Drei Mal Nein zu den nationalen Vorlagen Ohrfeige für die SVP

  • Publiziert: 01.06.2008, Aktualisiert: 14.01.2012

BERN – Die Schweizer Stimmbürger sagen zu allen drei nationalen Vorlagen Nein. Vor allem im Fall der Einbürgerungs-Initiative sorgt dieses Resultat für lange Gesichter bei der SVP.

Die Schweiz will keine Einbürgerungen an der Urne, keinen «Maulkorb» für die Behörden und keinen neuen Gesundheitsartikel. Bei den eidgenössischen Abstimungen haben die 4,9 Millionen Stimmberechtigten ein klares dreifaches Nein eingelegt.Grosse Verliererin ist die SVP, die drei Mal die Ja-Parole ausgegeben hat. Vor allem in den Westschweizer Kantonen lehnten die Stimmbürger alle Vorlagen klar und deutlich ab. Damit hat die Partei ihren ersten grossen Test in der Opposition nicht bestanden.Nein zur EinbürgerungsinitiativeEinbürgerungen an der Urne bleiben also ausgeschlossen, ablehnende Entscheide sind zu begründen und können angefochten werden. Das hat der Souverän mit seinem klaren Nein zur Volksinitiative der SVP «für demokratische Einbürgerungen» bestätigt. Ja sagte nur der Kanton Schwyz.Das Volk lehnte die Initiative mit rund 1415200 Nein (63,8 Prozent) gegen 804700 Ja (36,3 Prozent) deutlich ab. Auch das Ständemehr war kein Thema: Nur gerade Schwyz stimmte zu, mit 59,9 Prozent allerdings recht klar.Nein zum neuen GesundheitsartikelDie Schweiz erhält auch keinen neuen Gesundheitsartikel. Volk und Stände haben den Verfassungsartikel «für Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Krankenversicherung» klar abgelehnt.Gegen die von der Linken und am Ende auch von der CVP bekämpfte Parlamentsvorlage stimmten rund 1505 700 oder 69,5 Prozent, dafür nur 661300 oder 30,5 Prozent. Kein einziger der 26 Stände konnte sich für den Verfassungsartikel erwärmen, dem auch die Kantonsregierungen geschlossen opponierten.Nein zur Maulkorb-InitiativeAm wuchtigsten wurde die so genannte «Maulkorb-Initiative» abgelehnt: Der Bundesrat soll die Stimmberechtigten vor eidgenössischen Abstimmungen weiterhin umfassend informieren können.Die vom überwiegend rechts orientierten Verein «Bürger für Bürger» lancierte und von der SVP unterstützte Volksinitiative «Volkssouveränität statt Behördenpropaganda» scheiterte mit rund 1634300 Nein (75,2 Prozent) gegen 538900 Ja (24,8 Prozent). Alle 26 Stände winkten ab.Opposition startet mit MisserfolgPolit-Experte Claude Longchamp sprach gegenüber Radio DRS von einer «massiven Polarisierung» in der politischen Landschaft, die zu diesen klaren Resultat geführt habe.Die SVP hat damit die laut eigenen Aussagen mit der Einbürgerungs-Initiative die «wichtigste Abstimmung des Jahres» verloren. Mindestens im Kerngeschäft der Ausländerpolitik war die SVP in den letzten Jahren an der Urne sonst sehr erfolgreich.Bei den Gewinnern will die SP gleich noch eine Schritt weitergehen: Parteipräsident Christian Levrat will nun eine parlamentarische Initiative für eine erleichterte Einbürgerung für Ausländer starten, wie der Nationarat gegenüber Radio DRS bestätigte. (SDA/bih)

Enttäuschte SVP

BERN – «Wir hatten eine breite Front gegen uns und mussten damit rechnen», sagte SVP-Vizepräsident Adrian Amstutz zur Niederlage an der Urne. Das Resultat sei ein deutliches Zeichen, in welche Richtung das Schweizer Stimmvolk gehen wolle. Kritik an der Abstimmungs-Kampagne wollen weder Amstutz noch der Zürcher SVP-Nationalrat Hans Fehr gelten lassen. «Wir würden nochmals mit den gleichen Argumenten ins Feld ziehen», sagte Fehr im Schweizer Fernsehen.

Die SVP werde nun einen Vorstoss einreichen, dass nur noch Personen mit einer Niederlassungsbewilligung C Einbürgerungsgesuche stellen könnten. «Dies und anderes wird die SVP durchsetzen», sagte Fehr.

Auch der Aargauer SVP-Nationalrat Luzi Stamm gibt sich kämpferisch. Trotz der Niederlage wolle die SVP das Thema Einbürgerungen weiterverfolgen. «Wir müssen dafür sorgen, dass kriminelle Ausländer nicht in der Schweiz bleiben können», sagte SVP-Nationalrat Luzi Stamm im Schweizer Radio DRS.

Stamm sprach von einer Vermischung der Sachfrage Einbürgerungsinitiave und dem Streit um die SVP und Bundesrätin Widmer-Schlumpf als Grund für das Nein. (SDA)

Das sagt der Bundesrat

Der Bundesrat habe mit Befriedigung vom Abstimmungsausgang Kenntnis genommen, sagte Couchepin heute vor den Medien. Der Souverän habe eindeutig klar gemacht, dass Willkür, Diskriminierungen und Redeverbote in der schweizerischen Rechtsordnung keinen Platz hätten. Der Bundespräsident gratulierte Bundesrätin Eveline Widemr- Schlumpf zu ihrem mit «Eleganz, Brio und Mut» geführten Abstimmungskampf gegen die Einbürgerungsinitiative «ihrer» SVP.