Offener Brief an die Stadt Widerstand gegen Berner Reitschul-Massnahmen

BERN - Die Berner Reitschule bekommt Unterstützung: Diverse Kulturveranstalter stellen sich mit einem offenen Brief auf die Seite der umstrittenen Institution.

Das Kulturzentrum Reitschule in Bern play
Das Kulturzentrum Reitschule in Bern bekommt Unterstützung. Keystone / Peter Klaunzer

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Massive Ausschreitungen gegen die Polizei haben die Reitschule in Bern erneut in Verruf gebracht und die Stadtregierung zum Handeln gezwungen. Vor allem mit einschneidenden finanziellen Sanktionen sollte der Druck gegenüber den Betreibern erhöht werden (BLICK berichtete).

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Am 6. März kam es in den frühen Morgenstunden zu massiven Ausschreitungen. Keystone

Gegen diese Massnahmen regt sich jetzt aber Wiederstand. Namentlich der Dachverband Schweizer Musikclubs (PETZI) sowie weitere Kulturhäuser und Kulturinteressierte haben die Stadt Bern in einem offenen Brief aufgefordert, die Sistierung der Gelder für die Reitschule per sofort aufzuheben. Der Freiraum als solcher müsse erhalten und respektiert werden.

Ein verzerrtes Bild des Kulturzentrums

Die aktuelle Debatte über die Berner Reitschule zeichne ein verzerrtes Bild dieses Kulturzentrums, heisst es in dem heute veröffentlichten Brief. Es falle kein Wort zu den Konzerten und Shows, die Woche für Woche im Dachstock oder im Rössli über die Bühne gingen.

Seit ihrer Besetzung 1987 habe sich die Reitschule einen Ruf als kultureller Hotspot in der Deutschschweiz und als gesellschaftlicher Freiraum aufgebaut. Ihre Strahlkraft beeinflusse die Schweizer Kulturszene. Die Art und Weise der aktuellen Berichterstattung gefährde diesen wichtigen Stadtberner Kulturbetrieb.

«Wer will das?»

Vergangene Aktionen in Bern wie beispielsweise «Tanz dich frei» zeigten einen tiefen Graben zwischen den Bedürfnissen der Strasse und den Ansprüchen der Politik. Diese Ursache gelte es anzugehen und nicht Symptome zu bekämpfen.

Eine Schliessung der Reitschule würde den schon tiefen Graben um ein Vielfaches vergrössern, heisst es in dem Brief an die Regierung. Die Sistierung der Mittel würde die Reitschule zu einem besetzten Haus und den Vorplatz zur Sperrzone für Ordnungshüter machen: Bern würde wieder brennen. «Wer will das?»

Es gehe nun darum, gemeinsam dafür einzustehen, dass dieser historische Freiraum ein Freiraum bleibe. Dazu gehöre, sich deutlich vom gewaltbereiten Teil der Szene abzugrenzen: Protest sei eine gute Sache, aber der Zweck heilige nie alle Mittel. (cat/SDA)

Publiziert am 12.03.2016 | Aktualisiert am 26.05.2016
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8 Kommentare
  • Simone  Volande aus Zürich
    13.03.2016
    Endlich Klartext! Von Kulturseite allerdings auch klar. Wo fehlts eigentlich bei der Politik, dass man solche Massnahmen als sinnvoll errachtet? Und was für ein Problem hat die Journaille, die so genüsslich Trolle füttert? Es wär für alle schöner, Ihr würdet frei nehmen, und Euch den berüchtigten Ort einfach mal anschauen gehen. Doch würdet Ihr merken müssen: gefährlich ist da nur die Polizei.
  • Franz  Vincent 13.03.2016
    Offensichtlich geht es von bürgerlich-rechten Politikern darum sich mit einer Pseudo-Debatte über «Sicherheit» in die Medien zu spielen. Ein ungleicher Kampf auf dem Rücken der kulturellen Vielfalt. Wer verlieren wird sind einmal mehr alle die nicht in einem Polizeistaat leben wollen.
  • Heinz  Badertscher 12.03.2016
    Daumen hoch, wenn ihr schon Mal in der Reitschule wart. Sonst Daumen runter.
  • Ivo  Steinmann aus Zürich
    12.03.2016
    "Der Freiraum als solcher müsse erhalten und respektiert werden." Tja, Respekt ist eben eine gegenseitige Sache. Mit Krawallen respektiert man sein Gegenüber ganz sicher nicht.
  • Marcel  Peyer aus Zürich
    12.03.2016
    Das Geld nimmt man gerne, die Pflichten werden ignoriert und Respekt fehtl sowieso. Was braucht es noch, um diesen unhaltbaren Zustand endlich zu beenden?