6 Tote bei Flugzeug-Crash Opfer scherzten noch: «Vergiss den Fallschirm nicht»

TATROZ - FR - 6 Menschen sterben, weil sie Partygäste von Beat R. († 60) grüssen wollten.

  • Publiziert: 29.04.2012, Aktualisiert: 30.04.2012
  • Von Beat Michel, Adrian Schulthess

Die Piper Saratoga SP kreist tief über Tatroz in der Gemeinde Attalens FR. Dreht eine Schlaufe über dem Haus von Nicole (†36) und Laurent E.* (†40). Dort auf der Terrasse sitzen die Gäste, welche am Samstag den 60.Geburtstag von Nicoles Vater Beat R.* feiern wollen. Der Banker aus einem Vorort von Lausanne sitzt an Bord der Maschine. Der Flug ist ein Geburtstagsgeschenk.

Doch die Gesellschaft am Boden wird Zeugin des schlimmsten Flugunfalls der letzten Jahre in der Schweiz.

Bei der zweiten Schlaufe schlingert die Piper plötzlich. «Es hatte viel Wind. Das Flugzeug drehte ruckartig nach links, dann ging die Nase runter», sagt Augenzeuge Vittorio Ranini (59). «Die Maschine drehte wieder nach rechts. Dann knallte es schon.»

Kurz vor 15 Uhr zerschellt die Piper auf einer Weide. Nur ein paar Hundert Meter von der Geburtstagsfeier entfernt.

«Er hatte doch immer Angst vor dem Fliegen»

Das sechsplätzige Propellerflugzeug, Baujahr 1981, ist voll besetzt: Pilot Pascal V.* (†42) aus Le Mont-Pèlerin VD, Beat R., das Ehepaar Nicole und Laurent E., Beat R.s Sohn Michel (†29) und dessen Freundin ­Solange A.* (†35). Alle sechs Insassen sind sofort tot.

Eine halbe Stunde war die Maschine in der Luft, bevor sie crashte. Sie startete in Lausanne-Blécherette, Ziel war Ecuvillens FR. Die Schlaufe über ­Tatroz gehörte wohl zum Plan, Piloten sprechen abschätzig von «Verwandtenflügen». Sie verleiten zu riskanten Manövern.

Noch zwei Tage vor dem Unglück scherzten Nicole E. und Solange A. im Internet. «Vergiss deinen Fallschirm nicht», schreibt die dreifache Mutter Nicole E. auf Facebook. «Ich habe eine Mordsangst!» Solange A. antwortet: «Ach, wir nehmen vor dem Start einfach ein Gläschen Champagner. Vergiss den Fotoapparat nicht!»

Bekannte von Beat R. wundern sich über den Flug zu seinem 60. Geburststag. «Er hatte doch immer Angst vor dem Fliegen», sagt eine Nachbarin.

Die drei Kinder von Nicole und Laurent E. müssen jetzt ohne ihre Eltern weiterleben. Zurzeit kümmert sich ihr Grosi um sie. 

*Namen der Redaktion bekannt

Alle Kommentare (5)

  • Emil  Keller , via Facebook
    Das Thema "Verwandtenflüge" wurde uns schon in den ersten Theoriestunden erläutert. Wenn man mit 5 Pax an Bord unterwegs ist, sollte man sich seiner Verantwortung bewusst sein und nicht physikalische Gesetze neu erfinden wollen. Den Hinterbliebenen mein herzliches Beileid.
    • 30.04.2012
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  • Heinz  Muenger
    Sehr tragisch, mein herzliches Beileid an alle Hinterbliebenen, die verwaisten Kinder tun mir besonders leid. Möge Gott ihnen allen beistehen, Kraft und Trost spenden, Gott segne sie.
    • 30.04.2012
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  • Rolf  Wyss , Rothrist
    Die sogenannte "verwandten kurve" ... Der pilot hat kaum eine chance den strömungsabriss zu kontrollieren.
    Den betroffenen meun herzlichstes beileid.
    • 30.04.2012
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  • Larry  Kaufmann
    Bin Privatpilot. Vollbesetztes Flugzeug, starker Wind, Langsamflug mit engen Kurven: Klassisches Rezept für Stall/Spin Abschmieren, d.h. Verlust des Auftriebs eines Flügels währed das andere noch Auftrieb hat. In der Höhe wo man solche Situationen auch übt kann man das mit Höhenverlust abfangen, in Bodennähe nicht. Pilot hat die Gefahr offenbar unterschätzt. Beileid an die Familien der Opfer.
    • 30.04.2012
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    • Michel  GASSER
      Ganz richtig beurteilt, ich bin genau derselben Meinung. Mein tiefstes Beileid and die Familie.
      • 30.04.2012
      • als Kommentar auf Larry  Kaufmann
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