus? Wiewiel wird Orca dabei abnehmen?
Beat Knechtle, der Dobelmann ebenfalls wissenschaftlich begleitet, ist begeistert: «Da bis dato niemand so etwas gemacht hat, also weder einer das geschwommen noch einer das wissenschaftlich untersucht hat, werden alle Register gezogen.» (noo)
Alle Kommentare (4)