Oberwil-Lieli AG Ab Januar wohnen Asylbewerber in der Gemeinde

OBERWIL-LIELI AG - Für eine fünfköpfige, christlich-syrische Familie wird die aargauische Gemeinde Oberwil-Lieli ab Januar ihr neues Zuhause. Das wurde nach langem Widerstand nun beschlossen.

Der Gemeindeammann von Oberwil-Lieli, SVP-Asylchef und -Nationalrat Andreas Glarner, besuchte Flüchtlingscamps in Griechenland. play
Der Gemeindeammann von Oberwil-Lieli, SVP-Asylchef und -Nationalrat Andreas Glarner, besuchte Flüchtlingscamps in Griechenland. Keystone

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Die aargauische Gemeinde Oberwil-Lieli hat nach langem Widerstand beschlossen, Asylbewerber aufzunehmen. An der Gemeindeversammlung vom Freitagabend wurde die Bevölkerung davon in Kenntnis gesetzt.

Der Gemeinderat will einer fünfköpfigen, christlich-syrischen Familie, die in der Schweiz vorläufig aufgenommen wurde, ab Januar eine Unterkunft und Betreuung anbieten. Wo die Familie wohnen wird, ist derzeit noch nicht klar.

Der Gemeinderat hatte die Bevölkerung via Gemeindeblatt gebeten, ihr leerstehende Wohnungen zu melden. Bisher sei der Aufruf erfolglos geblieben, sagte Gemeindeschreiberin Cornelia Hermann. Die Gemeinde selber besitze zwar eine Wohnung, doch diese werde erst im Juli frei.

Mit der Aufnahme von fünf Asylbewerbern erfüllt die Gemeinde auf dem Mutschellen allerdings nur die Hälfte der vom Kanton berechneten Quote. Die anderen Asylbewerber, die Oberwil-Lieli aufnehmen müsste, sollen in einer Verbundlösung in der nahen Gemeinde Rudolfstetten-Friedlisberg untergebracht werden.

Davon nahm die Bevölkerung an der Gemeindeversammlung ebenfalls Kenntnis. Sowohl gegen die Aufnahme wie auch gegen die Verbundlösung gab es an der Gemeindeversammlung keine Opposition.

Abstimmen konnten die Einwohnerinnen und Einwohner von Oberwil-Lieli am Freitagabend einzig über eine Spende in Höhe von 50'000 Franken an die Organisation www.schwizerchrüz.ch für Flüchtlingshilfe vor Ort. Der Kredit wurde mit einer Gegenstimme genehmigt.

Die private Organisation unterstützt seit August 2015 flüchtende Menschen in Griechenland und der Türkei. Der Gemeindeammann von Oberwil-Lieli, SVP-Asylchef und -Nationalrat Andreas Glarner, hatte anfangs Juli in Griechenland zwei Flüchtlingscamps der Organisation besucht und dort vor Ort das Flüchtlingselend beobachten können.

International für Aufsehen gesorgt

Die Gemeinde hatte sich davor monatelang gegen die Aufnahme von Asylbewerbern zur Wehr gesetzt und damit internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Auch die massive Erhöhung der Ersatzzahlungen, die der Kanton Aargau den Gemeinden aufbrummte, konnte die Einwohner vorerst nicht umstimmen.

Noch im Juni hatte die Gemeindeversammlung auf Antrag des Gemeinderates beschlossen, 290'000 Franken ins Budget aufzunehmen, damit sich die Gemeinde von der Aufnahmepflicht «freikaufen» konnte. Gleichzeitig wurde der Gemeinderat damals beauftragt, zu prüfen, ob eventuell dennoch Asylbewerber aufgenommen werden sollen.

Der Budgetgenehmigung war eine mehrmonatige Kontroverse vorausgegangen. Ende November 2015 hatte die Gemeindeversammlung überraschend beschlossen, die im Budget eingestellten 290'000 Franken nicht für die Ersatzzahlung an den Kanton wegen Nichtaufnahme von Asylsuchenden zu verwenden.

Dieser Beschluss wurde mittels Referendum angefochten und bei einer Urnenabstimmung am 1. Mai knapp wieder umgestossen. (SDA)

Publiziert am 25.11.2016 | Aktualisiert am 27.11.2016
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5 Kommentare
  • Markus  Sigrist aus Bauen
    26.11.2016
    Christliche Flüchtlinge haben es besonders schwer. Oft werden sie in Flüchtlingslagern von anderen (muslimischen) Flüchtlingen beschimpft oder gar bedroht oder geschlagen, wie Opendoors kürzlich glaubhaft dargelegt hat. Deshalb ist der Schritt in diesem Fall nur zu begrüssen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Familie bestens integrieren wird und der Gemeinde kaum zur Last fallen wird.
  • Urs  Berner 26.11.2016
    Ich weiss nicht so recht ob die Familie in diesem Kaff gut augehoben ist. Wer sich mit rassistischen Tönen gegen Hilfe an Flüchtlingen gewehrt hat wird auch heute kein Freund dieser Aktion sein.
  • Peter  aus Oberbipp 26.11.2016
    Und schon wieder eingeknickt. Wo bleibt euer Rückgrat zu Entscheidungen zu stehen? Als Fahne im Wind hat man halt einfacher.
  • Theres  Küenzi aus Seeberg
    26.11.2016
    ist ja grossartig. und jetzt fühlen die sich bestimmt auch noch gut dabei,
  • Hugo  Stiglitz aus Frankreich
    26.11.2016
    Eine ganze Familie aufnehmen. Ist ja enorm.
    Aber wohl genug fuer das gute Gewissen..