«OECD-Treffen? Ich weiss noch nicht, ob ich gehe»

  • Publiziert: 06.05.2009, Aktualisiert: 09.01.2012
play Hans-Rudolf Merz: Will «auf dem Gipfel des Erfolgs» zurücktreten. (Keystone)

BERN – Die Schweiz auf der Schwarzen Liste, dann auf der Grauen Liste. Schliesslich das Abkommen mit der OECD. Jetzt nimmt Bundespräsident Merz in einer Pressekonferenz Stellung zum Doppelbesteuerungsabkommen.

Der Bundesrat hat heute die Prioritäten für die Verhandlungen über die OECD-konformen Doppelbesteuerungsabkommen festgelegt. Bis Ende Jahr sollen 12 davon vorliegen. In welcher Phase sie für eine OECD-Anerkennung stehen müssen, ist offen.

Bundespräsident Hans-Rudolf Merz zeigte sich vor den Bundeshausmedien optimistisch, das Ziel von 12 Doppelbesteuerungabkommen zu erreichen. An der Zahl 12 zweifelt der Finanzminister zwar immer noch. So seien aber die Vorgaben, sagte er.

Bisher hätten 23 Länder Interesse an Verhandlungen gezeigt. Die Gespräche mit allen Interessierten würden vorerst von drei, später von vier Teams geführt. Einzelne Verhandlungen seien angelaufen, etwa mit Japan, Polen und den USA. Die erste Verhandlungsrunde mit den USA sei erfolgreich verlaufen, eine zweite Runde finde im Juni in Washington statt.

Keine Abschlüsse vor Ende Jahr

Abschliessen liessen sich die Abkommen bis Ende Jahr nicht. Das sei wegen der Ratifizierung durch das Parlament – auch im Partnerstaat – und wegen des wahrscheinlichen fakultativen Referendums in der Schweiz ausgeschlossen. Die Abkommen könnten bis dahin höchstens paraphiert und auf Ministerebene unterzeichnet sein.

In welcher Phase des Prozesses die Abkommen stehen müssen, um als ausreichende Bemühungen anerkannt zu werden, müsse mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) noch besprochen werden. Die Schweiz verlange dabei energisch eine Mitsprache.

Verhandlungen würden prioritär mit Ländern von grossem wirtschaftlichem Interesse für die Schweiz, mit OECD-Staaten und EU-Ländern geführt. Bei den bilateralen Verhandlungen mit den EU-Staaten habe der Bundesrat noch seinen Entscheid über die Weiterführung des Zinsbesteuerungsabkommens abgewartet.

Erstaunen über EU-Kommission

Im weiteren zeigte sich Merz erstaunt, dass die EU-Kommission das Betrugsbekämpfungsabkommen von 2004 neu verhandeln will. Verhandlungen werde die Schweiz nicht ausschlagen. In der EU gebe es aber Stimmen, welche eine globale Verhandlung durch die Kommission ablehnten. Und zudem hätten viele EU-Staaten das Abkommen noch nicht einmal unterschrieben.

Ob Merz am offiziellen Jahrestreffen der OECD, das am 24./25. Juni in Paris stattfindet, teilnimmt ist offen, wie er weiter sagte. Gewöhnlich reist der Vorsteher des zuständigen Departements hin, in diesem Fall Bundesrätin Doris Leuthard. (SDA)

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